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20.05.23:42
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Drei lehrreiche Abende

Ein Auftritt im Studio Akzent und zwei Auftritte im Kellertehater von Klosterneuburg. Dreimal hintereinander habe ich nun meinen "Abend mit einem Mannsbild" absolviert, und ich muss ganz ehrlich gestehen: Es war um einiges intensiver als ich es mir je erwartet hätte. Am Programm werde ich so oder so noch weiter akribisch herumbasteln, obwohl die Resonanz wirklich wunderbar ist. Gleichzeitig habe ich aber erkannt: Zwei Stunden lang alleine auf der Bühne zu sein und permanent die Konzentration bewahren zu müssen, ist wirklich extrem fordernd. So viel Freude mir dieses Abenteuer macht, so viel Lust ich verspüre, mit dem Publikum in einen fröhlichen Dialog zu treten, so sehr habe ich nach dem dritten Abend, der gesamten Vorbereitung in dieser Woche und der wiederholten Anspannung gespürt, wieviel Kraft mein Lesekabarett kostet. Und dennoch fühle ich mich glücklich und bestätigt: Ich will diesen Weg unbedingt weitergehen. Und allen jenen Menschen, die mich genau dazu ermutigen und mich mit ihrem Lachen und ihrem Zuspruch motivieren, mag ich auch an dieser Stelle sagen:
Danke. Danke. Danke.

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20.05.17:59
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Tag 140 - "Destruktiver" Wolf

Viele von uns haben gar keine Ahnung, welche bedenkliche Entwicklung die dauerhaften öffentlichen Schüsse gegen Armin Wolf darstellen. So sendete Ö1 jetzt eine "Debatte über Möglichkeiten und Grenzen des guten Journalismus". Die genau genommen nichts anders war als eine Konfrontation zwischen ZiB2-Moderator Armin Wolf und dem Kommunikationswissenschaftler und Medienpsychologen Peter Vitouch, der - was nicht unwesentlich erscheint - auch dem ORF-Publikumsrat als stellvertretender Vorsitzender vorsteht. In der Sendung "Punkt eins" wurde über jene Vorwürfe diskutiert, die Vitouch in den Salzburger Nachrichten gegen den Anchor formuliert hatte. Dabei hatte er Wolf vor allem "destruktiven Journalismus" vorgeworfen. Eine Einschätzung, die er auch in Ö1 wiederholte, die deshalb aber nicht weniger gefährlich erscheint. Denn man kann Armin Wolf als Kritiker allenfalls entgegensetzen, er würde aus seinen Interviews gelegentlich auch Shows machen, sein Ego aufpolieren oder die eigene Eitelkeit befriedigen - alles das fiele in die Kategorie des subjektiven Empfindens und könnte auch dem Vollprofi Wolf Anlass sein, über seine Außenwirkung zu reflektieren. Aber "destruktiver Journalismus" als Attribut für einen, der sich im Unterschied zu so vielen seiner Zunft nicht mitr den erstbesten Antworten zufrieden gibt, der sich investigativ in Bereiche vorwagt, die wehtun, und der stets akribisch vorbereitet danach trachtet, seinem Publikum Wahrheiten zu präsentieren - das ist in der Tat nicht nur "infam", wie es Wolf nennt, sondern in höchstem Maß irritierend. Zumal Vitouch die Behauptungen einer zerstörenden Berufsauffassung, die auch Stimmlage und seine Körpersprache transportiert würde, nicht mit einem einzigen Beleg stützen konnte. Was speziell für einen Wissenschaftler ein echtes Armtszeugnis ist. Mehr noch: Die Vorstellung, dass jemand mit diesem (theoretischen) Verständnis von politischer Interviewführung Studenten lehrt, finde ich bedenklich. Ob Vitouch nach dem legendären Selbstfaller von Erwin Pröll im ZiB2-Studio (samt Drohungen) als nächste Speerspitze zur rachemäßigen Demontage von Armin Wolf ausgesandt wurde, ist allerdings kaum mehr als ein Verdacht. Schlimm genug jedoch, dass ein solcher in einem demokratischen Land wie Österreich überhaupt auftauchen kann.

