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16.08.12:00
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Tag 228 - Eine kleine Sommerpause ...,

... und zwar für eine Woche. Der See ruft. Sonnige Grüße.

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15.08.22:04
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Das Kulturkreis-Spucken

Nur weil ich das mit einem Augenzwinkern gefragt wurde: Ja, ich würde auch für einen Austria-Trainer, der einem Konkurrenten aus nächster Nähe ins Gesicht spuckt, eine Entlassung fordern. Und zwar eine fristlose. Es gibt für mich kaum etwas Widerwärtigeres, mit Vereinszugehörigkeit hat das nicht das geringste zu tun. Ich habe selbst viele Jahre lang im Wiener Unterhaus Fußball gespielt und dabei alle emotionalen Höhen und Tiefen erlebt. Aber auf die Idee, jemanden anzuspucken, wäre ich nie, nie, nie gekommen. Das ist echt unter aller Sau. Und ein Cheftrainer eines großen Traditionsvereins, der das (als vermeintliches sportliches Vorbild) vor den Augen eines riesigen Publikums tut, verdient keine Milde. Zumal mich Herr Djuricin einen Tag nach der Unappetitlichkeit auch noch für deppert verkaufen will. Denn statt einer ehrlichen Entschuldigung bestreitet er lieber die Tat und sagt: "Ich habe mich zu dieser Geste, die in dem Kulturkreis, in dem ich meine Wurzeln habe, verbreitet ist, hinreißen lassen und das Spucken angedeutet." Das muss einem erst einmal einfallen. In diesem Zusammenhang etwas von "Kulturkreis" zu erwähnen und so eine Story zu servieren. Djuricin wurde 1974 in Wien geboren, lebt also seit 43 Jahren im österreichischen Kulturkreis, es ist daher anzunehmen, dass er seine serbisch-kriatischen Herkunft meint. Ich habe natürlich sofort drei Freunde mit gleichen Wurzeln gefragt, in welcher Intensität sie denn das angedeutete Spucken im Zuge von Auseinandersetzungen leben, und deren (irgendwie nicht sehr überraschende) Antwort lautete: Gar nicht, was für ein blödes Konstrukt soll das sein? Was den Rückschluss zulässt, dass es sich eventuell weniger um ein ethnisch begründetes Verhalten handelt. Sondern ausschließlich um eines des Goran Djuricin. Der offensichtlich nicht in der Lage ist oder sein will, einen üblen Fehler als solchen zu erkennen und gut hörbar einzugestehen. Ziemlich traurig.

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15.08.13:53
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Tag 227 - Die Schulz-Rolle

Natürlich denke ich mir oft, wie wenig gerne ich Politiker wäre. Mehr noch, wenn Wahlkampfzeit ist, und ich mich tausend Mal verbiegen müsste, um vor möglichst vielen Menschen als grader Mich'l dazustehen. Ganz besonders fällt mir das mitunter bittere politische Dasein derzeit bei Martin Schulz auf. Von Gestaltungsmöglichkeiten ist so knapp vor der Wahl in Deutschland ohnehin längst keine Rede mehr, statt dessen gibt es ein Getöse, das in mir beinahe schon Mitleid aufkommen lässt. Denn der SPD-Kanzlerkandidat gibt sich trotz des großen Rückstandes in der Wählergunst in nahezu allen Umfragen zuversichtlich. Vermutlich nicht, weil er es ist. Sondern weil er es sein muss. Ich stelle mir das extrem demütigend vor, dieses permanente So-tun-als-ob. Zuletzt meinte er im ZDF, der Bundestagswahlkampf sei noch nicht entschieden. "Ich rechne damit, dass ich eine gute Chance habe, die nächste Bundesregierung anzuführen." Es sei weiterhin "alles möglich. Der Wahlkampf lohnt sich bis zur letzten Minute". Wie muss es jemandem gehen, der wieder besseres Wissen solche Durchhalteparolen streuen muss? Jemandem, der vermutlich stundenlang vor dem Spiegel daheim üben muss, damit Sätze wie "Ich habe nichts gegen eine große Koalition unter meiner Führung" ansatzweise glaubwürdig beim Volk ankommen. Denn, nur damit wir wissen, wie die aktuelle Ausgangslage ist: Ein Wahlsieg von Schulz ginge sich derzeit nicht einmal aus, wenn sämtliche Schwankungsbreiten der optimistischsten Meinungsforscher ausgereizt würden. In den jüngsten Umfragen liegen die Union und Merkel stabil vor der SPD und Schulz. Die Union erreicht derzeit zwischen 37 und 40 Prozent, die SPD zwischen 23 und 25 Prozent. Das Wunder, das nötig wäre, um für diese Wahl eine Wende zu ermöglichen, kann man sich in Wahrheit nicht einmal ausdenken. Schulz muss noch einige Wochen lang eine Rolle spielen. Erst dann darf er die Bühne verlassen. Als ziemlich tragischer Held.

