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13.05.19:32
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Tag 133 - Gesteuerte Empörung

Auch das ist ziemlich bemerkenswert. Wenngleich kaum jemand Notiz davon genommen hat. Was unter anderem beweist, dass Empörung nur dann wirksam wird, wenn sie gut gesteuert und aufbereitet ist. Rund 10.000 Menschen haben gestern an der Gedenkveranstaltung für die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg ermordeten Kroaten auf dem Loibacher Feld bei Bleiburg im Bezirk Völkermarkt teilgenommen. Laut Sprecher der Landespolizeidirektion Kärnten sei die Veranstaltung friedlich verlaufen. Die Teilnehmer waren mehrheitlich Kroaten. Etwa 100 Busse kamen aus Kroatien, 50 aus Bosnien und anderen europäischen Ländern. Dass dieses Ereignis auch Jahr für Jahr zum Rendezvous zahlloser Neonazis wird, sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben. Laut Orginsatoren hätte es diesmal aber nur drei Anzeigen nach dem Verbotsgesetz gegeben. Wegen Hitlergrüße und tätowierter Hakenkreuze. Allerdings ist das natürlich nur ein kleiner Ausschnitt. Denn wer sich die Fotos aus Bleiburg näher ansieht, erkennt anhand von Flaggen, Jacken und anderer Devotionalien das gesamte Ausmaß einer fragwürdigen Haltung sehr vieler Teilnehmer. Nur, wo bleibt da die öffentliche Diskussion, ob so etwas auf österreichischem Boden stattfinden dürfe? Hatten wir da nicht gerade einen Volkszorn darüber, dass türkische Demonstranten ihre Geschichte, ihre Politik, ihre Überzeugung auf unseren Straßen ausleben? Oder könnte es sein, dass es auch in diesem Fall wieder einmal nur um Wut-Mobilisierung gehandelt hat? Zweierlei Maß ist ja bekanntlich eine ganz besonders bedeutende politische Kategorie.

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12.05.23:27
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Mannsbild-Durchsage

Mit den Terminen für das eigene Bühnenprogramm ist es immer ein bisserl wie mit den Fotos vom eigenen Baby. Man zeigt sie überall herum, weil man halt gar so stolz ist. Und alle Menschen, die sich das (mehr oder weniger freiwillig) anschauen, empfinden so ein Gefühl zwischen „Jo eh sehr lieb ...“ und „... aber irgendwie auch lästig“. Das Gute ist, dass die Programmterminrausfetzer und Babyfotoaufsaugdrücker sich in einer derart speziellen Balance zwischen „verzückt“ und „entrückt“ befinden, dass sie meistens selbst gar nicht merken, in welchem Stadium sich die auserkorenen Zuseherinnen und Betrachter gerade empfinden. Andererseits, was jetzt mich betrifft: Wie sollte sonst je wer erfahren, wo und wann so ein „Abend mit einem Mannsbild“ inszeniert wird? Es handelt sich ja um ein sehr frisches Abenteuer, und daher zeige ich in aller Freude noch einmal meine vorsommerlichen frechfröhlichen Auftrittbabys her. Also: Am 18. Mai und am 23. Juni stehe ich im Wiener Studio Akzent auf der Bühne, wobei es für den ersten Abend - was ich lustig finde - nur mehr genau eine einzige Karte gibt ( https://shop.akzent.at/SelectSeats.aspx?msg=0&ret=2&e=5589). Am 19. Mai und 20. Mai trete ich dann im legendären Kellertheater in Klosterneuburg auf, und da gibt es noch ein paar Tickets ( http://kellertheater.klosterneuburg.at/). So, bin schon fertig, Ende der Durchsage. Freu' mich auf die Rendezvous. Schönes Wochenende!

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12.05.13:26
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Tag 132 - Django und die Totengräber