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19.05.22:58
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Gestohlene Ideen

Nun, ich gestehe, ich bin nicht nur ein  Fan von "House of Cards", sondern auch einer von Robin Wright. Eine besonders attraktive Frau und eine grandiose Besetzung für die First Lady an der Seite von Mister President Kevin Spacey alias Frank Underwood. Ich freue mich auch so sehr, dass jetzt endlich die fünfte Staffel begonnen hat. Und noch mehr darüber, dass Robin Wright auf ihre spezielle Art die Politserie promotet. Denn in Anbetracht der anhaltenden Dramen im echten Weißen Haus gehen den Machern von "House of Cards" die Inspirationen aus. So sagte die Schauspielerin während der Filmfestspiele von Cannes, Präsident Donald Trump habe "alle unsere Ideen" für die nächsten Folgen des Dramas um die Macht in Washington "gestohlen". Hinreißend. Das zu sagen, was sich so viele denken. Und sie legt mit ernster Miene nach: Die Gegner Trumps seien verzweifelt, weil sich die Gespräche nur noch darum drehen würden, wie sich die Jahre bis zum Amtsende des rechtspopulistischen Milliardärs überstehen ließen. Klar ist, dass Wright selbst eine andere Vision hat: Als nächste Amtsinhaberin wolle sie "dort Michelle Obama sehen. Sie wäre ein großartiges weibliches Staatsoberhaupt". Ehrlich: Das fände ich auch spannend.

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19.05.19:10
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Tag 139 - Thiems Spektakel

Es ist nicht nur so besonders erfreulich, sondern vor allem so besonders sehenswert. Das, was Dominic Thiem mehr den je auf den Tennisplätzen dieser Welt veranstaltet, ist als Spektakel so außergewöhnlich gut, dass mir mitunter der Mund offen stehen bleibt. Heute hat Österreichs Nummer 1 in Rom beim Masters-1000-Turnier mit einem Sieg über Rafael Nadal den Einzug ins Semifinale geschafft. Und was für ein Sieg das war. Nach den beiden Finalniederlagen gegen den Sandplatzkönig zuletzt in Barcelona und Madrid hat Thiem ganz offensichtlich seine Taktik ein wenig verändert und auf aggressivere Offensive umgestellt. Ein hohes Risiko gegen einen so exzellenten Konterschläger wie Nadal. Aber, der Plan ging auf. Der Österreicher bezwang den Spanier, der so stark wie nie spielt und 17 Matches in Folge gewonnen hatte, nach einer phänomenalen Leistung und einer Spielzeit von 1:50 Stunden mit 6:4 6:3. Danach sagte er: "Mir geht es sehr, sehr gut. Das ist einer meiner größten Siege, und es war auch spielerisch eine meiner besten Leistungen. Mir ist sehr viel sehr gut geglückt, aber das funktioniert nicht jeden Tag so. Ich bin innerlich in Ekstase, aber es ist noch zu früh für Freudensprünge, denn ich habe ein schweres Match vor mir." Speziell bemerkenswert ist sein letzter Satz. Denn unabhängig davon, dass dem jungen Mann spielerisch längst alles Großartige zuzutrauen ist, weiß er selbst genau, dass auch dieser wichtige Triumph nur ein Puzzlesteinchen auf dem Weg an die Spitze war. Die Konstanz ist die Kunst. Das hohe Niveau in immer länger andauernden Phasen abrufen zu können, so sieht die Notwendigkeit der Champions aus. Und diesbezüglich fehlt es Thiem naturgemäß an sehr viel Erfahrung. Aber jeder dieser Erfolge wie gegen Nadal und jede Gewissheit, mit einer Top-Leistung auch die besten Spieler der Welt schlagen zu können, wird das Selbstbewusstsein als unverzichtbarer Partner des Schlagpotenzials reifen lassen. Umso wichtiger ist es jetzt, dem 23-Jährigen diese Zeit der Entwicklung zu geben und kommende Rückschläge als unverzichtbare Lehren zu begreifen. So oder so bin ich überzeugt: Dominic Thiem wird nach Thomas Muster (1995) Österreichs zweiter Grand-Slam-Sieger sein. Und länger als zwei Jahrer wird er mit dieser Geschichtsschreibung nicht mehr warten.