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Offen gesagt

Mir fällt dazu der Satz ein "Wenn ich ehrlich sein sollte, müsste ich lügen." Politik ist ein Geschäft, in dem die Ehrlichkeit zwar vom Wähler gewünscht wäre, aber in Wahrheit fast kaum mehr anzutreffen ist.
Alex 17.08.2017, 07:25
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14.08.21:24
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Quoten-Hit Aida

Und wieder bewahrheitet sich eine alte TV-Regel. Wer Weltklasse anbietet, und diese auch noch ordentlich bewirbt, wird ZuschauerInnen ernten. Einerlei, welches Genre im Angebot ist. Zuletzt war das bei der Frauen-Fußball-EM so, die für den ORF dank der Erfolge des österreichischen Teams zu einem echten Quoten-Hit wurde. Diesmal betraf es, ganz andere Welt, die Oper. Bis zu 473.000 Opernfans waren am Samstag um 20.15 Uhr in ORF 2 bei der live-zeitversetzten Übertragung aus Salzburg von Giuseppe Verdis Opernklassiker "Aida" dabei. Das ist ein sensationeller Wert für ein Kulturabenteuer. Im Schnitt verfolgten die Produktion 380.000 Menschen, was einen Marktanteil von 17 Prozent bedeutet. "Aida" war damit die meistgesehene Opern-Übertragung im ORF seit "La Boheme" 2012, ebenfalls ein Ereignis im Rahmen der  Salzburger Festspielen. Was die beiden Operninszenierungen gemeinsam haben? Genau, Anna Netrebko in der Hauptrolle. Die aktuell beste Sopranistin der Welt macht also offensichtlich auch jene neugierig, die mit Oper sonst gar nix am Hut haben. Umso tosender müsste daher der Applaus für eine außergewöhnliche Persönlickeit wie "La Netrebko" ausfallen.

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14.08.19:53
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Tag 226 - Die Affäre Silberstein

Wenn schon, denn schon. Viel mehr kann man sich wohl kaum in die so genannte Orschgasse manövrieren wie die SPÖ zur Zeit. Erinnern wir uns noch an die Handgreiflichkeiten unter Mitarbeitern in der Parteizentrale, die für Hohn und Spott gesorgt haben. Dann folgte der plötzliche Absprung des renommierten Kampagnenleiters Stefan Sengl, der offiziell aus privaten Gründen das Team verließ, wohl aber nur, um nicht mit böser Nachrede für noch mehr Schaden zu sorgen. Und nun die Affäre um Tal Silberstein. Der Kanzlerberater, der von Christian Kern protegiert und als Erfolgsgarant engagiert wurde (auch deshalb, weil er über enormes Schmutzkübelkampagnengeschick verfügt haben soll), wurde von der israelischen Polizei festgenommen. Die Vorwürfe lauten Geldwäsche und Bestechung, was im allgemeinen schon schwerwiegend ist. Im speziellen aber bekommen derlei Anschuldigungen noch mehr Gewicht, wenn es das Mastermind eines sozialdemokratischen Wahlkampfs betrifft. Klarerweise beendete die SPÖ die Zusammenarbeit mit Silberstein augenblicklich, gleichzeitig tauchte aber sofort die Frage auf: Wie kann es sein, dass einem Einflüsterer so lange das Vertrauen geschenkt wird, von dem - wie es derzeit den Anschein hat - viele Insider wussten, dass dessen Hang zu unsauberen Machenschaften mehr als ein Gerücht sein soll? Ob diese auch im Zusammenhang mit der SPÖ stehen könnten, wird nun in aller Ausführlichkeit geprüft werden, und das ist gut so. Und selbst dann, wenn es keine direkten Verbindungen gibt, das Image der SPÖ bleibt so oder so schwer ramponiert, dafür werden auch die Konkurrenten sorgen. Mitleid muss man mit den Roten allerdings nicht haben. Denn hier handelt es sich offenbar um eine Entwicklung, die laut vorliegender Indizien bei strengerer Begutachtung absehbar hätte sein können. Natürlich gilt für Siberstein die Unschuldsvermutung, aber wenn eine Partei einen Wahlkampf um die Kanzlerschaft führt, muss sie gewährleisten können, dass alles supersauber ist. Ohne jedes Risiko. Das aber scheinen die Strategen falsch eingeschätzt zu haben. Nun müssen sie mit der Entzauberung ihres Wunderwuzzis leben. Und die Pointe von der Geschichte scheint zu sein: Der Spezialist für Schmutzkübelkampagnen hat nun erfolgreich eine solche produziert, die sich gegen die eigene Partei richtet. Eine Art Meisterwerk.

