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29.09.18:02
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Tag 272 - Respekt, Herr Kardinal!

Es ist immer wieder erstaunlich, dass ich auch nach so vielen Jahren journalistischer Einschätzungen immer wieder überrascht, um nicht gar zu sagen, eines Besseren belehrt werden kann. Ich weiß nicht, wie lange ich schon die Tatsache kritisiere, dass Österreichs höchster Kirchenvertreter und Botschafter der Nächstenliebe allen Ernstes eine Kolumne in der Kronen Zeitung pflegt. Dass also Christoph Schönborn Seite an Seite mit den boulevardesken Giftmischern unserer Gesellschaft sein persönliches Evangelium verkündet und daran offensichtlich nichts Verwerfliches entdecken kann. Nun aber meldete sich der Kardinal ohne ersichtlichen Anlass plötzlich zu Wort, und zwar, man lese und staune, via Twitter. Dieser Hauch von Modernität ist ja per se schon verblüffend, aber mich in diesem Fall der Inhalt wesentlich mehr in Fassungslosigkeit versetzt. Zumal gerade Christoph Schönborn die Kunst der Diplomatie bis zum letzten ausreizte, wenn es darum ging, den eher eigenwilligen Zugang des Kanzlers zum Katholizismus zu umschleichen. Aber jetzt! Wie aus heiterem Himmel – als wäre es ein göttlicher Auftrag – dankte der Kardinal all jenen gedankt, die sich für Flüchtlinge und deren Integration einsetzen. Betonung: Für Flüchtlinge. Ohne Aber. Mehr noch: Schönborn tat, was sich seit sehr langer Zeit (Obacht SPÖ, nur so als Beispiel) niemand mehr traut, weil der so genannte Mainstream auch große Teile des Humanismus aufgefressen hat. Er lobte tatsächlich die „Willkommenskultur“ in den Pfarren. Und als wäre diese Wortwahl nicht schon Offensive genug, legte er sogar noch eine Bewertung drauf (man hätte fast meinen können, sein Account wäre gehackt worden). Er merkte nämlich kritisch an, dass bei diesem Thema mit Polemisierung Politik gemacht werde. Das ist freilich nichts Neues. Aber sehr wohl etwas Neues aus Schönborns Feder. „Ich danke allen, die sich einsetzen für Flüchtlinge und ihre Integration“, schrieb er. Und, jetzt kommt's: „Wir wissen, dass sich das Klima in unserem Land gewandelt hat. Heute kann man Wahlkampf machen, indem man gegen Flüchtlinge und Immigration polemisiert. Unsere erste Antwort ist die Arbeit an der Basis.“ Ganz ehrlich: Das hätte ich ihm nie zugetraut. Und ich sage ohne jede Ironie: Respekt! „Die Willkommenskultur in unseren Pfarren ist kein zusätzlicher Dienst, sondern Grundhaltung der Jünger Jesu“, betonte er. Und, jetzt kommt's noch einmal: „Ich zitiere Andre Heller: 'Die Weltmuttersprache ist das Mitgefühl.' Das ist Kern der christlichen Botschaft. Bitte lasst eure Kirchen offen. Ich verstehe nicht, wie es eine Gemeinde aushält: der Herr ist da und die Kirchentüren sind zu. Wie geht das? Ich versteh das nicht.“ Beeindruckend, diese Klarheit. Und ich habe mir am Ende nur eine Frage gestellt: Warum tut er das? Die Antwort nach einer persönlichen Recherche. Er hat die Nase voll. Und zwar nicht alleine. Denn ganz offensichtlich wird die Zahl jener Menschen, die den zur Institution gewordenen Verrat an Humanismus und Nächstenliebe nicht mehr hinnehmen und dulden wollen, Tag für Tag größer. Und welches Sprachrohr eignet sich besser zur Verkündung von Irritation und Zorn als der ranghöchste Gesandte des Glaubens. Ich bin sicher, Christoph Schönborn hat nicht nur einem eigenen Instinkt folgend gehandelt. Sondern er hat sich auch mit jenen öffentlich solidarisiert, die mit dieser Politik nichts am Hut haben wollen, aber aus den unterschiedlichsten Motiven nicht die Größe haben, es in aller Entschlossenheit laut zu formulieren. Der Kardinal hat, wenn man es so will, ein Machtwort gesprochen. Nicht unbedingt eines, das die Regierungscombo beeindrucken wird. Aber eines, das sehr wohl ein Signal für viele gläubige Menschen ist, getreu dem Credo: Bewahrt Euch Eure Haltung. Und diese wortgewaltige Erinnerung an die eigene Kraft des Geistes und die Mitmenschlichkeit sollten Sebastian Kurz und seine Boygroup nicht unterschätzen.

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28.09.14:59
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Tag 271 - Warnung vor den Wölfen

Der Standort bestimmt den Standpunkt, heißt es so oft. Und nach einem langen und intensiven Gespräch mit einigen Menschen in der Südtiroler Gemeinde Mals fühlt sich dieser Satz für mich so bestätigt an wie lange nicht mehr. Es gab zuletzt immer wieder Geschichten über die Rückkehr der Wölfe in den mitteleuropäischen Raum, speziell in den Tiroler. Die fast schon ausgestorbene Spezies wurde vor vielen Jahren (wie im übrigen auch die Braunbären) mit speziellen Programmen in die Natur zurückgeholt. Schön für die Tiere, schön auch für uns, die wir als Wesen der Vernichtung in vielen Regionen wieder die Verantwortung für Tierpflege und Artenvielfalt übernommen haben. Der Nachteil: Die Vermehrung der Wölfe schritt so munter voran, dass die Population mittlerweile viel zu groß für die vorhandenen Futterressourcen wurde. Was bedeutet: Die Raubtiere nähern sich mehr und mehr den Menschen und ihren Schafen. Speziell in Südtirol vergeht fast keine Woche, in der Landwirte nicht von wölfischen Überfällen berichten. Und diese Geschichten zu hören, versetzt einen in richtiges Gruseln. Zuletzt fielen zwei Wölfe über eine Schafherde her und ließen sich nicht einmal von Hunden und Männern mit Stöcken von ihrer Tat abbringen. Die Bauern mussten hilflos zusehen, wie ein Schaf nach dem anderen totgebissen wurde, wie also ihre wertvolle teile ihrer Existenz in Fetzen gerissen wird. Die einzige Möglichkeit der Gegenwehr wäre der Abschuss. Der ist aber in Österreich und Italien strengstens verboten. Das Gesetz, das in Brüssel entstanden ist, erlaubt bis dato keine Ausnahmen auf europäischem Boden. Im Unterschied zur Schweiz, wo in solchen Fällen der Verteidigung von Hab und Gut sehr wohl Schusswaffe zum Einsatz gebracht werden dürfen. Unser Südtiroler Gastwirt erzählte uns von völliger Verzweiflung und von unbändigem Zorn jener, die Unmengen investieren müssen, um ihr Vieh zu schützen – oft genug ist auch das vergeblich. Es ist ein erbarmungsloser Kampf geworden, gegen die Wölfe, gegen die Bürokratie. Zuletzt formierten sich zahlreiche Bauer und luden vor den Gemeindeämtern Dutzende ausgeblutete Schafskadaver ab, als eine Art aktionistischen Protest. Nd ein Mann erzählte uns, dass es längst zu Fällen von Selbstjustiz gekommen ist. Heißt: Die zornigen Schafhüter knallen angreifende Wölfe trotz des Verbots ab und vergraben sie im Wald. Heimlich, nur ja keine Meldung. Denn die Angst wächst, Vielfalt und Ästhetik ist schon längst kein schützenswertes Thema mehr. Auch deshalb, weil die Zahl der Wölfe rasant steigt, und die Gefahr, dass bald auch Menschen (vor allem spielende Kleinkinder) zu Opfern werden (wie es bei den Begegnungen mit Bären schon vorkam), an jedem Stammtisch besprochen wird. Mich haben Wölfe immer fasziniert, auch aus soziologischer Sicht. Und ich habe mich über jede Meldung gefreut, die Sichtungen zum Inhalt hatte und die Einzigartigkeit dieses Tieres beschrieb. Aber ich lebe auch in der Großstadt (wiewohl immerhin am Rande des Wienerwalds), und meine Treffen mit Waldbewohnern beschränken sich auf gelegentliche Rendezvous mit scheuen Füchsen und Dachsen. Ein Wolf verirrt sich nie in meine Gegend. Jetzt habe ich erstmals einen Abend lang gehört, was es bedeutet, wenn die Bedrohung immer größer wird und keine Ideen für ein friedvolles Nebeneinander von Mensch und Tier geboren werden. Im Gegenteil. Auch das sind Herausforderungen, die eine Politik meistern muss. Und zwar ohne den Gedanken an neuerliche Ausrottung.