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18.05.22:48
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Fischers Lieder

Auch eine interessante Information in Anbetracht der Tatsache, dass Helene Fischers neues Album "Herzbeben" (welch' überraschender Titel) nicht einmal 24 Stunden nach Erscheinen bereits auf Platz eins der deutschen und österreichischen Charts zu finden war. Es stellte sich nämlich die Frage, wie es zu den 24 ausgewählten Liedern auf der neuen Doppel-CD des Schlagerstars kam. Und dabei erfuhr ich, dass sich zahllose internationale Songwriter mit ihren Produkten beworben hätten, was bedeutete: Helene Fischer konnte aus rund tausend Vorschlägen wählen, um sich fünfzig Lieder auszusuchen, die sie probehalber einspielte. Am Ende dieses Prozesses wiederum wurde festgelegt, welche 24 Titel (die besten der besten) es dann tatsächlich aufs Album schaffen. Als ich das vernahm, war mein erster Tagtraum, ich müsste bei dieser gesamten Entscheidungsfindung Mäuschen sein und mir beispielsweise tausend potenzielle Fischer-Lieder anhören. Das war ... wie sage ich es ... ziemlich spooky.

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18.05.15:39
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Tag 138 - Glawischnig geht

Es war ein innenpolitischer Knalleffekt, aber er kam nicht unerwartet. Mein kurzer Kommentar dazu: Ein Rücktritt mit Würde und Professionalität, mit Nachdenklichkeit und Witz, mit Herz und Emotion. Respekt, Eva Glawischnig.
Eine ausführliche subektive Analyse, mein langer Text zur Lage der Nation, erscheint am kommenden Montag.

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17.05.21:04
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Guardian-Blick auf Kurz

Sehr schräge Entwicklung. Der britische Guardian bemüht sich, Österreichs neuen politischen Heilsbringer Sebastian Kurz zu porträtieren und tappt in eine Falle. Denn beim Versuch, ein Bild des Außenministers und ÖVP-Chefs zu zeichnen, nimmt das renommierte Blatt unter anderem auf dessen politische Vergangenheit Bezug und berichtet von der Kampagne der Jungen Volkspartei für die Wien-Wahl im Jahr 2010, in der Kurz das Geilomobil durch die Bundeshauptstadt fahren ließ. Und am Ende der Story zitiert der Guardian ausgerechnet die Tagespresse. Denn das Satireformat hatte im Frühling 2014 berichtet, dass Kurz sein "Recht auf Vergessen" geltend machen und das Video aus dem Google-Universum verbannen wolle. Das Hohngelächter hat sich allerdings ziemlich rasch bis nach England verbreitet, weshalb der Guardian dem Artikel ein Update verpasst und das erfundene Zitat gelöscht hat. So viel zum Thema, wie leicht sich Fake News - ob gewollt oder ungewollt - ihren Weg bahnen können. Einen groben Vorwurf kann man dem Guardian allerdings nicht machen. Aus einem einfachen Grund: Jedem Populisten unserer Zeit wäre so ein "Recht auf Vergessen" tatsächlich ohne weiteres zuzutrauen.

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17.05.14:38
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Tag 137 - Nazi-Schlampe