Da ich jetzt zum wiederholten Mal gefragt wurde, ob ich anlässlich der ÖVP-Querelen das eingeblendete ZiB2-Sujet "Django - die Totengrüber warten schon", das Reinhold Mitterlehner als letzten Auslöser seines Rücktritts an den Beginn seiner letzten Rede gestellt hatte, auch so jenseitig empfunden hätte, will ich mich nun dazu äußern. Ich finde nämlich, dass die Diskussion über die Umsetzungsidee einer Endzeitstimmung, für die sich sowohl Chefredakteur als auch Moderator später entschuldigten, ganz gut die Mechanismen unserer Medienwelt zeigen. Als nämlich das Sujet im Bild erschien, gab es dazu nicht die geringste Reaktion. In keinem Forum, weder auf Twitter noch auf Facebook, wo die reflexafte Empörung nomalerweise ihr Zuhaue hat. Null, nicht ein Hinweis auf eine eventuelle Geschmacklosigkeit. Erst als der Vizekanzler am nächsten Tag seiner Irritation über derlei Zuspitzung Ausdruck verlieh, wurde auch in den sozialen Netzwerken der Erregungsmotor gestartet. Vor dem bekannten tragischen Hintergrund, dass es noch nicht lange her, dass Mitterlehners Tochter gestorben ist. Interessanterweise betonte er selbst, dass er mit einem derartigen Beitrag im Rabenhof oder in der Tagespresse kein Problem gehabt hätte, sehr wohl aber im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Was den Rückschluss zulässt, dass es weniger die vermeintliche Pietätlosigkeit selbst war, die Mitterlehner verärgerte, sondern viel mehr das Umfeld, in dem sie stattfand. Daher bin ich auch der Meinung, dass die vielen Zeigenfinger der Sittenwächter sehr wohl auch als Heuchelei zu sehen sein dürfen. Zumal der Kontext zur verstorbenen Tochter der ORF-Redaktion mit Sicherheit nicht bewusst war. Ein Fehler? Mag sein, kann aber passieren. Ich halte daher den rasant einsetzenden Pranger-Furor gegen die ZiB2 und deren Anchor für maßlos übertrieben. Mehr noch, da es die ÖVP selbst war, die unter leidenschaftlicher Beteiligung Mitterlehners das Django-Image von Beginn an bei jeder Gelegenheit ausreizte. Und dass der Obmann zweieinhalb Jahre später metaphorisch betrachtet von Totengräbern umgeben waren, steht ja wohl definitiv außer Zweifel. Ein Aber gibt es abseits der moralisierenden Bewertung dennoch: Ich finde es grundsätzlich verzichtbar, wenn Journalisten, die bemüht sind, komplexe Zusammenhänge in plakative Bilder zu transformieren, die Symbolik des Todes dafür heranziehen. Der Prozess des Sterbens und die Ausschilderung von Toten birgt nämlich zu jeder Zeit die Gefahr, dass allenfalls Gefühle verletzt werden können. Für eine Pointe sprichwörtlich über Leichen zu gehen, muss schon sehr gut überlegt werden. Im Zweifelsfall würde ich mich daher immer dagegen aussprechen. Und im konkreten Fall? Auch. Ich hätte dieses Django-Sujet - wenn eben auch aus ganz anderen Motiven - garantiert nicht verwendet.

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11.05.23:41
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"Unser Nathan"

Und plötzlich springt mir eine Krone-Schlagzeile ins Auge: "Hurra! Unser Nathan Trent singt sich ins Finale!" Ich gestehe, dass ich den Namen bis zu diesem Moment noch nie zuvor gehört habe. Was besonders bemerkenswert erscheint, da es sich ja um "unseren", also auch "meinen" Nathan handelt. Ist aber so. Die G'schicht ging heuer irgendwie völlig an mir vorüber. Und daher habe ich erst recht nicht dessen Beitrag, mit dem der junge Mann sich für das Finale des Eurovision Song Contest qualifiziert hat, vernommen. Das macht aber nix. Ich habe diesen Gesangswettbewerb immer nur irgendwo zwischen skurril und langweilig eingeordnet, mich aber gleichzeitig immer ungewöhnlich intensiv an der allgegenwärtigen Freude darüber erfreut. Ich meine das ernst: Ich finde es gerade in Zeiten wie diesen so wohltuend, wenn Menschen so ein Unterhaltungsereignis für sich als Symbol des Frohsinns entdecken und Spaß beim Gemeinschaftsgefühl haben. Ich muss zwar ehrlich sagen, dass ich das Lied, das ich mir jetzt doch angehört habe, definitiv entsetzlich finde, aber über derlei geschmackliche Einschätzungen darf auf keinen Fall gestritten werden. Allein diese Erkenntnis ist schon eine höchst erfreuliche Abwechslung zu Österreichs turbulenter Aktualität.

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11.05.19:47
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Tag 131 - ÖVP, taumelnder Boxer

Mein Facebook-Eintrag zur aktuellen Lage in Anbetracht der vielen Wortmeldungen aus den vielen ÖVP-Ecken des Landes , die mitunter eines gemeinsam haben: Den offensichtlichen Verlust von Parteiwürde.
"Man stelle sich einmal vor, Sebastian Kurz würde in dieser Situation die Chefrolle verweigern oder sich gar mit einer eigenen Bewegung aus dem erodierenden Intrigantenstadl ausklinken. Das wäre für die ÖVP ungefähr so, als würde man einen durch den Ring taumelnden Boxer mit einem letzten Leberhaken auf die Bretter befördern. Ganz im Ernst, ein Kurz-Nein wäre für die Partei wohl ein historisches K.o. ohne reelle Chance auf Gesundung. Und genau das wissen alle längst jeder Souveränität beraubten Partei-Granden und Funktionäre. Fast schon bizarr: Nach dreißig Jahren in der Regierung stehen die Schwarzen nun schlotternd vor den Trümmern ihrer Machtpolitik und müssen sich in ihrer Verzweiflung und ihrem sonderbaren Selbstverständnis einen Wunderwuzzi als Überlebensgarant erschaffen. Daher hauen sich die Minister und Landeshauptleute jetzt geschlossen in den Staub. Daher werden alle verfügbaren roten Teppiche für den jungen Erlöser ausgerollt. Daher wird das „Basti unser“ rauf- und runtergebetet, als könnte der mit Hilfe von tausenden Zugeständnissen jemals gutmachen, was die herrschenden Kleingeister in ihrer Zerstörungswut angerichtet haben. Nur Kabale, keine Liebe – das geht sich eben nicht mehr aus. Was bedeutet: Völlig unabhängig von der fast bemitleidenswerten Alternativlosigkeit und der Frage, ob Sebastian Kurz nun tatsächlich ein begnadeter Politiker oder doch nur ein blendender Schaumschläger ist – unter diesem Druck in dieser Partei mit diesen Gegnern bestehen zu müssen, wird ein Husarenritt. Kurz ist zum Siegen verdammt. Und genau diese Gewissheit - das will ich als Überzeugung dokumentiert wissen - hat noch selten Erfolg gebracht."