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27.09.16:25
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Tag 270 - Golf & Identität

Es gibt viele Sportereignisse, die mich fesseln und die mir Anlass sind, meine Leidenschaft in Worte zu fassen. Aber kaum ein Event löst in mir ein so außergewöhnliches Bedürfnis zur Erläuterung aus wie der Ryder Cup. Aus zwei ganz wesentlichen Gründen. Es handelt sich bei diesem phänomenalen Duell um einen Teamwettbewerb der Golfer. Alle zwei Jahre treffen einander die 12 besten Spieler der USA und die 12 besten Spieler Europas zum dreitägigen Kräftemessen. Abwechselnd in den USA und Europa. An den ersten beiden Tagen werden insgesamt 16 Paar-Matches absolviert, am Finaltag (Sonntag) kommt es in den 12 Einzeln zum Showdown. Morgen startet in Paris der Ryder Cup 2018, und er soll für die Europäer die große Revanche werden für die Schmach von 2016, als sie in Chaska/Minnesota vernichtend mit 17:11 geschlagen wurden. Das spezielle am Ryder Cup ist: In einer völlig durchkommerzialisierten Welt, in der die besten Sportler mit Millionengagen verwöhnt werden, ist dieses Match der Giganten eine Frage der Ehre. Es wird de facto kein Cent ausgespielt, es geht lediglich um den Ruhm und einen Pokal, der als Objekt allergrößter Begierde zum Garant für emotionales Spektakel für Golfer, Betreuer und Fans wird. Wer es noch nie erlebt hat, nur zu, keine Scheu. Ihc erinnere mich noch so gut an ein Gespräch, das sehr lange zurückliegt. Damals fragte mich mein Vater, der in seinem Leben niemals einen Golfschläger in Händen gehalten hatte, was es denn mit diesem Ryder Cup auf sich hätte. Und ich erklärte ihm in aller Ausführlichkeit die Idee, den Geist und die Regeln. Und ich freute mich, als mich wenige Tage später – vor dem Fernseher sitzend – anrief, um mir zuzurufen, dass er so etwas Spannendes noch nie gesehen hätte. Es hat nicht die geringste Rolle gespielt, das er zu diesem Sport keinen Bezug hatte – er ließ sich einfach vom besonderen Charakter des Matchplays und der einzigartigen Atmosphäre treiben. Wo Ryder Cup drauf steht, ist Faszination drin. Heute vielleicht mehr als je zuvor. Denn es ist originellerweise ausgerechnet der oft belächelte Golfsport, der eine Dynamik entwickeln kann, wie es sie nirgendwo anders gibt. Der etwas schafft, was in unserer Wahrnehmung dramatisch weit weg ist: Eine europäische Identität. Ja, tatsächlich treffen einander bei diesem Ereignis Hunderttausende Menschen aus ganz Europa, um – wie in diesem Fall – fünf Engländer, zwei Spanier, zwei Schweden, einen Nordiren, einen Dänen und einen Italiener zu unterstützen. Zwölf Männer, ein Ziel – dem europäischen Stolz gegen das Imperium von Stars & Stripes zum Sieg zu verhelfen. In Kleidung, die keinen Sponsor zulässt, sondern nur das europäische Blau mit den goldenen Sternen. Der Ryder Cup vermag also tatsächlich jenes Gefühl zu vermitteln, das wir auf politischer Ebene so dringend bräuchten, das Bewusstsein von Einigkeit und Entschlossenheit, von Überzeugung und Wille, von Wertschätzung und Freundschaft. Allein deshalb lohnt sich ab morgen das Zusehen. Es ist ein Miteinander, das so viel Vergangenheit hat. Und das gleichzeitig so viel Zukunft haben müsste, fernab der Pariser Grüns.

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26.09.19:11
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Tag 269 - Wiesn-Wahrheit

Eine der beliebtesten Opferhaltungen der rechten Gesellschaft lautet: „... aber das darf man ja heutzutage nicht mehr sagen.“ Das finde ich besonders bemerkenswert, weil der Satz immer einer Bemerkung folgt, die ohne jede Konsequenzen bleibt. Nahezu alles darf gesagt werden. Und wird auch gesagt. Und dennoch wird permanent geschickt an der Erzählung gearbeitet, dass kritische Wahrheiten nicht zugelassen werden. Und dass der (linke) Mainstream sich zum Meister der Vertuschung unliebsamer Ereignisse aufschwingt. Eine böse Falle ist das. Denn das hat mittlerweile zur Folge, dass die Einschüchterung wirkt, und dass simpelste Fakten nicht mehr entsprechend behandelt werden, aus Angst davor, die den moralischen Pfad der Ausgewogenheit zu verlassen. Ein schönes Beispiel dafür ist das Münchener Oktoberfest. Während in der Zwischenzeit jeder kriminelle Fall eines Ausländers (der womöglich noch ein islamischer Asylwerber ist) vom Boulevard genüsslich zur Stimmungsmache ausgebreitet wird, verschwindet der Strafbestand-Alltag zunehmend in der medialen Bedeutungslosigkeit. Das haben die Skandal-Schreier der rechten Agitatoren durch permanenten Gewissenspenetration geschafft. Und so verkommen jene Widerlichkeiten, die als Ausrutscher in der Brauchtumspflege betrachtet werden, regelmäßig zur Randnotiz. Das Oktoberfest etwa ist erst ein paar Tage alt, aber die ersten sexuellen Übergriffe sind längst geschehen. Allerdings nicht von Afghanen, Irakern oder Syriern, sondern … von Deutschen. So hatte es eine 32-jährige Touristin aus Brasilien nur der Aufmerksamkeit einer Reinigungsfrau in der Ochsenbraterei zu verdanken, dass sie nicht Opfer einer Vergewaltigung wurde. Die Frau war laut Polizei „erheblich alkoholisiert“ aufs WC gegangen, wo sie bei offener Tür in einer Kabine saß. Das fiel der 48-jährigen Mitarbeiterin auf, die informierte den Sicherheitsdienst, weil die Frau nicht mehr allein aufstehen konnte. Als die Reinigungsfrau zurückkam, fand sie die WC-Tür versperrt. Weil ihr das seltsam vorkam, sperrte sie auf und fand einen Mann mit heruntergelassener Hose vor der Touristin stehen. Der Sicherheitsdienst konnte den 26-Jährigen, der im Landkreis lebt und rund 1,5 Promille Alkohol im Blut hatte, festhalten und der Polizei übergeben. Im Fall einer 21-jährigen Studentin aus Finnland, die ein Mitarbeiter der Geländesicherheit am Samstag gegen 23.30 Uhr nicht ansprechbar und mit Unterkühlungen in einem Gebüsch am Rand des Festgeländes fand, geht die Polizei hingegen von Vergewaltigung aus. Der Sicherheitsmann hatte dort zuerst einen 25-jährigen Münchner gesehen, der aus dem Gebüsch kam und sich die Lederhose zuknöpfte. Weil ihr Slip neben der Frau lag, kam ihm das seltsam vor, so dass er die Polizei alarmierte. Die Touristin war mit mehr als zwei Promille so stark alkoholisiert, dass sie keinerlei Angaben zu dem Vorfall machen konnte. Der 25-Jährige wurde vorläufig festgenommen. Jo mei, mag sich da so mancher denken. Die Alternative wäre: Männliche Gewalt an Frauen ist als männliche Gewalt zu ahnden und zu verurteilen. Einerlei, welche Nationalität der Täter hat. Und allein dieses Prinzip endlich auch wieder zur journalistischen Mission zu machen, wäre für den sozialen Frieden so wertvoll wie schon lange nicht mehr.

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Stimmungsmache

Dieser Verantwortung muß sich der Boulevard jetzt und in Zukunft stellen:
daß im Zuge ungleich gewichteter Berichterstattung auf verantwortungslose Weise Stimmung gemacht wird gegen alle, die auch
nur ansatzweise den Eindruck erwecken, keine "echten" Österreicher zu sein. Da der Mensch nun einmal ein emotionales Wesen ist, wird auf diese
Weise die Stimmung breiter Bevölkerungsschichten immer mehr
in eine bestimmte Richtung gelenkt und damit Angst und Unsicherheit
geschürt. Diesen Trend jetzt im Zuge dieser Anweisung (?) aus Kickls Giftküche noch zu verstärken,
ist eine unglaubliche Infamie, und ich kann nur hoffen - wieder einmal - daß sich endlich in der ÖVP einige vernünftige Leute finden - die sollte es doch wohl noch geben - die diesem ganzen Spuk zumindest Einhalt gebieten, wenn sie ihn schon nicht gleich zu beenden in der Lage sind.
Hoffen wird man doch wohl noch dürfen ….?