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13.08.22:44
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Randale und Spucken

Jetzt ist schon wieder etwas passiert. Diesmal waren es die Admira-Spieler, die so frech waren, die Rapid-Fans mit drei geschossenen Toren zu provozieren. Das tut man nicht, denn das verhindert Rapid-Siege und so darf man sich - wie wir seit letzter Woche wissen - nicht wundern, wenn Gegenstände aufs Spielfeld geflogen kommen. Und wieder entschied sich der Schiedsrichter, das Match zu unterbrechen. Und wieder gab es danach heftige Diskussionen, ob das die richtige Maßnahme zur Deeskalation sei. Und wieder erklärten uns die Rapid-Verantwortlichen danach, warum das alles gar nicht so wild wäre und lieferten einen Beweis mehr dafür, wie sehr sich der Verein in Geiselhaft der Ultras, also des harten Kerns der so genannten Fans, befindet. Ein Trauerspiel ist das. Und am Ende entblödet sich der Rapid-Trainer auch nicht, Respekt von jenem Gegner einzufordern, der ihm zuvor grinsend mit den Fingern das Ergebnis gedeutet hatte ("eine Gemeinheit ist das"), und den er deshalb mit einem Spucken ins Gesicht sanktionierte. Jede Watschen ist leichter zu entschuldigen als das. Und wer es mit Verantwortung und Vorbildfunktion ernst nimmt. müsste so einen Trainer noch am selben Abend entlassen. Nur, es wird nicht passieren. Dabei wäre es, jetzt einmal abgesehen von der sportlichen Stagnation der Hütteldorfer (5 Punkte aus 4 Spielen),  echt höchst an der Zeit, bei Rapid durchzugreifen und neue Ordnung zu schaffen. Dazu bräuchte es aber vorweg einmal den wichtigsten aller Schritte: Selbsterkenntnis statt Schuldverschiebungen.

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13.08.16:20
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Tag 225 - Krone & Merkel

Gelegentlich muss man nur genauer hinsehen, um zu begreifen, wie manipulativ der Boulevard arbeitet. Ein anschauliches Beispiel gefällig (danke an Beobachter Hans Kirchmeyr)? Die Kronenzeitung titelt mit einem Zitat von Angela Merkel bezüglich der Flüchtlingszahlen: "Wir verkraften doppelt so viele." Damit wird der Leserschaft natürlich suggeriert, dass die Gesamtmigration, die ja angeblich bereits im bisherigen Ausmaß den sozialen Frieden in Europa gefährdet hat, durchaus noch mehr Zustrom verkraftet. Womit garantiert ist, dass der Volkszorn (vor allem über Deutschlands Flüchtlingspolitik) wieder angefacht oder verstärkt wird. Rund 350.000 Menschern sind laut Frontex im vergangenen Jahr nach Europa gekommen. Die Kronen Zeitung offenbart nun auf den ersten Blick, dass Kanzlerin Merkel dem Kontinent 700.000 Menschen pro Jahr auch zumuten würde. Es ist nur so, in Wahrheit geht es selbstverständlich um das Resettlement-Programm und eine Verdoppelung des legalen Flüchtlingskontingents von derzeit 20.000 auf etwa 40.000 Menschen. Und es ist außerdem so, dass Merkel den Satz, wie er zur Schlagzeile geformt wurde, so nicht gesagt hat, sondern: "Ich glaube, (...) 40.000 ist (...) eine Zahl, die eine EU mit 500 MIllionen Einwohnern verkraften kann." Und weiter: "Voraussetzung ist (...), dass wir auch die illegale Migration dann besser in den Griff bekommen." Diese Fakten finden sich dann auch im Krone-Artikel wieder, nur: Das werden die meisten LeserInnen niemals erfahren. Denn aus Studien ist bekannt, dass rund 60 Prozent aller Boulevard-Konsumenten lediglich die Titelzeile lesen. Und somit ist mit kalkulierter Verknappung und Zuspitzung die Mission des Scharfmachens erfüllt, während gleichzeitig behauptet werden kann, dass eh alles im Text stehen würde. So simpel ist das - nur eine kleine Operation, aber mit garantiert großer Wirkung.