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10.05.23:08
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Ein Pokal für Gianluigi

Real Madrid steht also nach dem Erfolg gegen den Stadtrivalen Atlético wie schon im Vorjahr im Finale der Champions League und ist so nah dran wie noch kein Verein zuvor, einen Fluch zu besiegen. Denn seit Gründung des Bewerbs vor 26 Jahren ist es noch keinem Team gelungen, den Titel zu verteidigen. Und ich bin sehr dafür, dass das auch so bleibt. Nicht nur, weil ich als Barcelona-Aficionado einen Real-Triumph unmöglich herbeisehnen kann, sondern auch und vor allem in Anbetracht des Gegners: Im Finale spielt Madrid nämlich gegen Juventus Turnin. Und das war in meiner Kinderzeit, als die Leidenschaft für den Fußball in mir erwachte, immer mein absoluter Lieblingsverein. Und mehr noch: Für Gianluigi Buffon, den Tormann von Juventus, wäre es ein historischer Erfolg, dieses Endspiel zu gewinnen. Denn der 38-jährige Supertyp wurde zwar italienischer Meister, Cupsieger, Supercupsieger, UEFA-Cup-Sieger und Weltmeister, aber niemals durfte er in all den vielen Jahren die Trophäe der Champions League in die Luft stemmen, so verdient es für einen der besten Keeper des Weltfußballs auch stets gewesen wäre. Ich finde daher echt: Es ist allerhöchste Zeit!

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10.05.17:07
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Tag 130 - Mitterlehner & Kurz

Natürlich war es ein Knalleffekt. Aber dennoch nicht unerwartet. Das Erstaunliche am plötzlichen Schritt des schwer angeschlagenen Vizekanzlers ist vor allem die Tatsache, dass er der eigenen Partei den in solchen Fällen wichtigen Vorteil einer geordneten und bis ins taktische Detail organisierten  Übergabe, einer sehenswerten Inszenierung eines Wechsels an der Spitze verweigerte. Alleine diese beinahe provokante Überraschungstat, welche die eigenen Leute auf dem falschen Fuß erwischt, ist der Beweis dafür, wie wenig die Abgang-Motive bei den politischen Gegnern oder den Medien lagen, sondern in allererster Linie in den eigenen Reihen. Daher formulierte ich bereits zehn Minuten nach der Erklärung auf Facebook folgenden Gedanken:
"Reinhold Mitterlehner tritt (höchst würdevoll) nach einem monatelangen Intrigenirrsinn zurück, und alle warten jetzt natürlich auf den jungen Erlöser. Wenn Christian Kern aber clever ist, macht er justament weiter und verzichtet auf Neuwahlen. Wissend: Den Vize macht ihm Sebastian Kurz ganz sicher nicht. Dann ist die ÖVP so richtig bedient und muss womöglich einen Übergangsobmann suchen. Das wäre ein parteipolitischer Supergau, weil sie dann alternativ das tun müsste, was sie nie wollte: Die Koalition platzen lassen. Und möglicherweise hat Mitterlehner genau das sogar mit dem Kanzler besprochen. Es wäre seine große Rache an den Königsmördern in der eigenen Partei. Denn nun liegen definitiv alle Trümpfe bei Kern. Fix ist nur: Es wird sehr spannend." Und genau so kam es. Und alle jene, die gedacht hatten, der Kanzler würde jetzt sofort Neuwahl-Töne anschlagen, irrten fatal. Ganz im Gegenteil. Kern setzte sogar noch eine kleine Perfidie drauf, indem in seiner Rede augenblicklich Kurz ansprach und ihm öffentlich eine Reformpartnerschaft anbot. Mehr Druck kann man auf einen instabilen Koalitionspartner kaum noch aufbauen. Die ÖVP wird in dieser Konstellation und dank Mitterlehners Alleingang nur schwer darum herumkommen, die Nachricht vom Ende diese Regierung - wann auch immer - selbst zu verkünden. Stets unter der Voraussetzung, dass Kurz auch tatsächlich in den Ring (in dem er so viel mehr zu verlieren als zu gewinnen hat) steigt. Tut er das trotz aller Unterwerfungsrituale der schwarzen Endzeit-Granden nicht, haben sich die Intriganten endgültig selbst in den Abgrund gestürzt. Dann ist die ÖVP, wie sie einmal war, nicht mehr zu retten. So betrachtet könnte Mitterlehners zorniger Abgang am Ende eine wahrhaft historische Wende in der österreichischen Nachkriegspolitik einleiten.