Doris Alt 03.10.2018, 17:32
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25.09.21:48
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Tag 268 - Und wieder Kickl

Ja, natürlich ist die Aufregung groß, weil ein Mitarbeiter des Innenministeriums in einem Rundmail an die Polizeistellen ohne jede Scham definiert hat, dass bestimmte Zeitungen nicht im gleichen Maß wie andere mit Infos versorgt werden sollen. Ja, natürlich ist die Aufregung groß, weil hier ganz offensichtlich ein gefährliches Verständnis von Pressefreiheit und Demokratiebewusstsein sichtbar wird. Ja, natürlich ist die Aufregung groß, weil der Innenminister wieder einmal von nichts gewusst haben will, weshalb er wegen Kontrollverlusts mindestens so rücktrittsreif ist, als hätte er die Anordnung, pardon, den Vorschlag, selbst formuliert. Ja, natürlich ist die Aufregung groß, weil in diesem Mail auch schriftlich festgehalten wird, dass die Nationalität ausländischer Straftäter durchaus mit Nachdruck den Medien kommuniziert werden soll. Ja, natürlich ist die Aufregung groß, weil im gleichen Schreiben auch gebeten wird, sexuelle Übergriffe im öffentlichen Raum (die mehrheitlich durch Fremde begangen werden) ebenso proaktiv den Zeitungspartnern zu melden, einerlei, ob die große Mehrheit solcher strafbaren Handlungen im privaten Bereich, allerdings von Österreichern, stattfinden. Ja, natürlich ist die Aufregung groß, weil Herbert Kickl zum wiederholten Mal (man hat längst aufgehört, die Einzelfälle zu zählen) in seiner verantwortungsvollen Position durch radikale, destruktive und fragwürdige Vorgehensweise das Ansehen der Republik schädigt, wenn nicht gar schändet. Ja, natürlich ist die Aufregung groß, weil es notwendig ist, dass der Bundeskanzler und der Bundespräsident in New York festhalten müssen, dass derlei Aktionismus nicht akzeptabel sei. Ja, natürlich ist die Aufregung groß, weil sich auch in den bedeutenden Demokratien Europas die großen Medien fragen, was denn da los sei in diesem sonderbaren Österreich. Aber um ganz ehrlich zu sein, mich kotzt diese Aufregung so unendlich an, dass ich es gar nicht mehr in Worte fassen will. Denn ich frage mich wirklich, wozu ich mir seit Wochen, Monaten und Jahren die Finger wund schreibe, warum ich einen warnenden Text nach dem anderen auf dieser Website veröffentliche, warum ich so oft betone, dass ich lieber noch fünf Jahre rotschwarzen Stillstand hätte als auch nur fünf Tage eine Regierung mit FPÖ-Beteiligung. Aber nein, die um sich greifende, alles verzehrende, verschluckende, verdauende Sebastianie hat dafür gesorgt, dass etwas herbeigeschrieben und herbeiphantasiert und herbeiintrigiert wurde, wofür wir jetzt jeden Tag büßen müssen. Sieh' an, der Kickl ist ein Extremist, ein Staatsgefährder, ein untragbarer Minister … wer hätte das gedacht? Dieses ganze Aufheulen, dieses ganze Erwachen, diese ganze plötzliche Erkenntnis, dass mit einer Partei, die seit jeher auf Krawall und Zerstörung ausgerichtet ist, kein Staat zu machen ist, sie ist das ultimative Eingeständnis einer dramatisch falschen Einschätzung. Es gab sie, die Rufer in der Wüste, vereinzelt haben sie sich im vergangenen Jahr gewehrt gegen das Gebrüll, das Land stünde am Abgrund, gegen die Annahme, eine dritte Auflage von Schwarzblau würde niemals den gleichen Mechanismen unterworfen sein wie die erste und zweite unter Wolfgang Schüssel (stimmt, die waren harmloser), gegen die Unterwürfigkeit des Boulevards und der bürgerlichen Veränderungsneurotiker. Aber sie wurden nicht gehört. Statt dessen musste Alexander Van der Bellen das Schlimmste abwenden und so manche Hardliner ausgrenzen, um sich heute den Vorwurf gefallen lassen zu müssen, er hätte noch viel härter durchgreifen sollen. Beispielsweise im Fall von Herbert Kickl. Wie kann so einer Innenminister werden? Eine berechtigte Frage, aber sie muss nicht VdB, sondern dem Wunderkanzler gestellt werden – laut, vorwurfsvoll, böse. Ja sind jetzt alle durchgeknallt? Was haben sich die Apologeten des Umbaus erwartet? Eine konstruktive FPÖ? Eine fortschrittliche FPÖ? Eine offenherzige, abwägende, geläuterte FPÖ? Es ist so erbärmlich, alles so erbärmlich. Herbert Kickl ist seit acht Monaten im Amt und taumelt von einer Unverzeihlichkeit in die nächste, und die gesamte ÖVP duckt sich vor lauter Machtbesoffenheit weg, um nur ja nicht zugeben zu müssen: Wir haben uns geirrt, wieder einmal geirrt, es ist alles ein Wahnsinn. Herbert Kickl wird selbstverständlich nicht zurücktreten. Und alle jene, die nicht sehen wollten, was unübersehbar war, haben sich mitschuldig gemacht. An einer brandgefährlichen Unterwanderung, deren gesamtes Ausmaß erst zu entdecken sein wird, wenn es längst zu spät ist.

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Lieber Walter Klausser,

danke für den Input, ich weiß das zu schätzen. Und Sie haben natürlich recht, dass eine größere Verbreitung fein wäre, aber letztendlich ist die Idee dieser Website eben vor allem mein Kommentarjournalismus, für den sich Menschen entscheiden können (oder eben nicht). Das Problem von Facebook ist außerdem, dass ich jede politische Veröffentlichung auch permanent begleiten und im Auge behalten muss, weil ich ja auch verantwortlich für die Postings auf meiner Seite bin ... und das ist ein abenteuerlicher zeitlicher Aufwand, den ich mir ehrlich gesagt nicht antun kann und will.
Michael Hufnagl 27.09.2018, 10:10

warnende Texte

Sehr geehrter Hr. Hufnagl,
veröffentlichen Sie Ihre Texte auch noch wo anders oder nur hier auf Ihrer Plattform ?
Denn hier lesen ja Ihre Kommentare - ich vermute fast ausschließlich - nur Leute die sowieso Ihrer Meinung sind.
Solche Texte sollten Sie in Facebook stellen dann hätten wir, die Ihre Texte sehr schätzen, die Möglichkeit durch teilen, eine größere Leserschaft zu erreichen.
liebe Grüße
Walter Klausser
wkl 27.09.2018, 07:14
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24.09.16:22
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Tag 267 - Pamela Rendi-Wagner

Ich bin Pamela Rendi-Wagner in den vergangenen zwei Jahren bereits zweimal begegnet, und ich habe mich jeweils kurz mit ihr unterhalten. Aber diese Momente der Nähe haben gereicht, um zu bestätigen, was viele Menschen über sie sagen: Sie ist eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Klug, eloquent, schlagfertig, und gleichzeitig feinsinnig, fröhlich und charmant. Ich gestehe aber, dass ich mir immer gedacht habe: Was um Himmels Willen tut diese Frau im Kreis der SPÖ? Wie kann es sein, dass sie den Glauben besitzt, unter Intriganten, Flügelkämpfern und Apparatschiks ihren Platz zu finden? Wieviel Idealismus muss jemand haben, um die Realität einer so entrückten Partei auszublenden? Denn Faktum ist: Christian Kern ist nicht nur an sich selbst, seiner mitunter naiven Vorstellung von Politik, seiner allzu oft nicht stringenten Strategie und seiner Unfähigkeit, Opposition zu leben, gescheitert. Nein, der SPÖ-Chef, der sich vor zwei Jahren als Manager der Krise feiern ließ und einen Eindruck hinterließ, als könnte er nur durch Worte Wasser in Wein verwandeln, ist vor allem wegen seines fehlenden Gespürs für die wahren Freunde und richtigen Berater nie dort angekommen, wo er sich selbst so gern gesehen hätte: Auf einem Thron. Kern war zum Kanzler geboren, zum hemdsärmeligen Widerstandskämpfer hingegen gar nicht. Am Ende verweigerten ihm zahlreiche Parteigenossen mehr oder weniger offenherzig die Gefolgschaft, andere hatten wiederum nur eines im Sinn: Rache. Wer mindestens zwei von drei der mächtigsten roten Männer gegen sich, und genau diesen Umstand allzu lang massiv unterschätzt hat, wer inhaltlich nicht Kurs hält, und wer darauf vertraut, dass fragwürdige Wahlkampfmethoden den Weg ins Kanzleramt ebnen, bleibt am Ende als Verlierer übrig. Schade, sehr schade. Denn ich bin überzeugt, dass nach der Präsentation des Plan A und der damit verbundenen Windkraft alles hätte anders kommen können. Aber sogar das große Finale, die Ankündigung einer Kandidatur bei der EU-Wahl, wurde, es ist so bezeichnend, zum Sinnbild für Verrat und Missgunst, zum Beweis fehlender Solidarität und Kommunikationskraft. So oft wurde über die Message Control des Sebastian Kurz gespottet – hätte Christian Kern nur die Hälfte dieser Marketingsouveränität gehabt, er säße vielleicht heute noch auf dem Kanzlerstuhl. So hingegen wird er möglicherweise zum größten Problem für Rendi-Wagner. Ja, ausgerechnet ihr wichtigster Protegé könnte ihr im Weg stehen. Durch falsch verstandenen Teamspirit. Denn in Wahrheit muss Kern jetzt so rasch wie möglich raus aus dem Klub, raus aus der Chefetage, raus aus dem Fokus. Um nicht jenen langen Schatten zu werfen, der ein Strahlen der neuen Vorsitzenden verhindert. Aber was passiert? Klar, das Gegenteil. Typisch SPÖ. Und wieder ein Kommunikationsgau. Ob Radio, Fernsehen oder Zeitungen, überall erklärte sich an diesem Wochenende wer? Christian Kern. Also jener Mann, der tagelang zum Symbol des Rückzugs und des Eingeständnis des Scheiterns eines gesamten Apparats wurde. Kern hier, Kern da, Kern, so weit die Wahrnehmung reicht. Statt die designierte Retterin, entschlossen lächelnd, gleich einmal durchzureichen und der Partei ein neues, visionäres und mutiges Antlitz zu verpassen. Wem fällt so etwas ein? Statt dessen darf der Wiener Bürgermeister mit Leichenbittermiene im Fernsehen verkünden, dass er lieber jemand anderen, nämlich Doris Bures, an der Spitze gesehen hätte. Michael Ludwig, selbst mit Ach und Weh ins Amt gehievt, startet gleich zu Beginn mit einer Art Misstrauenvorschuss gegen Rendi-Wagner und gewährt der österreichischen Bevölkerung sogar im Moment maximaler Aufbruchstimmung einen Blick in den Abgrund jener Machtversessenheit und Zukunftsversessenheit, vor der Christian Kern schon vor zwei Jahren gewarnt hat. Pamela Rendi-Wagner hat einen steinigen Weg vor sich. Sie muss die Balance zwischen den Gesinnungsneurotikern, Postenfetischisten und Allmachtsphantasten schaffen, muss Ideen und Konzepte entwickeln, Personal tauschen und Bünde schließen, und sie muss als Oppositionspolitikerin das Florett und nicht den Bi-Hander (noch so eine jenseitige Hinterlassenschaft) zum Einsatz bringen, um der SPÖ ein völlig neues Profil zu geben. Und das alles vier Jahre lang. Denn knapp vor einer Wahl fiele nahezu alles viel leichter. Aber gerade deshalb, weil ihr, der von vielen belächelten Frau, diese notwendige entschiedene Härte nicht zugetraut wird, glaube ich, dass sie zu überraschen vermag. Ich glaube, dass jene fehlende Vernetzung und Bindung in Wahrheit ihr größter Trumpf werden kann. Sie kann am Grat zwischen Unvoreingenommenheit und Rücksichtslosigkeit, zwischen Kompromiss und Angriffslust, zwischen Scheißmirnix und Scheißdrauf wandeln und alle Skeptiker eines Besseren belehren. Mein Gefühl sagt mir, dass sie von vielen unterschätzt wird. Und ich glaube, dass ihr Charisma in den Elfeinbeintürmen der modernen Sozialdemokratie genauso Spuren hinterlassen wird wie in den Bierzelten des Landes. Kurz und Strache werden natürlich alles tun, um sie rasch zu diskreditieren, aber ich bin sicher Pamela Rendi-Wagner wird ein neues Feuer entfachen. In der eigenen Partei. Und erst recht im Kampf gegen die rechte Koalition.