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12.08.22:59
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Die AfD-Methode

Das ist ein ausgezeichnetes Beispiel für bedingungslose Manipulation wider besseres Wissen. Das Ordnungsamt in Deutschland hat allerlei Wahlplakate der AfD, die nahe des Jüdischen Museums an Lichtmasten angebracht waren, entfernen lassen. Was zu einer augenblicklichen Empörung führte. So postete Beatrix von Storch, die stellvertretende Bundesvorsitzende der Partei, auf Facebook: "Vor den Augen des Ordnungsamtes werden unsere Plakate zerstört. Deutschland anno 2017. #FreieWahlen #WerKeineArgumenteHatZerstörtPlakate" Die Opfermythos-Botschaft ist klar: Hier soll verhindert werden, dass die AfD mit ihren provokanten Ansagen zu den Menschen durchdringt. Die Wahrheit ist freilich eine ganz andere, und im Grunde ziemlich unspektakulär. Es gibt für das Anbringen von Wahlwerbetafeln an öffentlichen Lichtmasten allerlei gesetzliche Regelungen, u. a. sind einige Bereiche in Berlin von der Erlaubnis des Achiffierens ausgenommen. Und nun dürfen alle raten, ob das eventuell auch für jene Straße nahe des Jüdischen Museums gelten könnte, wo das "Zerstören" stattfand. Tja, genau so ist es. Dort, wo der AfD angeblich ein Leid angetan wurde, wäre auch jedes andere Plakat jeder anderen Partei entfernt worden. Und es darf davon ausgegangen werden, dass Frau Storch das (spätestens seit der Aktion) auch weiß. Es handelt sich also um einen klaren Fall von widerlicher Methodik.

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12.08.21:47
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Tag 224 - Trump und die Nazis

Ich kann schon gar nicht mehr sagen, wie sehr mich der Typ ankotzt. In Charlottesville in Virginia eskalierte ein Aufmarsch Tausender Rechtsextremisten, es gab drei Tote und mindestens 34 Verletzte. Eine junge Frau starb, als ein Auto nach Angaben der Behörden vorsätzlich in eine Gruppe friedlicher Gegendemonstranten raste, später kamen zwei Polizisten um, als ihr Einsatzhubschauber abstürzte. Wer die Bilder von den Nazis mit ihren Fackeln sieht, mag nicht glauben, aus welcher Zeit sie stammen. Der ursprüngliche Auslöser der rechten Aufwallung war die Entfernung einer Statue des Südstaatengenerals Robert E. Lee, der im US-Bürgerkrieg für den Erhalt der Sklaverei gefochten hatte. Dieses Denkmal gilt als Symbol für die rassistische Geschichte Amerikas. Seit Längerem gibt es eine Bewegung, Monumente aus jener Zeit aus dem öffentlichen Bereich zu entfernen, etwa auch die Südstaatenflagge. Der Aufmarsch in Charlottesville unter dem Motto "Unite the Right" war die größte rechtsextreme Kundgebung in den USA seit Generationen. Und auch der Ku Klux Klan durfte sich wieder formieren, einer der Organisatoren, fordert "eine Nation für das weiße amerikanische Volk, um den Ruhm wiederherzustellen, den eine arische Nation verdient". Der rechte Wahn erhebt sich wieder, und es gab zuletzt schon immer öfter Anschuldigungen, dass dies auch der Demagogie eines Donald Trump geschuldet ist. Und was geschah? Politiker beider großer US-Parteien verurteilten die grausame Bluttat von Charlotteville ausdrücklich, viele sprachen ganz konkret von "rechtsextremem Terror". Nur einer hielt sich zurück: Der Präsident. Erst mit Verspätung trat Trump schließlich in seinem Golfklub (wie bizarr!) vor die Kameras und verlas eine vorgefertigte Erklärung: "Wir verurteilen auf das Schärfste diesen unerhörten Ausbruch von Hass, Fanatismus und Gewalt auf vielen Seiten." So sagte er es, ehe er eine Pause machte, in die Runde blickte und den Schlusssatz noch einmal wiederholte: "Auf vielen Seiten." Was für ein Affront, was für ein Kniefall vor dem gewalttätigen Mob. Nicht ein einziges Mal nahm Trump zum Entsetzen selbst vieler Republikaner die klaren Worte "Rechtsextremisten, Rassisten" oder "Neonazis" in den Mund - obwohl es gerade diese waren, die es zu verurteilen galt. Als ihn die Reporter laut rufend danach fragten, verschwand der US-Präsident ohne Antwort. Wissend, dass gerade diese Aufmarschierer seine Wähler (und auch Unterstützer) sind, die sich durch die Passivität bestätigt und angefeuert fühlen. Die Kritiker gehen gnadenlos mit Trump ins Gericht, orten ein "moralisches Versagen". Auf Twitter schrieb Beau Willimon: "An alle, die jemals dachten, man möge Trump eine Chance geben, schaut nach Charlottesville, schaut Euch seine Antwort an und dann prüft Eure Seele." Und Jason O. Gilbert formulierte: "Ich wünschte, Trump würde für die Nazi-Mörder den selben Zorn zum Ausdruck bringen wie für die Firma Nordstrom, weil sie die Handtaschen seiner Tochter nicht mehr verkaufen wollte." Die Unerträglichkeit nimmt ihren Lauf.