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09.05.23:28
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Keine Million

Na bitte, wieder kein neuer Millionenshow-Millionär: Der Autor Daniel Wisser hat bei der ORF-Show bei der letzten Frage aufgegeben und nahm 300.000 Euro mit nach Hause. Die Frage lautete: "Auf welchem Gebiet gab es bei den Olympischen Spielen zwischen 1912 und 1948 Wettbewerbe? A: Kochen, B: Schach, C: Angeln, D: Kunst" Originellerweise hätte ich als Ahnungsloser gefühlsmäßig spontan sofort "Kunst" gesagt, weil das in meinen Augen die mit Abstand depperteste und daher wahrscheinlichste Variante gewesen wäre. Allerdings hatte der Kandidat keinen Joker mehr und entschied sich daher klugerweise lieber zum Ausstieg. "Kunst" wäre jedoch die richtige Antwort gewesen. Aber auf der Couch daheim lässt sich ja bekanntlich ziemlich locker Risiko nehmen. Was ich jedoch sofort tat: Googeln. Und ich fand rasch diese Geschichte. Sehr interessant. So betrachtet hat die Millionenshow für Wissbegierige immer wieder einiges zu bieten.

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09.05.21:39
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Tag 129 - Der Quertreiber

Dass es am Ende die Worte des Bundespräsidenten gewesen sein könnten, der "mehr Sachlichkeit" einforderte, sei dahingestellt. Glauben mag ich das aber eher nicht. Faktum ist, dass der Innenminister, der mit (aufgetragenen?) Querschüssen gegen die SPÖ zum wiederholten Mal eine Koalitionskrise inszenierte, gelobt, sich bei der Wortwahl zu bessern. In einer gemeinsamen Aussendung forderten er und der Parteiobmann aber den Koalitionspartner SPÖ auf, zur Sacharbeit zurückzukehren. Über die scharfen Worte von Werner Sobotka gegen Kanzler Kern zeigten sich jedoch nicht nur die Roten verwundert, auch Reinhold Mitterlehner bezeichnete die Aussagen seines Parteikollegen als "nicht hilfreich". Dennoch richtete sich der Vizekanzler auch offensiv an den Koalitionspartner: "Ich ersuche die SPÖ dringend, zur Sacharbeit zurückzukehren und die Vorhaben des Innenministers nicht länger zu blockieren." Über die Wortwahl Sobotkas könne man "trefflich streiten", keine Frage. Dass Mitterlehner aber im Hintergrund bemüht gewesen sein soll, den Sprengmeister aus Niederösterreich aus dessen Amt zu entfernen, scheint mittlerweile mehr als ein Gerücht. Und es ist vor allem nachvollziehbar. Denn wenn ein Minister einen Kanzler öffentlich als Versager bezeichnet, dann hat er ohne Zweifel mehr nicht im Griff als seine Zunge. Die Hardliner-Rolle liegt Sobotka natürlich. Aber er bewegt sich auf einem sehr schmalen Grat und war als Prölls Kuckuckskind genau genommen nie wirklich paktfahig und tragbar. Das wissen alle. Außer er selbst. Auf eine große politische Zukunft Sobotkas würde ich daher in jedem Fall keinen Cent mehr setzen.

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08.05.21:04
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Studentenquatsch

Ein Name, den man sich eher nicht wird merken müssen: Felix Mayrbäurl. Der nämlich stellt sich als Spitzenkandidat des Rings Freiheitlicher Studenten (RFS) den ÖH-Wahlen (was für sich noch nicht bemerkenswert ist) und hat in dieser Funktion im Standard-Chat allen Ernstes die Kandidatur eines Mitglieds der rechtsextremen Identitären für die Liste der blauen Studierendenvertreter verteidigt. Originalzitat schwarz auf lachsrosa: "Die Identitären sind eine Aktivistengruppe wie Greenpeace oder Peta – solange sich unsere Mitglieder ordentlich verhalten und zu den hochschulpolitischen Werten des RFS bekennen, sehe ich keinen Widerspruch." So viel verharmlosender Quatsch muss einem erst einmal einfallen. Armer Mayrbäurl.

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08.05.16:17
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Tag 128 - Folgen der Intervention

Wir erinnern uns noch allzu gut: Der Extremismusexperte Thomas Rammerstorfer hatte in der Klasse einer Linzer Schule einen Vortrag gehalten. In dieser saß unter anderen der Sohn des FPÖ-Nationalratsabgeordneten Roman Haider, der seinen Vater alarmierte, woraufhin dieser beim Direktor des Gymnasiums anrief, weil er mit der Darstellung der Burschenschaften nicht einverstanden war. Die Folge: Wegen der Intervention hielt der Schulleiter Rücksprache mit dem betreffenden Lehrer, und schließlich redete dieser direkt mit Haider. Nach diesem Telefonat wurde der Vortrag abgebrochen. Nun haben die Grünen Haiders Abzug aus dem Kollegium des Landesschulrats gefordert. Ein Bericht der Behörde stuft nämlich den Abbruch als nicht zulässig ein. Es wird festgehalten, "dass durch Anrufe oder sonstige Interventionen von Dritten ein laufender Unterricht nicht abzubrechen ist". Zumal es kaum einen ernsthaften Verdacht auf eine fragwürdige Schlagseite des Vortragenden gab. Schüler schilderten der Schulaufsicht, dass der Vortrag eher neutral gewesen und nur Fakten präsentiert worden seien. Bei der als problematisch transportierten Folie über Burschenschaften habe der Vortragende dazu gesagt, dass nicht alle Burschenschafter rechtsextrem seien. Er sei auch immer wieder auf Linksextremismus und religiös begründeten Extremismus eingegangen. Ob Haider wegen dieses befremdlichen Verhaltens nun tatsächlich abgezogen wird, ist noch offen. Was jedenfalls sofort auf den Stundenplan gehört, wäre eine rasche Wiederholung des gesamten Vortrags.