Immer wieder die gleichen Reflexe. Und immer wieder die Erkenntnis, wie schnell Menschen ihre Empörungsmaschine hochfahren und nicht bereit sind, näher hinzusehen und Zusammenhänge erfassen zu wollen. In Deutschland führt das Urteil eines Landgerichts das gerade wieder eimal exemplarisch vor. Die AfD-Spitzenkandidatin für die deutsche Bundestagswahl, Alice Weidel, hat im Rechtsstreit um umstrittene Äußerungen über sie in einer NDR-Satiresendung eine Niederlage erlitten. So wurde ein Antrag Weidels auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen den Sender zurückgewiesen. Ein Moderator hatte Weidel in der Sendung extra 3 als "Nazi-Schlampe" bezeichnet. Das Gericht entschied nun, dass es sich dabei um Satire handle, "die im konkreten Kontext der Äußerung von der Meinungsfreiheit gedeckt ist". Und was ist die Reaktion in den sozialen Netzwerken? Eh klar, das "Unerhört, Skandal" bahnt sich seinen Weg, weil: So eine Beschimpfung, das sei echt zu viel. Das hätte doch mit Satire nicht das geringste zu tun. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Es handelt sich geradezu um ein Paradebeispiel für Satire im ureigensten Sinn des Begriffs. Zur Erinnerung: Der Beitrag war Ende April im Zusammenhang mit der Wahl Weidels zur AfD-Spitzenkandidatin auf einem Parteitag in Köln gesendet worden. Der Moderator bezog sich in der umstrittenen Äußerung auf eine Rede Weidels, in der sie forderte, die "politische Korrektheit" gehöre auf "den Müllhaufen der Geschichte". Und er kommentierte dies mit den Worten: "Jawohl, Schluss mit der politischen Korrektheit! Lasst uns alle unkorrekt sein, da hat die Nazi-Schlampe doch recht. War das unkorrekt genug? Ich hoffe!" Viel offensichtlicher kann man einer Politikerin, die lautstark einen höchst fragwürdigen Anspruch an die Gesellschaft stellt, nicht den Spiegel vorhalten. Es handelte sich definitiv um eine extreme Übertreibung, um das Ausmaß ihrer Forderung sichtbar zu machen. Zur Demonstration, was passieren könnte, würde man in Zukunft die Political Correctness tatsächlich "auf den Müllhaufen der Geschichte" werfen. Ein perfektes Beispiel dafür, wie man Demagogen mit ihrer eigenen Demagogie konfrontiert. Wer dieses Phänomen sehen will, muss sich allerdings mit dem gesamten Hergang beschäftigen und darf sich nicht auf Hörensagen damit begnügen, dass irgendwer anscheinend einfach so ungestraft "Nazischlampe" plärren darf. Die Richter sahen das dankenswerterweise auch so und erklärten, der Zuschauer begreife den Begriff "Nazi" als "grobe Übertreibung", nehme deshalb aber nicht an, dass Weidel "Anhängerin der Nazi-Ideologie" sei. Die Entscheidung des Landgerichts ist nicht rechtskräftig. Mein Urteil, dass bei jeder Gelegenheit mehr gebrüllt als gedacht wird, ist hingegen unwiderrufbar.ie AfD-Spitzenkandidatin für die deutsche Bundestagswahl, Alice Weidel, hat im Rechtsstreit um umstrittene Äußerungen über sie in einer NDR-Satiresendung eine Niederlage erlitten. Das Landgericht Hamburg wies am Mittwoch einen Antrag Weidels auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen den Sender NDR zurück. Ein Moderator hatte Weidel in der Sendung "extra 3" als "Nazi-Schlampe" bezeichnet. Das Gericht entschied nun, dass es sich dabei um Satire handle, "die im konkreten Kontext der Äußerung von der Meinungsfreiheit gedeckt ist". Der Beitrag war Ende April im Zusammenhang mit der Wahl Weidels zur AfD-Spitzenkandidatin auf einem Parteitag in Köln gesendet worden. Der Moderator bezog sich in der umstrittenen Äußerung auf eine Rede Weidels, in der sie forderte, die "politische Korrektheit" gehöre auf "den Müllhaufen der Geschichte". War das unkorrekt genug? Der Moderator kommentierte dies mit den Worten: "Jawoll, Schluss mit der politischen Korrektheit! Lasst uns alle unkorrekt sein, da hat die Nazi-Schlampe doch recht. War das unkorrekt genug? Ich hoffe!" Die Richter erklärten nun, die umstrittene Äußerung mit den Begriffen "Nazi" und "Schlampe" beziehe sich "in klar erkennbarer satirischer Weise" auf die Forderung, die politische Korrektheit gehöre auf den Müllhaufen der Geschichte. Der Zuschauer begreife den Begriff "Nazi" als "grobe Übertreibung", nehme deshalb aber nicht an, dass Weidel "Anhängerin der Nazi-Ideologie" sei. Die Entscheidung des Landgerichts ist nicht rechtskräftig. Der Bevollmächtigte Weidels kündigte laut Gericht bereits an, gegen die Zurückweisung des Antrags sofortige Beschwerde einzulegen. Darüber müsste dann das Oberlandesgericht entscheiden. - derstandard.at/2000057787544/Nazi-Schlampe-Niederlage-fuer-AfD-Politikerin-gegen-Satiresendung