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11.08.22:40
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Ministerin Griss

Jetzt einmal völlig abgesehen davon, dass ich - wie schon öfter geschrieben - der Überzeugung bin, dass die Verpflichtung von Irmgard Griss die Neos weder kurz- noch langfristig einen Schritt weiterbringt, so finde ich die aktuellen Wortmeldungen fast schon rührend. Die Listenzweite der Neos bei der Nationalratswahl am 15. Oktober, Höchstrichterin im Ruhestand, Ex-Präsidentschaftskandidatin und TV-Gerichtsshowdarstellerin Irmgard Griss, kann sich unter bestimmten Voraussetzungen ein Regierungsamt vorstellen. "Ich würd's mir anschauen", sagte sie anlässlich der Präsentation der Landesliste in Graz. Neos-Spitzenkandidat und Parteichef Matthias Strolz hatte bereits vor einigen Tagen geäußert, gegebenenfalls für ein Ministeramt zur Verfügung stehen zu wollen. Das glaube ich natürlich sehr gerne, es ist nur so: Wie bitte sollen diese "bestimmten Voraussetzungen" aussehen? Ich kann nämlich beim besten Willen (und den will ich ausdrücklich hervorheben) keine einzige Konstellation ausmachen, in der die Neos in einer Regierungsverantwortung auftauchen könnten. Denn SPÖ, ÖVP und FPÖ werden sich den Kuchen wohl in den drei möglichen Zweiervarianten aufteilen, eine pinke Unterstützung braucht es da nicht. Und die einzig denkbare Dreiervariante Rot-Grün-Pink ist von einer Mehrheit derzeit meilenweit entfernt. Irmgard Griss wird sich ab 16. Oktober also eher nix "anschauen" müssen. Außer, was man als Oppositionspolitikerin den ganzen Tag lang so macht.

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11.08.17:13
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Tag 223 - Zombie Lugar