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07.05.22:09
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TV-Richterin Griss

Nun hat es also wirklich stattgefunden. Irmgard Griss, ehemalige Präsidentin des Obersten Gerichtshofs und erfolgreiche Kandidatin für die Präsidentschaft, tat, was sie nicht lassen konnte. Jenes Licht der Öffentlichkeit suchen, das ihr offensichtlich so sehr gefehlt hatte. Warum sie für dieses Unterfangen ausgerechnet zur Protagonistin einer Gerichtsshow auf Puls4 werden musste, bleibt ihr Geheimnis. Die seriöse Auseinandersetzung mit Problemen unserer Gesellschaft kann es ganz sicher nicht sein. Da liegt der Verdacht näher, dass sie gegen den eigenen Bedeutungsverlust aktiv werden musste. Und so lieferten sich für das neu erschaffene Format "Im Namen des Volkes" die Anwältin Seyran Ates (gegen Kopftuch) und die Philosophin Amani Abu Zahra (für Kopftuch) unter Beihilfe von Zeuginnen (die von Griss aufgerufen wurden) einen Schlagabtausch zum Thema Verbot. Am Ende der Plädoyers und Wortwechsel (die im übrigen inhaltlich gar nicht uninteressant waren) kam es nach einer Umfrage bei 500 Personen zu einem Urteil. Die Aufgabe von Griss war es, dieses zu verkünden. Sie hielt dafür ein Schildchen hoch, auf dem "Ja" stand (80 Prozent hatte so abgestimmt). Einmal abgesehen von der Fragwürdigkeit, in dieser heiklen gesellschaftlichen Situation so ein Brimborium (letztendlich gege Muslime) zu inszenieren, war das der Agenblick, der wie kein anderer dokumentierte: Frau Griss hat sich als TV-Richterin viel mehr von ihrer politischen Glaubwürdigkeit und Würde genommen als sie ahnt.

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07.05.18:00
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Tag 127 - Und Merkel siegt weiter

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet eine Wahl in Schleswig-Holstein einmal eine solche Bedeutung über die Landesgrenzen hinweg erhalten würde? Ist aber so. Denn in einem Jahr der Kanzlerwahl, in dem so viele Zukunftsfragen zur Disposition stehen, werden die Blicke eben überallhin gerichtet, wo Indizien für Veränderungen zu erwarten sein könnten. Und, siehe da: Der so genannte Schulz-Effekt, der in mehr oder weniger freiwilliger Kooperation mit den Medien als Spin erschaffen worden war, um Angela Merkel unter Druck zu bringen, erwies sich abermals als Hirngespinst. Denn die SPD, die im nördlichsten Bundesland zuletzt gleichauf mit der CDU gelegen war, verlor massiv an Stimmen. Während die Partei der Kanzlerin sogar zulegte. Und so ist der SPD-Lack bereits ab, ehe er überhaupt richtig getrocknet war. Hochinteressante Entwicklungen, wie ich finde. Zumal Angela Merkel schon ungefähr 59 Mal das politische Ende prognostiziert worden war. Nix da. Sie wird offensichtlich mehr denn je als Fels in der europäischen Brandung gesehen und siegt weiter. Bzw. lässt weiter siegen. Und die AfD? Die zieht bei ihrem ersten Antreten gleich in den Landtag ein. Allerdings bleibt sie mit 5,5 Prozent tatsächlich weiter unter jenem Ergebnis, das ernsthaft als seismografischen Störung in der Politlandschaft wahrgenommen werden könnte. Weit weg von "Wir sind das Volk". Sehr weit weg. Gut so. Die Alternative für Deutschland bleibt, was ihr Schicksal zu sein scheint: Keine Alternative.

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06.05.22:59
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Der Tod des alten Bergsteigers

Ich finde Geschichten dieser Art auf eigene Weise sehr berührend. Der 85-jährige Nepalese Min Bahadur Sherchan wollte noch einmal der älteste Mensch werden, der den höchsten Berg der Welt erklimmt. Jetzt ist er im Basislager des Mount Everest gestorben. Im Jahr 2008 hatte er sich zum ersten Mal den Rekord des ältesten Menschen auf dem 8.848 Meter hohen Berg erkämpft. Er verlor den Titel 2013 an den  80-jährigen Japaner Yuichiro Miura und wollte es nun wieder versuchen, auf den Gipfel zu gelangen. Erst vor einem Monat hatte der Alpinist zu Journalisten gesagt: "Ich möchte den Everest besteigen und damit Menschen inspirieren, die große Träume haben." Aber dazu kam es am Ende nicht mehr. Das Herz von Sherchan blieb plötzlich stehen. Und dennoch kann man sicher sein: Es war jener Tod, den er im Fall der Fälle wohl genau so hätte haben wollen. Ich habe schon öfter darüber geredet, wie ich die letzten Sekunden meines Lebens verbringen würde, könnte ich es mir aussuchen. Und mein Gedanke ist immer der gleiche: Ich will mich gesund fühlen und während einer leidenschaftlichen Tätigkeit meinen Frieden finden. Min Bahadur Sherchan ist genau das geglückt.