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Freund Feind Parteifreund

Wenn man so Parteifreunde hat wie Ludwig @ Co - machtversessene Machos der übelsten Sorte, schmallippig süffissant ("Überforderung") der designierten Vorsitzenden schon jetzt die Befähigung absprechend (wäre so eine Bemerkung über einen Mann vorstellbar????) braucht man keinen Strache und keinen Kurz mehr. Noch ehe Pamela Rendi-Wagner ihre Funktion antreten kann wird schon wieder intensivan ihrer Demontage gearbeitet. Diese Partei ist offenkundig dem Untergang geweiht, da maßgebliche Funktionäre immer noch nicht begriffen haben, dass sie nicht nur um ihre eigenen Posten streiten sondern so die SPÖ ruinieren und das Land den Rechten überlassen. Das Schicksal der sozialistischen Parteien in anderen europäischen Ländern - wie sie sie so gut wie nicht mehr gibt (Frankreich, Italien) ist offensichtlich nicht Warnung genug. Und nach der nächsten Wahl geht alles von vorne los - Asche auf's Haupt, Schuldzuweisungen, aber keine Kraft zur Erneuerung. Vielleicht hilft ja wirklich nur noch eine Neugründung.
heidiinvienna 28.09.2018, 11:53

Ehrlich gesagt .....

.... möchte ich heutzutage kein Politiker sein. Da zeigt eine Frau Verantwortung in einer schwierigen Phase ihrer Partei und dann wird Ihr von männlichen Egos ausgerichtet, dass das für sie wohl nicht schaffbar sein wird (hätte man einem männlichen Bewerber nie mitgeteilt). Somit wird einer Frau, die in Zeiten von Hetz und Narzissmus sicherlich weitaus für Ruhe und Sachlichkeit einsteht, gleich zu Beginn (von "Parteifreunden") das Wasser abgegraben. Zusätzlich kann heutzutage jeder Parteizwerg via Twitter und Facebook seinen Senf absondern und schafft damit den Sprung in die Öffentlichkeit und die Medien. Da weißt du als neuer Spitzenkandidat echt nicht mehr, an wie vielen Fronten du noch agieren sollst (außer du hast einen Lottosechser wie Sebastian Kurz, hinter dem wirklich alle still gehalten haben)? Parteikommunikation war in früheren Jahren sicher leichter koordinierbar als heute. Wie soll man sich denn da ein positives Image aufbauen können, wenn die eigenen Leute schon laufend ihre Ego-Sticheleien platzieren? (an die kommenden geistigen Tiefschläge der politischen Mitbewerber einer Frau gegenüber mag man noch gar nicht denken). Hut ab vor jemandem, der sich dieser Herausforderung selbstbewusst stellt und den Glauben an Konstruktivität noch nicht verloren hat.
Alex 28.09.2018, 05:40
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14.09.10:00
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Tag 257 - Dritte Sommerpause

Die Sonne und ich haben noch ein letztes Rendezvous, eine Spätsommerwoche zum Sammeln der Kräfte schenke ich mir noch. Denn es wartet ein heißer Herbst. Weiter geht's am 23. September ... mit einem großen Interview.

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13.09.16:07
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Tag 256 - Verfahren gegen Ungarn

Der britische Politfundamentalist Nigel Farrage brachte es auf den Punkt, als er Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán einen schlichten Rat erteilte. Er möge sich doch den Brexit als Vorbild nehmen und die EU verlassen. Die Spalter haben also wieder Saison. Oder noch immer. Oder mehr denn je. Wenn es nicht läuft, drauf pfeifen. Wenn Kritik kommt, abhauen. Wenn Drohungen einsetzen, beleidigt zurückschlagen. Einmal mehr offenbart sich das Dilemma, von den europäischen Ideen profitieren zu wollen und gleichzeitig im eigenen Schrebergarten in nationalistische Radikalopposition gehen. Die Marie nimmt Orbán gerne, die damit verbundenen Prinzipien einer Gemeinschaft ignorierte er zuletzt so lange und so provokant, dass es nun zu einer Abstimmung im EU-Parlament kam. Dabei stimmten 448 Abgeordnete für die Einleitung eines Verfahrens nach Artikel 7 des EU-Vertrags, 197 dagegen, 49 enthielten sich ihrer Stimme. Neben Polen steht damit nun auch Ungarn am Pranger. 79 Seiten lang ist die Liste der Vorwürfe, auf der Abgeordnete des Europaparlaments zusammengeschrieben haben, wie Ungarn aus ihrer Sicht die europäischen Werte und die Vorstellung von einem funktionierenden Rechtsstaat konsequent verletzt. Angefangen bei der Behinderung von kritischen Nichtregierungsorganisationen, bis hin zum Eingriff in die Freiheit der Wissenschaft an den Universitäten oder gar in die Pressefreiheit. Von Menschenrechtsverletzungen und Behinderung der Justiz ganz zu schweigen, oder dem menschenunwürdigen Umgang mit Flüchtlingen. Aber nicht nur das, es wird auch der massive Vorwurf erhoben, Ungarns Regierungschef Viktor Orbán würde sich und seine Getreuen gezielt mit europäischem Geld bereichern und das weitreichende Problem von Korruption, Interessenskonflikten und Klientelwirtschaft sowie einen Mangel an Untersuchung und Aufklärung offensichtlich erscheinen lassen. Die niederländische Grünen-Abgeordnete Judith Sargentini sprach in ihrem Bericht über eine „systemische Bedrohung der Demokratie, der Rechtsstaatlichkeit und der Grundrechte in Ungarn.“ Heißt zusammengefasst: Die demokratischen Werte sind durch ein autokratisches Verhalten in Gefahr. Auch wenn Viktor Orbán das freilich ganz anders sieht und zu einer pathetischen Erklärung ausholte: Die Grundlage der Abstimmung verletze „die Ehre der Ungarn“. Um dann den Angreifer zu spielen. Die Abgeordneten wollten „eine Regierung, ein Land und ein Volk verurteilen“. Die EU agiere besserwisserisch, messe mit zweierlei Maß, das Verfahren widerspreche den Verträgen, und Ungarn werde seine Grenzen weiter verteidigen, „wenn es sein muss, auch Ihnen gegenüber.“ Eine Zweidrittelmehrheit war jedenfalls notwendig, um das Verfahren, das im äußersten Fall zum Entzug von Stimmrechten im EU-Ministerrat führen kann, zu ermöglichen. Fraglich waren diesbezüglich die EVP-Stimmen, die als entscheidend gegolten haben. Aber auch von dieser Seite war das Votum am Ende deutlich. Nahezu alle Abgeordneten sind der Linie von EVP-Fraktionschef Manfred Weber gefolgt, der lautstark kritisiert hatte, dass er auf ungarischer Seite nicht die Bereitschaft erkannt habe, zu Lösungen beizutragen. Auch Österreichs Kanzler war ja – zur Überraschung vieler – umgeschwenkt und hat mit der Betonung auf die Bedeutung von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie erstmals ein Signal gesetzt, auch gegen den Willen des Koalitionspartners konsequent zu handeln. Welche Rolle dabei die nahende EU-Wahl und das Gefühl, eine anhaltende Solidarität mit einem Hardliner wie Orbán könnte unangenehme Folgen haben, gespielt hat, sei dahingestellt. Fest steht, dass H. C. Strach schon vor einigen Tagen das Angebot Richtung Ungarn machte, die Fidesz-Partei sei im Kreis der Rechten herzlich willkommen. Und in diesem Sinne hielt auch der FPÖ-Mandatar Vilimsky eine Rede, in welcher er von einer "unheilvollen Allianz" sprach, und die von einer derart peinlichen Unterwürfigkeit getragen war („Orbán ist einer der Helden Europas“ … hier ist das gruselige Plädoyer zu hören), dass man sich vielleicht sorgenvoller als je zuvor die Frage stellen muss: Wie lange will die ÖVP mit dieser nicht mehr zu leugnenden Europafeindlichkeit noch gemeinsam einen Staat machen?