Von den vielen Anlässen, inmitten der politischen Landschaft Österreichs den Kopf zu schütteln, ist das mit Sicherheit einer der größten. Robert Lugar wurde heute allen Ernstes als Kandidat für die FPÖ-Bundesliste präsentiert. Zuvor war ja schon über eine Rückkehr des einstigen Stronach-Statthalters zu den Freiheitlichen medial spekuliert worden. Dass Strache, Kickl & Kameraden dessen untertänigem Werben aber tatsächlich die Gnade erweisen, ist schon ziemlich verblüffend. Vor allem deshalb, wenn man sich die Frage stellt, welchen Nutzen die FPÖ von diesem Engagement haben soll. Lugar gilt längst als abgehalfteter Parteivagabund, der eher Gelächter als Respektbekundungen garantiert. Strache meinte jedenfalls, mit Lugar habe er im Parlament gut zusammengearbeitet, in all den Jahren habe man sich auch besser kennengelernt und schließlich ausgesprochen. Es habe viele Gespräche gegeben, habe Lugar doch bereits 2012 eine Rückkehr versucht. Damals sei aber das Vertrauen noch nicht da gewesen, erklärte Strache. So kann man das natürlich auch formulieren. Denn bei genauer Archiv-Betrachtung hat der FPÖ-Blaumann einst folgendes gesagt: "Sie alle wechseln die Parteien wie die Unterhosen." Und auch Lugar habe vor seinem Andocken beim reichen Milliardär versucht, bei der FPÖ "unterzuschlupfen, was ich jedoch konsequent abgelehnt habe", weil nämlich: "Einmal Verräter, immer Verräter!" Daher darf nur spekuliert werden, warum der Verräter jetzt wieder mitspielen darf. Möglicherweise weil er bei öffentlichen Auftritten in der Lage ist, drei bis vier Sätze unfallfrei zu formulieren, was in Anbetracht der Personaldecke bei der FPÖ schon als Empfehlung betrachtet werden kann. Und so flötete Lugar: "Inhaltlich hat uns nie etwas getrennt. Ich war ja im Herzen immer Freiheitlicher und werde das bleiben." Und in diesem Sinne wolle er nun alles daran setzen, um die freiheitliche Familie voranzubringen. Nun, diesbezüglich dürfte das Potenzial überschaubar sein, fest steht nur, dass sich der rehabilitierte Verräter als politischer Zombie selbst voranbringt. Vor allem finanziell. Denn fünf Jahre lang 14 mal 8.755 Euro pro Monat zu verdienen, ohne in der freien Marktwirtschaftswelt bestehen zu müssen, ist schon eine feine G'schicht. 612.850 Euro kostet so ein Lugar die Steuerzahler. Ja, auch darüber dürfen wir den Kopf schütteln.

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10.08.20:51
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Werbetrommel für Cap

Mitunter muss ich schon schmunzeln, wenn alte Seilschafter in die Offensive gehen. Das Phänomen konnten wir ja schon bei Peter Pilz, dessen journalistische Haberer rudelweise den öffentlichen Treuschwur ablegten, beobachten. Nun hat der ehemalige SPÖ-Bundesgeschäftsführer und derzeitige Polit-Berater Josef Kalina via Österreich kundgetan, dass er Josef Cap bei dessen Vorzugsstimmenwahlkampf um ein Nationalratsmandat unterstützen würde. Cap ist auf der SPÖ-Bundesliste nämlich auf der aussichtslosen 33. Stelle gereiht und hofft nun über den Wahlkreis Wien-Nordwest einzuziehen, wo er hinter der Nationalratsabgeordneten Nurten Yilmaz an zweiter Stelle gereiht ist. Interessant ist dabei vor allem die Argumentation Kalinas, der in keinem Wort die politische Schlagkraft Caps erwähnt, was möglicherweise daran liegt, dass nicht einmal er mehr an eine solche glaubt. Statt dessen sagt er: "Josef Cap ist mein bester Freund und hat mich Ende der 70er in die Sozialistische Jugend geholt. Wie schon 1983, werde ich selbstverständlich auch jetzt wieder für ihn die Werbetrommel rühren." Na genau. Dass genau deshalb so vielen jungen politischen Geistern immer wieder von der Urgesteinsmasse der Weg verbaut wird, ist leider völlig egal - Freundschaft!.

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10.08.15:09
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Tag 222 - Zeitreise durch Wien

Manchmal muss es auch einfach nur eine Empfehlung sein. Ab kommendem Mittwoch strahlt Sky eine von der BBC produzierte, dreiteilige "Zeitreise" durch Wien aus - von der Geburt bis zum Zerfall der Donaumonarchie. In drei jeweils knapp 50-minütigen Folgen zeichnet der britische Historiker und Autor Simon Sebag Montefiore bei einem Streifzug durch die österreichische Bundeshauptstadt deren wechselhafte Geschichte nach. "Dies ist die Geschichte eines Reiches von Eroberern, Kurtisanen und Komponisten, von Palästen, Kirchen und Kaffeehäusern", sagt er. Und: "Ein Reich verschiedener Kulturen und Ideen – monströser Ideen, die Millionen den Tod brachten, und wunderbarer Ideen, die unsere moderne Welt formten." Der erste Teil handelt von der "Geburt der Donaumonarchie", dem Aufstieg Wiens zur Hauptstadt des Heiligen Römischen Reichs unter der Herrschaft der Habsburger. Es folgt "Der Wandel zur Kulturhauptstadt" nach der Zweiten Türkenbelagerung im 17. Jahrhundert und Teil drei, "Zwischen Restauration und Revolution", beginnend mit dem Wiener Kongress 1814, endend mit dem Zerfall von Österreich-Ungarn 1918. Montefiore spart in seinen Ausführungen nicht mit Superlativen und Pathos, und ich glaube, er hat dank intensiver Recherchen genau jenen (auch kritischen) Blick auf unsere Hauptstadt entwickelt, die sie sich verdient.