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16.05.23:52
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Kliens Frechheiten

Peter Klien ist im übrigen einer jener Kollegen, die abseits der Kameras durch besondere Freundlichkeit und Höflichkeit auffallen. Das sei erwähnt, weil ich ihn eben nicht nur als grandiosen Satiriker schätze, sondern auch als Privatmann. Man möchte gar nicht glauben, dass der gute Mann über derart viel Frechheit verfügt, wenn es darum geht, der politischen Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Vor allem sein grenzenloser Mut, in den unmöglichsten Augenblicken mit den unmöglichsten Fragen das Mikrofon in Stellung zu bringen, ist einzigartig. Sein heutiger Beitrag in "Willkommen Österreich" widmete sich - no na - Sebastian Kurz. Und seine fein formulierte Offensive (mit Liebe zum Detail) ist wieder einmal absolut sehenswert. Bitte unbedingt anschauen!

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16.05.18:28
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Tag 136 - Konfusion statt Konsequenz

Ich muss ehrlich gestehen, ich hätte der SPÖ diese Konzeptlosigkeit nicht zugetraut. Offensichtlich ist es so, dass der Plan A eine ganz wesentliche Schwäche hat. Er enthält keinen Plan B, C oder D. Nach dem Rücktritt von Reinhold Mitterlehner konnte der Kanzler noch einigermaßen gut kontern, als er richtig antizipierte und dem desgnierten Parteiobmann Kurz eine Reformpartnerschaft und Fortsetzung der Regierungsarbeit anbot. Alle jene, die mit einer sofortigen Neuwahlankündigung gerechnet hatten, wurden überrascht. Seit jedoch Sebastian Kurz nach einer kurzen Schockphase ob des plötzlichen Alleingangs von Mitterlehner das Heft in die Hand genommen hat, steht u. a. auf seiner Agenda: Neuwahl als Solist in den Raum stellen, aber als Gemeinschaftsprojekt verkaufen. Und die Roten vor sich hertreiben. Und das gelingt ihm. Allerdings nur deshalb, weil die SPÖ mit einer mitunter ins Groteske ausufernden Strategie kräftig mithilft. So haben beispielsweise Kanzler Kern oder auch Minister Drozda vor und nach dem Ministerrat noch beinahe trotzig darauf bestanden, dass Kurz Verantwortung übernehmen und das Amt des Vizekanzlers antreten möge. Dabei wussten sie selbstverständlich, dass der neue ÖVP-Chef in seiner Situation nie und nimmer diesen Weg beschreiten würde. Einer, der sich als Heilsbringer präsentiert, wird sich nicht gleich zu Beginn seiner Heilsbringerschaft als Nummer zwei neben dem Kanzler positionieren und in allfällige Turbulenzen verwickeln lassen. Umso jenseitiger erschienen daher die Versuche, den Außenminister als verantwortungslosen Verweigerer zu brandmarken. Als könnte nicht jeder halbwegs gebildete Beobachter der politischen Landschaft diese Offensive als Spin entlarven. Nach dem Motto: Zumindest der Makel des Wegduckers, der sich im Alltagsgeschäft nicht die Hände schmutzig machen will, soll Kurz auf dessen Wahlkampfweg begleiten. Nur, es wird nicht funktionieren. Statt dessen machte die SPÖ eine Kehrtwende. Denn nach dem Ministerrat wollte sie einen Vizekanzler Brandstetter keinesfalls akzeptieren. Zwei Stunden später im Parlament sah das schon ganz anders aus. Christian Kern begrüßte Wolfgang Brandstetter an seiner Seite, und Sebastian Kurz sah in aller Ruhe dabei zu. Die einen nennen es Umfaller, die anderen Einsicht. Geschmackssache. Was auf jeden Fall zutrifft: Konfusion statt Konsequenz. Aber ein solches Credo wird sich die SPÖ auf diesem Niveau in den kommenden Wochen und Monaten nicht erlauben können.