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06.05.17:57
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Tag 126 - Irrsinnige Veröffentlichung

Manchmal muss man sich einfach nur für die Kollegenschaft schämen. Weil die Kronen Zeitung in einem Vorbericht über den Prozess um eine Gruppenvergewaltigung in Wien identifizierend über das Opfer berichtet hatte, ist das Blatt nun nach dem Mediengesetz verurteilt worden. Das Wiener Landesgericht für Strafsachen sprach der Betroffenen eine Entschädigung von insgesamt 8.000 Euro zu. Als Wort: Achttausend! Ein Betrag aus der Kategorie "Das ist aber jetzt nicht Euer Ernst?". Die junge Frau war in der Nacht auf den 1. Jänner 2016 von mehreren Männern in der Innenstadt aufgelesen und in eine Wohnung in der Leopoldstadt verschleppt worden, wo sie von insgesamt acht Tätern vergewaltigt wurde. Was für ein Martyrium?! Die Vergewaltiger wurden (nicht rechtskräftig) zu Haftstrafen zwischen neun und 13 Jahren verurteilt. Die Kronen Zeitung hatte unmittelbar vor der Verhandlung über den Fall berichtet und dabei allen Ernstes die Identität der Betroffenen preisgegeben. Vorname, abgekürzter Familienname, Herkunft, Beruf und der äußerst markante Vorname ihrer Freundin, die sie in Wien besucht hatte, wurden publiziert. Ein Skandal der ganz besonderen Art. Die Folge: Bei der jungen Frau bewirkte diese irrsinnige Veröffentlichung eine Retraumatisierung, ihr aufgrund des Erlebten bereits stark angeschlagener Gesundheitszustand verschlechterte sich neuerlich. Daher reichte sie wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und Verletzung des Identitätsschutzes Klage ein. Aber dem Gericht schien am Ende eine Entschädigung von 4.500 Euro für den Print- und 3.500 Euro für den Online-Artikel angemessen. In was für einem Land leben wir? Wer mit solchen Strafen davonkommt, wird seine enorme mediale Verantwortung niemals lernen. Ein Schandurteil.il die "Kronen Zeitung" in einem Vorbericht über den Prozess um eine Gruppenvergewaltigung in Wien identifizierend über das Opfer berichtet hatte, ist die auflagenstärkste heimische Tageszeitung am Freitag nach dem Mediengesetz verurteilt worden. Das Wiener Landesgericht für Strafsachen sprach der Betroffenen eine Entschädigung von insgesamt 8.000 Euro zu. Die junge Frau war in der Nacht auf den 1. Jänner 2016 von mehreren Männern in der Innenstadt aufgelesen und in eine Wohnung in der Leopoldstadt verschleppt worden, wo sie von insgesamt acht Tätern vergewaltigt wurde. Diese wurden Anfang März 2017 nicht rechtskräftig zu Haftstrafen zwischen neun und 13 Jahren verurteilt. Die "Krone" hatte unmittelbar vor der Verhandlung über den Fall berichtet und dabei die Identität der Betroffenen preisgegeben, indem ihr Vorname, ihr abgekürzter Familienname, ihre Herkunft, ihr Beruf und der äußerst markante Vorname ihrer Freundin, die sie in Wien besucht hatte, publiziert wurden. Retraumatisierung Bei der jungen Frau bewirkte diese Veröffentlichung eine Retraumatisierung, ihr aufgrund des Erlebten bereits stark angeschlagener Gesundheitszustand verschlechterte sich neuerlich. Ihre Medienanwältin Maria Windhager klagte die "Krone" wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und Verletzung des Identitätsschutzes. "Die Erkennbarkeit war ganz eindeutig gegeben, und zwar nicht nur bei einem unmittelbar vorinformierten Personenkreis", stellte Richter Thomas Spreitzer fest. In dem sowohl in der Print- als auch in der Online-Ausgabe veröffentlichten Artikel wurden dem Richter zufolge "Details leider sehr breit ausgewalzt, die geeignet waren, die Antragstellerin bloßzustellen". Ihm sei "vollkommen schleierhaft, warum man hier identifizierend berichten muss", zumal es sich "um das Opfer eines der abscheulichsten Verbrechen der Zweiten Republik" handle. Die verantwortliche Journalistin sei allerdings "durchaus einschlägig bekannt im Haus", fügte Spreitzer hinzu. Strafrahmen bis 20.000 Euro Bei einem Strafrahmen von bis zu 20.000 Euro erschien dem Gericht eine Entschädigung von 4.500 Euro für den Print- und 3.500 Euro für den Online-Artikel angemessen. In der Urteilsbegründung wies Spreitzer darauf hin, dass der Zeitungsartikel bereits nach einem Tag aus dem Verkehr gezogen und die Online-Meldung – diese hatte zu diesem Zeitpunkt 50.000 Zugriffe – nach zwei Tagen vom Netz genommen wurde. Berücksichtigt wurde bei der Bemessung der Entschädigung außerdem, dass die Betroffene in Deutschland lebt und die "Krone" dort einen entsprechend geringeren Verbreitungsgrad hat. "Ergebnis enttäuschend" Medienanwältin Windhager hatte für die in ihren Augen massive Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und