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12.09.20:59
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Tag 255 - Hass aufs Baby

Jetzt einmal abgesehen davon, dass ich den sonderbaren Brauch, ein Neujahrsbaby (mediengerecht) begrüßen zu müssen, für entbehrlich halte, zumal das Wettrennen (bzw. die Wettwehen) in den Spitälern mitunter grenzwertige Ausmaße annahmen – aber die Geschichte um das Siegerkind 2018 ist schon besonders exemplarisch für einen durchgeknallten Zeitgeist. Asel hieß das Mädchen, das das heuer in Wien um 0.47 Uhr in der Rudolfstiftung zur Welt kam. Doch was für die Eltern einer der schönsten Augenblicke ihres Lebens sein sollte, wurde rasch zu einem Sinnbild für Fremdenhass und überbordende Aggression. Es war einer jener Tage, an denen ich mich für mein Ösdterreichertum so richtig schämte. Denn natürlich haben – wie immer – zahlreiche Medien über das Neujahrsbaby berichtet und ihre Artikel auf Facebook gepostet. Auf dem offiziellen Foto des Wiener Krankenanstaltenverbunds trägt Asels Mutter Kopftuch, womit erwiesen war: Unser Erstling ist ein muslimisches Baby – mehr mussten die Hetzer des Landes nicht wissen, um mit ihren Widerlichkeiten und Wutbotschaften loszulegen. Einerlei, ob es sich um ein Kind und das Wunder Geburt handelte. Asel wurde mit Schaum vor dem Mund begrüßt. Die NGO Netpeace, die als Organisation 2017 von Greenpeace gegründet worden war und sich als „Friedensbewegung für das Internet“ begreift, hat jedoch einige der Hasspostings dokumentiert (beispielsweise „Nächster Terrorist geboren“ oder „Mit dem Fetzen auf dem Kopf muss die Alte doch nach der Geburt stinken wie ein nasser Dachs …ekelhaft“, nur damit die Dimension der Beschimpfungen klar wird), und das war ganz sicher noch nicht das Übelste. Eine 48-jährige Niederösterreicherin postete damals zu dem Bild von Asel auf Facebook „Menschlicher Müll, wertlose Minusmenschen“, und das blieb erstmals nicht ohne Konsequenzen. Denn nun wurde die Frau in Korneuburg für ihr menschenverachtenden Kommentare tatsächlich vor Gericht verurteilt. Und wie auch noch. Sie fasste tatsächlich neun Monaten Haft aus, drei davon sogar unbedingt. Das Urteil ist freilich nicht rechtskräftig, die mehrfach vorbestrafte Frau hatte sich in der Verhandlung nicht schuldig bekannt, was ein bedrückendes Indiz mehr für die Verrohung der Gesellschaft ist. Faktum ist, dass der Strafrahmen für Verhetzung im Jahr 2015 entscheidend verschärft wurde: Für Hetze vor größerem Publikum sind bis zu drei Jahre Haft vorgesehen, zuvor waren es zwei Jahre. Und auch die Voraussetzungen, um den Tatbestand zu erfüllen, wurden herabgesetzt: Zuvor war der Verhetzungsparagraf großteils auf Hass gegen Gruppen ausgerichtet. Nur wer zu Gewalt gegen Einzelne aufrief, machte sich strafbar. Mittlerweile kann in besonderen Fällen auch schon das „Aufstacheln zu Hass“ genügen. Und so sehr es mich mit Genugtuung erfüllt, dass solche Hassauswüchse endlich nicht ohne breit wahrnehmbare Folgen bleiben, so sehr stört es mich, dass die wahren Drahtzieher, die wahren Brandstifter, also jene öffentliche Personen, die durch ihre ausländerfeindliche Haltung den Nährboden für grausamste Beschimpfungen bereiten, davonkommen. Denn es sind in erster Linie politische Köpfe, die unsere Atmosphäre verätzen und den Menschen das Gift der Xenophobie als Selbstverständlichkeit einträufeln. Das wollen wir nicht vergessen. Jene Frau, die nun wegen „Menschlicher Müll, wertlose Minusmenschen“ möglicherweise ins Gefängnis wandert, tut das auch, weil sie sie seit Jahren dazu angestiftet wurde. Wort für Wort, Parole für Parole. Über Eigenverantworlichkeit müssen wir in diesem Zusammenhang nicht diskutieren, denn die permanente Bierzelt-Manipulation ist kein Unfall, sondern ein System der Krawallerie.

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11.09.12:21
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Tag 254 - 9/11

Ich kann mich an diesen Tag erinnern, als wäre er gestern gewesen. Und ich denke, so wird es nahezu allen Menschen gehen. Am Vormittag des 11. September 2001 rief mich ein Freund daheim an und stellte nur eine Frage: „Schaust du fern?“ Tat ich nicht, aber seine Stimme verriet mir, dass ich es augenblicklich tun sollte. Ich war zu dieser Zeit nicht in der Redaktion, weil ich als Karenzvater damit beschäftigt war, mein Kind durch das zweite Lebensjahr zu begleiten. Und ich hatte meine Tochter gerade auf dem Arm, als ich den brennenden Turm des World Trade Center sah. Zu diesem Zeitpunkt sprachen die Kommentatoren alle noch von einem tragischen Unglück, von einem Flugzeug, dass versehentlich in das Gebäude gerast war. Wir waren also unendlich weit weg von jener Dimension, die dieses Ereignis umfassen sollte. Wir wussten noch nicht, dass diese Sekunden die Welt in diesem Ausmaß erschüttern und verändern würden. Und ich weiß genau, dass ich gerade auf den Bildschirm blickte, als das zweite Flugzeug in den zweiten Turm flog. Es war ein Entsetzen, das ich nie zuvor und nie danach empfunden habe. Denn selbstverständlich war sofort klar: Kein Unfall. Absicht. Gezielte Anschläge. Terror. Und mein gedanklicher Reflex war damals nur: Jetzt kommt der dritte Weltkrieg. Zumal noch nicht einmal im Ansatz klar war, ob es bei diesen beiden Tragödien bleiben würde. Oder ob nicht auch Ziele in Washington oder Chicago, in London oder Paris, in Tokio oder Sydney in Kürze von Vernichtungsattacken heimgesucht werden sollten. Plötzlich standen die Türme des World Trade Center in Flammen, und plötzlich dachte ich an das Kind auf meinem Arm, Tränen liefen mir übers Gesicht und stellte ganz leise die Frage: „In welche Welt wächst du da hinein?“ Unvergesslich. Und als ich die Menschen aus dem Fenster springen sah und bald darauf, wie diese monumentalen Stahlträger in sich zusammenstürzten und Tausende Tote zur Gewissheit wurden, merkte ich in ungeheurer Wucht, dass ich die Bilder und die Konsequenzen dieses historischen Massenmords nicht erfassen konnte. 9/11 war zu7 groß, zu extrem, zu erschütternd.   Im Jahr 2018 setzt der Präsident der Vereinigten Staaten an diesem Tag einen Tweet ab: „17 years since September 11tht!“ Nicht mehr. Das war tatsächlich der einzige Satz, der Donald Trump spontan eingefallen ist. Aber egal, das Datum spricht ohnehin für sich. Und bei gutem Willen könnten wir ja in Betracht ziehen, dass auch der sonderbare Aktionist im Weißen Haus den gleichen Gedanken hatte. Viel bemerkenswerter finde ich, dass meine Tochter erst vor wenigen Tagen aus New York zurückgekommen ist. Sie ist mittlerweile 18 Jahre alt und war eine Woche lang in New York. Dort gibt es bekanntermaßen ziemlich viel zu sehen, zu entdecken, zu bestaunen. Aber schon zu Beginn ihres Abenteuers fuhr sie zum Ground Zero. Sie hat natürlich keine Erinnerung an diesen Tag, sieht man von den Energien ab, die sie als nicht einmal eineinhalb Jahre altes Baby ganz sicher wahrgenommen hat. Aber sie kennt die Geschichte. An der gab und gibt es kein Vorüber. Und sie erzählte mir von dem Besuch. Von den ausgelassenen Stellen, wo die Türme einst standen, und von dem Museum, das – wie es die Inszenierungsmeister der USA nun einmal beherrschen – alle Besucher für Stunden in ein gespenstisches Paralleluniversum entführt. In dem die Bilder aller Toten hängen. Mit ihren Geschichten, um die Wucht dieses Terrorwahnsinns zu dokumentieren. Und als mein Kind von den Tonbandaufnahmen erzählt, auf denen letzte Liebesgrüße aus den Flugzeugen zu hören sind, fängt sie hemmungslos zu weinen an. Wer nur ein wenig hinfühlt, zu den Seelen von 9/11, die einst zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen sind, und wer die Emotionen der Hinterbliebenen in seiner eigenen Gefühlswelt zulässt, der muss trauern. Ehrlich und tief. Auch siebzehn Jahre später. In einem Moment der persönlichen Stille und Erinnerung.