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15.05.19:08
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"Ficken" nicht erlaubt

Der Standard-Titel lautet: "Ficken" kann nicht als Marke eingetragen werden.
Die Story dazu: Die Grenzen des guten Geschmacks und der Moral sind nicht immer definierbar, manchmal beschäftigen sie dann die Gerichte. In Österreich hatte sich der Oberste Gerichtshof nun mit einer Causa zu befassen, die in Deutschland schon vor Jahren Aufmerksamkeit erregt hatte. Es geht um die Eintragung der Marke "Ficken". In Deutschland gelang es einem Hersteller bereits 2011, den Namen für einen Partyschnaps, andere Getränke sowie für Bekleidungsstücke schützen zu lassen. In Österreich hingegen kam die Firma mit einem ähnlichen Antrag beim Patentamt nicht durch und verlor auch in der Berufung. In letzter Instanz hat der Oberste Gerichtshof nun die Untersagung der Marke "Ficken" bestätigt und begründet das mit dem Verstoß gegen die guten Sitten. Beim Markenschutz sei auf den Gesamteindruck der Bezeichnung auf den Verkehrskreis des Produkts abzustellen. Die vom Erstgericht getroffenen Feststellungen, wonach "Ficken" "primär sexuelle Bedeutung" habe und die betroffenen Waren von jedem Bürger gekauft werden können, werden vom OGH als korrekt erachtet. Ebenfalls bestätigt wurde die Einschätzung, dass das allgemeine Publikum die Bezeichnung als anstößig ansähe. So weit, so interessant. Die Geschichte löst allenfalls ein wenig Heiterkeit aus, mehr Emotion ist jedoch schwer vorstellbar. Daher ist es am Ende nur eine Kleinigkeit, die mich stört. Der Standard-Titel hätte natürlich lauten müssen: "Ficken" nicht erlaubt.

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15.05.17:32
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Tag 135 - Kern, Kurz, Quotenrekorde

Das ist definitv ein Indiz dafür, in welcher Intensität die politische Aktualität den Menschen unter die Haut geht. Die Pressestunde am sonnigen Sonntag, der noch dazu Muttertag war, wurde durchschnittlich von 196.000 Menschen gesehen, das ist der höchste Wert seit April 2010. Die ZiB mit Kurzens Verkündung der eigenen Chefrolle erreichte 1,2 Millionen Zuschauer, der höchste Wert seit 2012. Und bei "Im Zentrum" ab 22.06 Uhr brachen überhaupt alle Dämme. 739.000 Zuseherinnen und Zuseher, in der Spitze waren es sogar mehr als 800.000, der Marktanteil betrug 30 Prozent. Und das an einem Sonntag bis kurz vor 23 Uhr. Das ist absoluter Quoten-Rekord, seit das ORF-Talkformat im April vor zehn Jahren gestartet wurde. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte für die ÖVP auf den Sesseln nicht Elisabeth Köstinger und Bernhard Görg, sondern Sebastian Kurz selbst Platz genommen. Unglaublich ist das. Zumal nach dem dreifachen Präsidentschaftswahlkampf eine Politik- und Wahlmüdigkeit in Österreich völlig unbestritten war. So schnell kann es gehen, und die Leute sind wieder on fire. Die nächsten Monate werden also vor allem eines: Großes Kino.