die dramatischen Folgen für die Betroffene den Zuspruch des höchstmöglichen Entschädigungsbetrags verlangt. Sie legte umgehend Berufung gegen die Strafhöhe ein. "Das Ergebnis ist enttäuschend. Das ist in Wahrheit eine Einladung an die Medien, auf den Identitätsschutz zu pfeifen", sagte Windhager nach der Verhandlung. Opferschutzanwältin In dieselbe Kerbe schlug die auf Opferschutz spezialisierte Anwältin Eva Plaz, die strafrechtliche Vertreterin der betroffenen jungen Frau: "Der Staat bleibt den Opfern den Schutz vor medialer Bloßstellung schuldig." Für Plaz beweist dieser Fall, dass der Gesetzgeber die Rechte der Opfer zu stärken hat. Der "Krone" dürfte das Protokoll mit der kontradiktorischen Einvernahme der missbrauchten Frau zugespielt worden sein, die vor der Verhandlung schonend als Zeugin vernommen worden war, um ihr einen persönlichen Auftritt bei Gericht zu ersparen. Dass dann just bei einer solchen Konstellation die Aussagen der Betroffenen in der Öffentlichkeit landen, ist für Plaz empörend: "Die Ergebnisse des Ermittlungsakts sind nicht geschützt." Die Rechtsvertreterin der "Krone" gab zu der nicht rechtskräftigen erstinstanzlichen Entscheidung zunächst keine Erklärung ab. Weil die "Kronen Zeitung" in einem Vorbericht über den Prozess um eine Gruppenvergewaltigung in Wien identifizierend über das Opfer berichtet hatte, ist die auflagenstärkste heimische Tageszeitung am Freitag nach dem Mediengesetz verurteilt worden. Das Wiener Landesgericht für Strafsachen sprach der Betroffenen eine Entschädigung von insgesamt 8.000 Euro zu. Die junge Frau war in der Nacht auf den 1. Jänner 2016 von mehreren Männern in der Innenstadt aufgelesen und in eine Wohnung in der Leopoldstadt verschleppt worden, wo sie von insgesamt acht Tätern vergewaltigt wurde. Diese wurden Anfang März 2017 nicht rechtskräftig zu Haftstrafen zwischen neun und 13 Jahren verurteilt. Die "Krone" hatte unmittelbar vor der Verhandlung über den Fall berichtet und dabei die Identität der Betroffenen preisgegeben, indem ihr Vorname, ihr abgekürzter Familienname, ihre Herkunft, ihr Beruf und der äußerst markante Vorname ihrer Freundin, die sie in Wien besucht hatte, publiziert wurden. Retraumatisierung Bei der jungen Frau bewirkte diese Veröffentlichung eine Retraumatisierung, ihr aufgrund des Erlebten bereits stark angeschlagener Gesundheitszustand verschlechterte sich neuerlich. Ihre Medienanwältin Maria Windhager klagte die "Krone" wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und Verletzung des Identitätsschutzes. "Die Erkennbarkeit war ganz eindeutig gegeben, und zwar nicht nur bei einem unmittelbar vorinformierten Personenkreis", stellte Richter Thomas Spreitzer fest. In dem sowohl in der Print- als auch in der Online-Ausgabe veröffentlichten Artikel wurden dem Richter zufolge "Details leider sehr breit ausgewalzt, die geeignet waren, die Antragstellerin bloßzustellen". Ihm sei "vollkommen schleierhaft, warum man hier identifizierend berichten muss", zumal es sich "um das Opfer eines der abscheulichsten Verbrechen der Zweiten Republik" handle. Die verantwortliche Journalistin sei allerdings "durchaus einschlägig bekannt im Haus", fügte Spreitzer hinzu. Strafrahmen bis 20.000 Euro Bei einem Strafrahmen von bis zu 20.000 Euro erschien dem Gericht eine Entschädigung von 4.500 Euro für den Print- und 3.500 Euro für den Online-Artikel angemessen. In der Urteilsbegründung wies Spreitzer darauf hin, dass der Zeitungsartikel bereits nach einem Tag aus dem Verkehr gezogen und die Online-Meldung – diese hatte zu diesem Zeitpunkt 50.000 Zugriffe – nach zwei Tagen vom Netz genommen wurde. Berücksichtigt wurde bei der Bemessung der Entschädigung außerdem, dass die Betroffene in Deutschland lebt und die "Krone" dort einen entsprechend geringeren Verbreitungsgrad hat. "Ergebnis enttäuschend" Medienanwältin Windhager hatte für die in ihren Augen massive Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und die dramatischen Folgen für die Betroffene den Zuspruch des höchstmöglichen Entschädigungsbetrags verlangt. Sie legte umgehend Berufung gegen die Strafhöhe ein. "Das Ergebnis ist enttäuschend. Das ist in Wahrheit eine Einladung an die Medien, auf den Identitätsschutz zu pfeifen", sagte Windhager nach der Verhandlung. Opferschutzanwältin In dieselbe Kerbe schlug die auf Opferschutz spezialisierte Anwältin Eva Plaz, die strafrechtliche Vertreterin der betroffenen jungen Frau: "Der Staat bleibt den Opfern den Schutz vor medialer Bloßstellung schuldig." Für Plaz beweist dieser Fall, dass der Gesetzgeber die Rechte der Opfer zu stärken hat. Der "Krone" dürfte das