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10.09.21:41
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Tag 253 - Pammesberger

Ich kenne Michael Pammesberger seit zwanzig Jahren. Ich war damals noch in der Sportredaktion des Kurier, als er nach Wien kam, um als Karikaturist dem grandiosen Dieter Zehentmayr zu folgen, der leider 64-jährig verstorben war. Und als Zeichner in so große Fußstapfen treten zu müssen, ist schon eine extreme Herausforderung. Aber Pammesberger fand mehr und mehr zu seinem mittlerweile unnachahmlichen Stil, der nicht nur auf einem wunderbaren Strich beruht, sondern auch auf Worten, mit denen er exzellent umzugehen weiß. Das Phänomen Pammesberger zu erklären, funktioniert nicht. Denn die außergewöhnliche Begabung, jeden Tag eine politische Idee zu erschaffen, ist mindestens so tückisch wie deren Umsetzung mit der im wahrsten Sinne spitzen Feder. Auf diesem schmalen Grat zwischen Bösartigkeit und Witz entlang zu spazieren, ist nur möglich, wenn man über das Geschenk eines überaus feingeistigen Balancegefühls verfügt. Michael Pammesberger ist in mehr als zwanzig Jahren, in denen er für den Kurier Karikaturen zur Welt bringt, niemals abgestürzt. Und er hat sich immer weiterentwickelt und gelegentlich auch neu erfunden. Fast jeden Tag saß er im Konferenzzimmer und hörte aufmerksam dabei zu, welche Themen des Tages den Weg in die Zeitung finden sollten. Und dabei fiel er gelegentlich mit messerscharfen Analysen auf, die er in Sekundenschnelle entworfen hatte. Aber meistens hörte er nur zu und ließ sich von der Aufgeregtheit der Kollegenschaft inspirieren. Denn wenn der Gedanke erst einmal gereift ist, geht es bei ihm sehr schnell. Ich bin immer wieder mit einem seiner zahlreichen Bücher zu ihm gekommen, die ich mit Vorliebe verschenkt habe, und ich bat ihn um eine Widmung – eine gezeichnete selbstverständlich. Dann sagte er, ich möge das Buch bei ihm lassen, wollte ein paar kleine Infos über jenen Menschen, für den das Buch bestimmt war, und am nächsten Tag fand ich eine kleine persönliche Zeichnung vor, voller liebenswerter Botschaften. Ich sagte ihm dann: „Mich'l, Du bist ein Genie.“ Und genau so meinte ich es auch. Das Feine ist: Auch heute noch zählt er bei aller schrulligen Eitelkeit eines Einzelgängers zu den charmantesten und herzlichsten Kollegen, die ich je erleben durfte. Umso mehr freute mich die Nachricht: Erstmals wird mit dem Walther-Rode-Preis ein Karikaturist ausgezeichnet: Michael Pammesberger vom Kurier erhält die Auszeichnung, die vom Medienhaus Wien vergeben wird. Er hat es sich als überragend kluger Kopf und großer Humanist mehr als verdient. Gesellschafter Andy Kaltenbrunner begründete die Entscheidung der Jury so: „Er ist ein analytischer Beobachter des Zeitgeschehens, der höchst vergnüglich in wenigen Strichen erfasst, was lange Texte oft nur schwer erläutern können. Wenn Öffentlichkeit in die Irre geführt werden soll, wird die Wirklichkeit in Pammesbergers Karikaturen wieder zur Kenntlichkeit verzerrt.“ Gefällt mir gut. Und um ehrlich zu sein: Auf einen wie den Pammi hätte ich auch gerne eine Laudatio verfasst. Der von der Forschungsgesellschaft Medienhaus Wien mit 5.000 Euro dotierte Preis wird am Abend des 8. November verliehen. Er wird im Andenken an den österreichischen Rechtsanwalt und Publizisten Walther Rode (1876–1934) vergeben. Ich gratuliere. Und zwar wirklich von Herzen.

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Edelfeder

Mich hat es schon damals als Oberösterreicher gefreut, dass mein Lieblingskarikaturist von den OÖNachrichten zu meiner Lieblingszeitung Kurier gewechselt ist. Der Kurier hat schon immer großartige Humoristen verschiedenster Prägung in seiner Zeitung vereint ....... ich brauch darauf nicht näher eingehen :-) Voriges Jahr beim Kurier-Tag gab's von MP ein kleines Kunstwerk in Sekundenschnelle, das war sehr nett von ihm. Dieser Preis ist überaus verdient.
Alex 13.09.2018, 05:43
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09.09.13:57
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Tag 252 - Der Williams-Eklat

Was für ein Skandal in New York?! Serena Williams lieferte sich während des Finales der US Open mit dem Schiedsrichter ein nie erlebtes Duell, das sie letztendlich völlig aus der Balance warf und jene Niederlage, die sie meiner Einschätzung nach so oder so kassiert hätte, endgültig besiegelte. Es wurde natürlich sofort in den sozialen Netzwerken heftig diskutiert, wer an der Eskalation die Schuld hätte, dazu habe ich eine klare Meinung: Möglicherweise hätte der Umpire in einer Phase der Entwicklung die Emotion raus nehmen können, aber alles in allem ist klar: Serena Williams hat extrem unprofessionell reagiert, sich in diesen Streit verbissen und vor allem ihre Gegnerin Naomi Osaka, grob unsportlich mit einer unangenehmen Situation konfrontiert. Dass sie den Rhythmus der Japanerin bewusst brechen wollte (wie viele Kritiker mutmaßen), glaube ich hingegen nicht. Die erfolgreichste Tennisspielerin aller Zeiten hat st den Disput gesucht und dann die Kontrolle über die Situation verloren. Menschlich nachvollziehbar, eine Opferrolle geht sich in Anbetracht der Ereignisse aber nur schwer aus. Was ist genau passiert? Der Schiedsrichter Carlos Ramos sieht Anweisungen des Williams-Trainers Patrick Mouratoglou in der Box, und das ist laut Regeln verboten (und hier liegt schon das Grundübel, denn gegen diese Einschränkung wehren sich nahezu alle Spieler). Also spricht Ramos eine Verwarnung wegen Coachings aus. Eine (völlig korrekte) Sanktion, die immer wieder vorkommt, und die im Normalfall von den Spielerinnen und Spielern mit einem schiefen Blick oder sarkastischen Lächeln zur Kenntnis genommen wird. Nicht so von Serena Williams. Die beschwert sich laut und immer lauter darüber, dass sie die Handzeichen gar nicht gesehen hätte, und dass sie noch nie in ihrem Leben ein Coaching angenommen hätte. Und hier liegt schon der erste Hund begraben. Denn ob sie es tatsächlich wahrgenommen hat, werden wir nie erfahren. Dass es stattgefunden hat, ist jedoch erwiesen. Es war im TV gut zu sehen. Fakt ist, dass Williams immer aggressiver wurde, mit dem Finger auf den Umpire zeigte, ihn verbal attackierte und mehrfach sagte: „Sie schulden mir eine Entschuldigung“. Möglicherweise fühlte sie sich auch von amerikanischen Publikum, das munter mitmischte, animiert, hier minutenlang Gerechtigkeit für sich zu fordern, und so brachte sie sogar ihre Tochter ins Spiel. Ohne Zweifel, in diesen Augenblicken entglitt Williams die Situation. Was sich auch in der Fortsetzung des Spiels (es war mitten im 2. Satz, den ersten hatte Osaka gewonnen) zeigte. Williams verlor den Faden und das Game. Nur der Zorn blieb und wurde sogar noch größer. Also zertrümmerte sie ihr Racket. Und nun gab es die zweite Verwarnung. Auch die war korrekt, wiewohl Ramos genau jetzt mit einem Wegsehen auch eine große Portion guten Willen zur Deeskalation hätte beitragen können. Statt dessen zog er Williams – wie es das Regulativ vorsieht – einen Punkt ab. Und wieder verlor die ehemalige Nummer 1 der Welt die Nerven und das Game. Aber statt im eigenen Interesse die Geschichte abzuhaken, drehte sich noch weiter an der Erregungsspirale. Vermutlich konnte sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr anders, war längst eine Gefangene ihrer Emotion. Und so schimpfte sie unaufhörlich auf Ramos ein, was der mit stoischem Blick zu ignorieren versuchte. Also erhöhte Williams die sprachliche Dosis und nannte ihren Kontrahenten auf dem hohen Stuhl zuerst einen Lügner und dann einen Dieb. Irgendwann wurde es Ramos zu blöd, und er sprach wegen Code Violation das dritte Warning aus. Was gleichbedeutend mit dem Verlust eines ganzen Games (von 3:4 auf 3:5) war. Damit war das Fass übergelaufen. Williams fluchte, weinte und wiederholte immer wieder: „Das ist nicht fair“. Was insofern stimmt, als es gegenüber Naomi Osaka, die an diesem Abend ein großartiges Spiel lieferte, besonders unsportlich war. Dann kamen noch die Chefin der Damen-Tour und der Supervisor auf den Platz, es wurde unter Gejohle und Buh-Rufen weiter gestritten, aber die (korrekten) Entscheidungen blieben bestehen. Und Serena Williams verlor danach das Match. Erst bei der Siegerehrung fand sie zumindest im Angesicht von Osaka, die erstmals in ihrer Karriere ein Grand-Slam-Turnier gewonnen hatte, zu ihrer Fairness zurück. In späteren Interviews wollte Williams aber nichts davon wissen, dass sie allenfalls falsch reagiert haben könnte. Statt dessen ortete sie Sexismus (weil Ramos derlei Konsequenz gegenüber Männern nie zeigen würde), und diese Dimension der Anschuldigungen wird wohl für weitere Diskussionen sorgen. Ich jedenfalls fand das Williams-Theater für enorm überzogen (ohne zu wissen, ob es dafür allenfalls auch ganz andere bis dato unbekannte Motive geben könnte), und habe mich erst recht für Naomi Osaka gefreut. Denn in diesem Szenario ruhig und bei sich zu bleiben und dann weiter grandioses Tennis zu liefern, ist eine echte Kunst. Sie ist eine ganz große Siegerin. Gratulation.