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Ihr Wort in Gottes Ohr

Ich hoffe, es ist dann auch ein wenig Qualitätskino dabei und kein Wahlkampf mit Jugendverbot. Oder reines Teleshopping (Kern und Kurz sind wirklich blendende Verkäufer. Strache verkauft in seinem letzten großen Wahlkampf sicher sein letztes Hemd und setzt dann Hofer als "akzeptablen" Vizekanzler ein. Für Grün und die NEOs startet die Verkaufssaison vielleicht zu früh. Für TS ist Schlussverkauf). Wie auch immer, meine Hoffnung ist, dass nicht alle Hemmungen fallen und sämtliche Grenzen der Auseinandersetzung unterschritten werden.
Alex 17.05.2017, 07:51
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14.05.23:31
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Zerschellt

Tagelang zeigte sich die SPD-Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen demonstrativ fröhlich, locker und zuversichtlich. Als hätte Hannelore Kraft (SPD) bereits geahnt, welches Debakel auf sie zukommen würde. Denn die SPD sackte bei der Wahl massiv ab, verlor knapp acht Prozentpunkte und klarerweise auch die Regierungsmehrheit, weil die Grünen ebenso einen Absturz erlebten. Die Folge: Kraft trat bereits kurz nach Bekanntwerden der ersten Prognosen als SPD-Landeschefin und als Bundes-Vizechefin zurück. Auch in Berlin herrschte blankes Entsetzen. SPD-Vize Stegner erklärte: "Der Boxer SPD hat einen Leberhaken bekommen, aber er steht noch." SPD-Chef und Kanzlerkandidat Martin Schulz sagte: "Eine wirklich krachende Niederlage". Und: "Das zeigt, dass wir nachdenken müssen, was wir in Berlin ändern müssen. Denn vor uns liegt jetzt die Kampagne für die Bundestagswahl." Durchhalteparolen. Denn klar ist. Nach der dritten schweren Niederlage hintereinander ist Schulz sehr, sehr weit entfernt von dem, wofür er vor kurzem inthronisiert wurde. Als Kampfansage gegen die Kanzlerin. Das wird sich nicht ausgehen. Völlig undenkbar. Denn einerseits hat er sich in rasender Gescwindigkeit den Verlierer-Nimbus eingehandelt andererseits beweisen die Deutschen seit Monaten ihr Vertrauen zu Angela Merkel. Ich finde das ja höchst bemerkenswert, weil es in Österreich noch immer bei fast allen Parteien Priorität hat, den Merkel-Kurs als Fehler zu bezeichnen und sich mit Nachdruck von der Willkommenskultur zu distanzieren. Als wäre das der entscheidende Faktor. Ich glaube, dass Angela Merkel deshalb mehr Zuspruch denn je erhält, weil sie für etwas steht, was in unserer politischen Landschaft längst verloren gegangen ist: Haltung. Man muss in so vielen Fragen nicht ihrer Meinung sein, aber ihre Kontinuität, Stabilität und Kraft ist enorm verlässlich. Daher wird sie sogar von ihren Gegnern stets als Fels in der Brandung in schwierigen Zeiten gesehen. Genau diese konsequente Überzeugung einer Angela Merkel lässt die SPD zerschellen und sollte auch Österreichs Populisten zu denken geben. Massiv zu denken.

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14.05.22:01
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Tag 134 - Kein Kurz-Fehler