Protokoll mit der kontradiktorischen Einvernahme der missbrauchten Frau zugespielt worden sein, die vor der Verhandlung schonend als Zeugin vernommen worden war, um ihr einen persönlichen Auftritt bei Gericht zu ersparen. Dass dann just bei einer solchen Konstellation die Aussagen der Betroffenen in der Öffentlichkeit landen, ist für Plaz empörend: "Die Ergebnisse des Ermittlungsakts sind nicht geschützt." Die Rechtsvertreterin der "Krone" gab zu der nicht rechtskräftigen erstinstanzlichen Entscheidung zunächst keine Erklärung ab. Weil die "Kronen Zeitung" in einem Vorbericht über den Prozess um eine Gruppenvergewaltigung in Wien identifizierend über das Opfer berichtet hatte, ist die auflagenstärkste heimische Tageszeitung am Freitag nach dem Mediengesetz verurteilt worden. Das Wiener Landesgericht für Strafsachen sprach der Betroffenen eine Entschädigung von insgesamt 8.000 Euro zu. Die junge Frau war in der Nacht auf den 1. Jänner 2016 von mehreren Männern in der Innenstadt aufgelesen und in eine Wohnung in der Leopoldstadt verschleppt worden, wo sie von insgesamt acht Tätern vergewaltigt wurde. Diese wurden Anfang März 2017 nicht rechtskräftig zu Haftstrafen zwischen neun und 13 Jahren verurteilt. Die "Krone" hatte unmittelbar vor der Verhandlung über den Fall berichtet und dabei die Identität der Betroffenen preisgegeben, indem ihr Vorname, ihr abgekürzter Familienname, ihre Herkunft, ihr Beruf und der äußerst markante Vorname ihrer Freundin, die sie in Wien besucht hatte, publiziert wurden. Retraumatisierung Bei der jungen Frau bewirkte diese Veröffentlichung eine Retraumatisierung, ihr aufgrund des Erlebten bereits stark angeschlagener Gesundheitszustand verschlechterte sich neuerlich. Ihre Medienanwältin Maria Windhager klagte die "Krone" wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und Verletzung des Identitätsschutzes. "Die Erkennbarkeit war ganz eindeutig gegeben, und zwar nicht nur bei einem unmittelbar vorinformierten Personenkreis", stellte Richter Thomas Spreitzer fest. In dem sowohl in der Print- als auch in der Online-Ausgabe veröffentlichten Artikel wurden dem Richter zufolge "Details leider sehr breit ausgewalzt, die geeignet waren, die Antragstellerin bloßzustellen". Ihm sei "vollkommen schleierhaft, warum man hier identifizierend berichten muss", zumal es sich "um das Opfer eines der abscheulichsten Verbrechen der Zweiten Republik" handle. Die verantwortliche Journalistin sei allerdings "durchaus einschlägig bekannt im Haus", fügte Spreitzer hinzu. Strafrahmen bis 20.000 Euro Bei einem Strafrahmen von bis zu 20.000 Euro erschien dem Gericht eine Entschädigung von 4.500 Euro für den Print- und 3.500 Euro für den Online-Artikel angemessen. In der Urteilsbegründung wies Spreitzer darauf hin, dass der Zeitungsartikel bereits nach einem Tag aus dem Verkehr gezogen und die Online-Meldung – diese hatte zu diesem Zeitpunkt 50.000 Zugriffe – nach zwei Tagen vom Netz genommen wurde. Berücksichtigt wurde bei der Bemessung der Entschädigung außerdem, dass die Betroffene in Deutschland lebt und die "Krone" dort einen entsprechend geringeren Verbreitungsgrad hat. "Ergebnis enttäuschend" Medienanwältin Windhager hatte für die in ihren Augen massive Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und die dramatischen Folgen für die Betroffene den Zuspruch des höchstmöglichen Entschädigungsbetrags verlangt. Sie legte umgehend Berufung gegen die Strafhöhe ein. "Das Ergebnis ist enttäuschend. Das ist in Wahrheit eine Einladung an die Medien, auf den Identitätsschutz zu pfeifen", sagte Windhager nach der Verhandlung. Opferschutzanwältin In dieselbe Kerbe schlug die auf Opferschutz spezialisierte Anwältin Eva Plaz, die strafrechtliche Vertreterin der betroffenen jungen Frau: "Der Staat bleibt den Opfern den Schutz vor medialer Bloßstellung schuldig." Für Plaz beweist dieser Fall, dass der Gesetzgeber die Rechte der Opfer zu stärken hat. Der "Krone" dürfte das Protokoll mit der kontradiktorischen Einvernahme der missbrauchten Frau zugespielt worden sein, die vor der Verhandlung schonend als Zeugin vernommen worden war, um ihr einen persönlichen Auftritt bei Gericht zu ersparen. Dass dann just bei einer solchen Konstellation die Aussagen der Betroffenen in der Öffentlichkeit landen, ist für Plaz empörend: "Die Ergebnisse des Ermittlungsakts sind nicht geschützt." Die Rechtsvertreterin der "Krone" gab zu der nicht rechtskräftigen erstinstanzlichen Entscheidung zunächst keine Erklärung ab. - derstandard.at/2000057053164/Krone-fuer-identifizierende-Prozess-Berichterstattung-verurteilt

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