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08.09.15:03
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Tag 251 - Erfundene Interviews

Vorweg die erfreuliche Nachricht: Endlich einmal wurde eines dieser elenden Boulevardblätter wegen Lügenjournalismus zur Rechenschaft gezogen. Das Hamburger Landgericht hat heute das Urteil im Prozess um erfundene Interviews in der deutschen Freizeitwoche verkündet: 50.000 Euro Geldentschädigung muss die Zeitschrift an die US-Schauspielerin Sandra Bullock zahlen. Zwar blieben die Richter damit unter den von Bullocks Anwältin geforderten 100.000 Euro, dennoch ist das Urteil eine klare Ansage für die Verlage Bauer und Klambt (und wohl auch für die vielen anderen Medien, die den Schmuddel als Geschäftsmodell pflegen). Mehr noch, wenn man sieht, mit welchen Argumenten sich die Verantwortlichen aus der Affäre zu ziehen versuchten. Die hatten im Laufe des Prozesses jede Schuld von sich gewiesen und sogar die Idee verfolgt, sich selbst als Betrogene darzustellen. Was für ein jämmerliches Bild einer ganzen Branche. Denn nach dem ersten Verhandlungstag hatte die Freizeitwoche noch einmal die Möglichkeit bekommen, Belege dafür zu liefern, dass die angeblichen „Exklusiv-Interviews“ mit Bullock tatsächlich stattgefunden haben. Doch auch am zweiten Verhandlungstag stand die Verlagsanwältin mit leeren Händen da. Warum das so war, darüber muss wohl keine zweite Sekunde nachgedacht werden. Und so ging es am Hamburger Landgerichts dann auch gar nicht mehr um die Frage, ob die Interviews echt sind, sondern darum, ob die Redaktion ihrer journalistischen Sorgfaltspflicht nachgekommen ist. Hätte sie nicht viel früher merken müssen, dass da etwas faul ist? Oder hat sie es womöglich sogar gemerkt, aber bewusst nichts dagegen unternommen? Die Verlage Bauer und Klambt hielten jedenfalls fest, dass die Redaktion „besten Wissens und Gewissens gehandelt“ habe. Was für ein Offenbarungseid in Anbetracht von Schlagzeilen wie "George Clooney macht mich einfach an". Und was für ein schmieriges Schauspiel, die Schuld an den Autor weiterleiten zu wollen. Denn, so hieß es, wenn die Interviews tatsächlich gefälscht wären, dann sei die Redaktion vom Verfasser der Interviews "hintergangen worden". Man muss sich das vorstellen: Sechs angebliche "Exklusiv-Interviews" mit Sandra Bullock hatte die Freizeitwoche seit 2005 veröffentlicht, doch keines davon habe in der Realität je stattgefunden, erklärte Bullock. Und sie ist - was für eine Überraschung - nicht die einzige: Auch die Sprecher anderer Prominenter teilten in der Causa mit, dass die Freizeitwoche-Interviews mit ihren Klienten frei erfunden seien. Und je genauer man hinsieht, desto unfassbarer wird die Verkausmasche. Insgesamt hat die Zeitschrift in zehn Jahren angeblich über 300 verblüffend intime Interviews mit Hollywoodstars veröffentlicht. Sandra Bullock, die mit zahllosen Äußerungen über ihr Privatleben, ihre Kinder, ihre Ehe und über das, was sie "erotisch erregt" zitiert wurde, ist aber bisher die einzige, die juristisch dagegen vorgegangen ist. Das Urteil ist freilich noch nichts rechtkräftig, die Verlage haben noch Zeit, sich über eine Berufung Gedanken zu machen. Es ist allerdings schwer vorstellbar, dass es eine Neubewertung des allzu Offensichtlichen geben wird. Umso mehr ägert mich - und jetzt komme ich zu meinem großen Aber - die Höhe der Strafe. Denn klar scheint zu sein, dass die vielen Schlüssellochgeschichten und Gespräche mit Geheimnisverrat eine Art Verkaufsgarantie zur Folge haben, weshalb wir davon ausgehen müssen, dass erfundene Interviews mit einem Superstar mehr bringen als die Abschlagzahlungen im Falle des Erwischtwerdens ausmachen. Ich glaube daher, dass 50.000 Euro für Verlage dieser Dimension viel zu leicht verschmerzbar sind. Denn erst, wenn es finanziell wirklich richtig weh tut, könnte eine längst üblich gewordene Geschäftspraxis von Lüge und Betrug an der Leserschaft ins Wanken geraten. Daher wünsche ich mir wirklich, dass Sandra Bullocks Intervention erst der Anfang war. Der Kampf um die Seriosität darf von den Boulevardmedien nicht kalt lächelnd zur Kenntnis genommen werden. Er muss dort ansetzen, wo er die größte Wirkung entfaltet: Bei der Marie.

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07.09.16:11
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Tag 250 - Der zwielichtige Verfassungsschutz