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09.08.21:37
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"Feuer, Wut und Macht"

Es vergeht kaum ein Tag ohne Trumpelei. Nun hat der verhaltensauffällige US-Präsident im Streit mit Nordkorea der Führung in Pjöngjang indirekt militärische Gewalt angedroht. Wenn nämlich Nordkorea seine Drohungen fortsetze, werde diesen mit "Feuer, Wut und Macht, wie die Welt es so noch nicht gesehen hat" begegnet, sagte Trump vor Journalisten in Bedminster/New Jersey. Zuvor war bekannt geworden, dass Nordkorea auf dem Weg zur vollwertigen Atommacht weitergekommen ist: Nach Erkenntnissen der USA und Japans ist Pjöngjang in der Lage, seine Raketen mit Miniatur-Atomsprengköpfen zu bestücken. Das würde bedeuten, dass Nordkorea näher am Ziel einer Atomrakete ist als bisher angenommen. Umso mehr scheint Diplomatie gefragt. Und umso größer werden unser aller Sorgen, weil jener Mann, der die welpolitischen Akzente setzen muss, etwa über so viel diplomatisches Feingefühl verfügt wie sein Gegenspieler Kim Jong-un über demokratisches Bewusstsein. Trumps Parteikollege, der republikanische Senator John McCain, fand dazu die passenden Worte: "Große Anführer" würden ihre Gegner nicht bedrohen, wenn sie nicht wirklich bereit seien, diese Drohungen auch umzusetzen. "Und ich bin mir nicht sicher, dass Präsident Trump bereit ist, zu handeln." Zumal sich dieser gerade auf Golf-Urlaub befindet. Und wer weiß schon, ob er seinen Zorn Marke "Feuer, Wut und Macht" nicht spontan formuliert, nur weil kurz zuvor allenfalls ein Putt nicht gefallen ist?

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09.08.14:50
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Tag 221 - Prölls Sturz

Selbstverständlich ist es eine unerfreuliche G'schicht, wenn man mit dem Fahrrad stürzt, besonders dann, wenn es nur daran liegt, dass man beim Stehenbleiben die Füße nicht reichtzeitig aus den Pedalen bekommt. Und es ist ganz sicher schmerzhaft, wenn die Folge dieses Umfallers ein Beckenpfannen- und Schambeinbruch ist. Ich denke außerdem, dass so ein Unfall auch in den Medien in der Rubrik "Kurz notiert" gemeldet werden kann, zumal es immerhin den ehemaligen Landeshauptmann Erwin Pröll erwischte. Aber was in Anbetracht dieser Ereignisse vor Radlbrunn tatsächlich geschah, ist von einer solchen geradezu bizarren Dimension, dass man sich nur mehr wundern darf. Oder an eine mediale Persiflage denken. Die Kunde vom pröll'schen Missgeschick verbreitete sich wie ein Lauffeuer, und die Zeitungen überschlugen sich - passenderweise - förmlich, um ihrem Entsetzen und ihrem Mitgefühl in umfangreichen Artikeln Ausdruck zu verleihen. Im Kurier besipielsweise wurde das, was andere als "In Niederösterreich ist ein Rad'l umgefallen" zusammenfassten, so detailreich geschildert, dass man den Eindruck bekam, vom Unglück des Alt-Politiker (Titel "Krücken statt Großglockner") hinge das Schicksal der Republik ab. Und in oe24.at wurde unter "Top News" sogar eine Telefon-Liveschaltung unter der Schlagzeile "Erwin Pröll aus dem Krankenbett" ins Programm katapultiert. Das bedeutet: Wir werden natürlich in den kommenden Wochen über jeden Schritt der Genesung informiert werden. Und zwar unabhängig davon, ob wir das wollen. Ein Entkommen aus dem Hofberichterstattungsreich scheint unmöglich. Die ärztlichen Bulletins werden mit uns sein.

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