Lassen wir jetzt einmal die politischen Inhalte völlig bei Seite. Das fällt ohnedies leicht, weil Sebastian Kurz in den vergangenen Tagn völlig darauf verzichtet hat, sich mit solchen zu beschäftigen. Zumindest in der Form, dass wir uns davon überzeugen hätten können, ob es in seiner potenziellen Obmann-Welt außer zahlreichen strukturellen und personellen Bedingungen auch programmatische Visionen geben könnte. Aber die Strategie seines Teams und die Fähigkeit zur Inszenierung war de facto exzellent. Das müssen auch alle jene zugeben, die mit dem Youngster absolut nichts am Hut haben oder haben wollen. Erst der Auftritt am Freitag, der die Notwendigkeit einer Neuwahl in den Raum stellt. Dann die sieben Forderungen an die Partei, die Kurz nicht hinter verschlossenen Türen formuliert, sondern am Samstag in aller Öffentlichkeit, um den Druck zu erhöhen und sein Image vom gnadenlosen Reformator und Erneuerer zu zementieren, bis hin zur totalen Demütigung der Partei, die er im Wahlkampf nur fragmentarisch im Namen führen wird. Und am Ende die Pressekonferenz nach der Vorstandssitzung, deren Ende zeitlich exakt so gelegt wurde, dass dem ORF gar nichts anderes übrig blieb, als Kurzens Erklärung über das einstimmige "Ja" zu seiner Chefrolle live in der ZiB vor mehr als einer Million Menschen zu übertragen. Und damit nicht genug, spielte er den Neuwahl-Ball auch geschickt an Kanzler Kern weiter, dem er nahelegte, man möge sich am Montag doch auf eine gemeinsame Erklärung einigen, gleichzeitig aber noch die wichtigsten Punkte der Regierungsarbeit bis Ende Juni abarbeiten. So kam er definitiv nicht als böser, destruktiver Bub über den Schirm, sondern als konsensueller, aber entschlossener Macher. Respekt. Diese Show wird Wirkung zeigen, ganz sicher. Wer Kurz im Herbst einen Wahlsieg zutraut, könnte jetzt verdammt richtig liegen. Der junge Mann hat bisher aus taktischer Sicht alles richtig gemacht und tatsächlich eine glaubwürdige Aufbruchstimmung inszeniert. Wenn Sebastian Kurz in den kommenden Monaten, während derer er sehr viel heftigen Gegenwind spüren wird, keine groben Fehler macht, wird er nur sehr schwer zu schlagen sein. Ob er Kanzler auch werden kann, ist aber eine ganz andere Frage. Dazu demnächst mehr. Ich glaube nämlich, dass er ziemlich sicher als König ohne Land enden wird.

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13.05.23:51
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Douze & zero points

Nach einem wunderbaren Paaradox-Abend im Rabenhof heimkommen und die Punktewertung des Song Contest anschauen. So ist das ideal, so mag ich das. Das Durchschalten durch Europa ("Hallo Kiew, thank You for this amazing show") habe ich immer schon gerne gehabt. Die Musik davor war meistens etwas störend. Leider ist allerdings von der einstigen Klarheit in der Bewertung nichts mehr geblieben. Vorbei mit den 1, 2, 3 ... 8, 10, 12 Punkte-Ansagen ("Pays-Bas ... douze points"), zu viele Länder, das würde Tage dauern. Statt dessen werden jetzt ewig die Jury-Wertungen durchgegeben, damit dann die Volksmeinungswertungen, die schon vorab zusammengerechnet werden, in wenigen Minuten alles obsolet machen. Das ist fad. Und nicht im geringsten spannend. Andererseits ist es ja am Ende irgendwie völlig blunz'n, wer gewinnt. Österreich fiel jedoch durch diese Art der Bewertung vom 11. auf den 16. Platz zurück. Und zwar deshalb, weil unser Starter als einziger von allen Teilnehmern von den Menschen Europas null Punkte bekommen hat. Was ich a) irgendwie gerecht finde und b) die Chancen erhöht, dass uns dieser schaurige Nummer jetzt nicht monatelang an allen Ecken und Ende in die Kopfe gespült wird. Portugal hat gewonnen. Erstmals. Und das freut mich sehr. Weniger, weil ich mich in den Chor jener einfüge, die so tun, als hätte die Welt niemals ein schöneres Stück Musik zu hören bekommen (ich finde den Song in seiner wohlklingenden Durchschnittlichkeit aber trotzem sehr in Ordnung). Sondern vor allem deshalb, weil ich ahnen kann, wie die Portugiesen sich freuen und feiern. Ich war so oft in diesem Land, und ich mag die menschen dort. Jetzt wurden sie ins Glück gesungen. Und uns bleibt die Vorfreude auf "Hello Lissabon, thank you for this amazing show".

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