Es ist alles so unsäglich. So deprimierend. Horst Seehofer, immerhin Innenminister der Bundesrepublik Deutschland, sagte beispielsweise tatsächlich folgendes: "Ich bin auch froh über jeden, der in Deutschland straftätig, straffällig wird und aus dem Ausland stammt. auch die müssen das Land verlassen.“ Was genau er mit dem Gestammel gemeint haben könnte, sei dahingestellt, aber verräterisch ist es so oder so. Und jetzt taucht auch noch Hans-Georg Maaßen auf der Bühne der Verharmlosung und Anbiederung auf. Als wäre dort nicht schon genug Gedränge. Maaßen äußerte in vollem Bewusstsein seiner Funktion allen Ernstes lautstark Zweifel an Informationen über Hetzjagden, die während der Demonstrationen in Chemnitz auf Migranten und Journalisten stattgefunden haben. Nach dem gewaltsamen Tod eines 35-jährigen Deutsch-Kubaners, mutmaßlich getötet von zwei aus Syrien und dem Irak stammenden Männern (die in Untersuchungshaft sitzen), wurde aus dem angesagten Trauermarsch bekanntlich ein außer Kontrolle geratenes Kesseltreiben. Maaßens Zitat in der BILD-Zeitung: "Die Skepsis gegenüber den Medienberichten zu rechtsextremistischen Hetzjagden in Chemnitz werden von mir geteilt.“ Unfassbar. Und schon tobt bei unserem Nachbar eine gigantische Diskussion darüber, was genau wir unter einer Hetzjagd verstehen müssen. Einerlei, ob es einen wütenden Mob gab, ob Hitler-Hooligans durch die Straßen zogen, ob zahllose Medien von persönlichen Attacken berichtete – es geht jetzt um semantische Spitzfindigkeiten. Das mittlerweile bekannte Video, auf dem zu sehen ist, wie schimpfende Extremisten einem Ausländer nachlaufen, kommentiert Maaßen so: "Es liegen keine Belege dafür vor, dass das im Internet kursierende Video zu diesem angeblichen Vorfall authentisch ist." Heißt, der oberste Verfassungsschützer spekuliert ohne Genierer öffentlich herum und schlägt sich auf die Seite der AfD. Was ist da bitte los? Denn prompt wird ihm von Horst Seehofer, der in der ZDF-heute-Show als „Vater der geistigen Inkontinenz“ bezeichnet wird, den Rücken: "Herr Maaßen hat mein volles Vertrauen." Seehofer selbst stehe im ständigen Austausch mit den Sicherheitsbehörden. Dies gelte auch für die Vorfälle in Chemnitz. Sein Informationsstand sei mit dem von Maaßen identisch, sagte Seehofer. Und Maaßen legt unter dem Jubel der Rechten nach: "Nach meiner vorsichtigen Bewertung sprechen gute Gründe dafür, dass es sich um eine gezielte Falschinformation handelt, um möglicherweise die Öffentlichkeit von dem Mord in Chemnitz abzulenken." Damit brachte er das Fass zum Überlaufen. So hat Thomas Oppermann von der SPD, hat kein Verständnis für die Äußerungen Maaßens. "Wir haben Bilder gesehen, wir haben Zeugen gehört. Wir haben gesehen, wie Menschen den Hitlergruß offen auf der Straße gezeigt haben." Und er forderte, dass der Staat bei solche Zuständen gegenhalten müsse. "Wir haben ein staatliches Gewaltmonopol und ehrlich gesagt: Das zu verteidigen, ist auch Aufgabe des Präsidenten des Amtes für Verfassungsschutz." Beängstigend, mit welchem Nachdruck jener Umgang eingefordert werden muss, der eine demokratische Selbstverständlichkeit sein müsste. SPD-Vize Stegner forderte sogar (wie auch Linken-Chefin Kippin) Maaßens Entlassung. "Ich finde, dass er in dem Amt nicht mehr zu halten ist". Als Präsident müsse er die Verfassung schützen "und nicht die rechten Demokratiefeinde". Grünen-Chef Hofreiter verlangt daher auch Belege: "Wenn Herr Maaßen solche Behauptungen aufstellt, muss er sie zweifelsfrei belegen. Alles andere ist unverantwortlich und ein Schlag ins Gesicht all jener, die angegriffen wurden." Denn klar ist, dass auf diese Art und Weise die Vorfälle trotz über hundert laufender Ermittlungsverfahren wegen möglicher Straftaten (bewusst?) heruntergespielt werden, allenfalls auch, um keine Staatskrise zu provozieren. Diesbezüglich ist es jedenfalls nicht förderlich, dass es zu einem Treffen Maaßens mit dem AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland kam, das laut Innenministerium "nicht der gängigen Praxis" entspricht. Und vor drei hatte sich der Verfassungsschutzchef zweimal mit der damaligen AfD-Vorsitzenden Frauke Petry getroffen, um ihr – so der Vorwurf – Ratschläge zu geben, wie sie eine Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz vermeiden könne. Unvorstellbar? Leider längst nicht mehr. Und die Geschichte zeigt nur zu deutlich, warum Österreichs Innenminister so großes Interesse daran gehabt haben könnte, den Chef des BVT zu suspendieren und durch einen Vertrauensmann zu ersetzen. Dass es diesen Versuch gab, bestreitet Herbert Kickl freilich. Aber es liegt so oder so Kraft seines Amtes in seiner Hand, bei welchen Ermittlungen der Verfassungsschutz in Zukunft den größten Fokus entwickeln soll. Er kann das anordnen. Und nun dürfen wir alle raten, wer sich fortan ein bisserl leichter der Beobachtung entziehen kann. Und sollte in Anbetracht dieser Entwicklungen noch immer jemand die naive "Alles-aufgebauscht"-Haltung zum Prinzip erklären, möge er am Ende nur eines nie, nie, nie sagen: "Das hätten wir doch nicht ahnen können."  

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'Erinnerung an Kästners Lawine ..

An eben diesen Ihren Tagebucheintrag (Tag 198) fühle ich mich in diesem Zusammenhang einmal mehr erinnert, und ich frage mich, wie in aller Welt
es uns gelingen kann, diesen immer größer werdenden Schnellball zu
zertreten, bevor er endgültig zur Lawine wird ...


Doris Alt 11.09.2018, 20:57
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06.09.21:25
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Tag 249 - Mitterlehner reibt auf

Ich kann mich noch so gut erinnern, wie ich trotz aller Mühseligkeiten, die eine Große Koalition in Österreich über Jahrzehnte produzierte, trotzdem nicht müde wurde, stets aufs Neue zu betonen: Die rotschwarze Regierung arbeitet visionärer als die meisten Kritiker wahrhaben wollen. Ihre Ergebnisse sind wesentlich besser als ihr Ruf. Aber ich war einer der wenigen, die nicht mit den Wölfen heulten, dass es bitte endlich ein Ende dieser Zusammenarbeit geben müsse, dass Österreich dringend einen neuen Wind für Reformen benötigen würde. Und zwar einen Wind von rechts. Was schreibe ich … einen Sturm von rechts. Monatelang haben nicht nur die Boulevardzeitungen, sondern auch bürgerliche Blätter wie Kurier, Presse oder Kleine Zeitung eine schwarzblaue Renaissance herbei formuliert. Mit der selbstgefälligen Sicherheit, dass man ja aus den Fehlern der letzten diesbezüglichen Koalition gelernt hätte. Ich habe dem immer widersprochen. Meine Überzeugung war: Lieber fünf weitere Jahre mit SPÖ und ÖVP in der Regierung als nur fünf Tage mit der FPÖ. Und an dieser Haltung hat sich nichts geändert, ganz im Gegenteil. Die Umtriebe der blauen Machtbesessenen sind schlimmer als je befürchtet, und das laute Schweigen der ÖVP ist unerträglicher als in meinen kühnsten Phantasien. Erstaunlich finde ich nur, mit welcher Konsequenz so viele schwarzen Politiker, die immerzu bekannt waren für Werte, Menschlichkeit und europäische Gemeinsamkeit, der aktuellen Entwicklung tatenlos zusehen, sich wegducken, und die Zusammenarbeit mit einer Partei, die Hetze und Spaltung als wichtigsten Programmpunkt aus der Oppositionszeit mitgenommen hat, nicht Tag für Tag aufs Schärfste verurteilen. Und dann sah ich plötzlich die Diskussion auf Puls4. Pro & Contra mit Christian Kern und Reinhold Mitterlehner, der erstmals seit seiner politischen Ermordung wieder auf einem Posium zu Gast war. Ich sah ein Duo, das einst gut harmonierte und – meiner Meinung nach – die Republik mit Anstand und Herz führte. Aber die Medien wollten eine Revolution. Sie wollten Veränderung. Sie wollten Bewegung. Und sie wollten vor allem Geld. Jene Millionen, die ein Wahlkampf bringt. Geschäft schlägt Moral, auch das war einmal mehr die bittere Lehre des vergangenen Jahres. Ein Jahr später war es daher ein ungewohnter Anblick, als Kern und Mitterlehner nebeneinander im TV-Studio Platz nahmen. Und es war noch ungewohnter, den ehemaligen ÖVP-Obmann dabei zuzusehen, wie er die Parteilinie der türkisen Staatsumbauer verließ und sich unüberhörbar gnadenlos treu blieb. Denn auch der Vizekanzler der letzten Regierung machte kein Geheimnis daraus, wie notwendig eine scharfe Kritik an der aktuellen Politik sei. Zumindest in der Frage der Lehre für Asylwerber, die dort diskutiert wurde. Denn nicht vergessen: Reinhold Mitterlehner hatte sich mit seiner Unterschrift der Petition „Ausbildung statt Abschiebung“ offen gegen den Kurz-Kurs gestellt, und er erneuerte diese Ansicht einigermaßen angriffslustig. Auch wenn der einstige Wirtschaftsminister beteuerte, sich nicht gegen die Regierung, „sondern für eine Sache“ zu engagieren, so sagte er doch dezidiert, dass er es schlicht für "ökonomisch sinnvoll, dass diejenigen, die da sind, auch eine entsprechende Ausbildung machen“. Denn all jenen, die in der Folge einen positiven Asylbescheid bekommen, „nehmen Sie die Zukunft“. Und in Richtung Walter Rosenkranz, der sich im Talk auf der Gegenseite so gerne als permanenter Lobpreiser der türkisenblauen Koalition präsentierte, sagte er erstaunlich emotionell und sarkastisch: „Diese Bundesregierung' … dieses höhere Wesen, das wir hier verehren ...“ ( hier nachzusehen). Und er zeigte uns damit, dass es ihn noch gibt, den Widerspruch in der ÖVP. Weshalb wir hoffen dürfen, dass Mitterlehner damit auch anderen längst ausgegrenzten Kollegen Mut macht. Zur Courage und Wiederbesinnung, fernab von Machtrausch, Prozentefuror und Kanzlerfetisch.

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9. November 2018, 20 Uhr

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20. November 2018, 19.30 Uhr

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24. November, 19.30 Uhr

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