Meinung
"Konzentriert"
Der Chefideologe der FPÖ ist jetzt Innenminister und bleibt sich als rechter Provokateur treu ... was sollen wir tun? Es ignorieren?
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Und dann sah sie mich an ... mit ganz anderen Augen
Meinung
Gier, Gewissen, Gerechtigkeit
Angelobt! Gedanken zu einer neuen Bundesregierung, Teil III

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14.01.23:19
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Tag 14 - Von Marcel bis Messi

Manchmal, eh nur manchmal, denke ich mir: Ach herrje, wie gerne würde ich an so manchem Samstag oder Sonntag von früh bis spät vor dem Fernseher sitzen. Einfach nichts tun, außer gelegentlich Essen und Trinken herbeischaffen und dann den ganzen Tag lang Sport schauen. Heute war fast genau so ein Tag. Ich habe lautstark verkündet, dass heute (leider,leider) ein ziemliches Pflichprogramm für Freaks wie mich statfindet, also möge sich die Familie in Nachsicht üben. Zu Mittag sah ich mir den spektakulären Slalom von wengen an. Und freute mich besonders, weil Marcel Hirscher nicht nur wieder einmal Bestzeit in beiden Durchgängen fuhr, sondern auch zum ersten Mal in Wengen gewinnen konnte. Es war sein fünfter Slalomsieg hintereinander und sein 53. Weltcuptriumph überhaupt. Nur mehr ein Sieg fehlt ihm jetzt auf den besten Österreicher aller Zeiten, auf Hermann Maier. Es ist einfach nur unpackbar, wei der Kerl Ski fährt. Weitere Hirscher-Huldigungen erspare ich mir jetzt, weil von denen gab es zuletzt eh genug auf dieser Seite. Ein wenig später (nach einem Waldspaziergang mit Mimi) sah ich mir dann den großen Schlager der Premier League an. Liverpool gegen Manchester City. Und es sollte ein phänomenal gutes Spiel werden. In dem Liverpool mit Traumtoren 4:1 in Führung ging und am Ende noch zittern musste, nicht den Ausgleich zu kassieren. 4:3 endete die Partie. Und es war die erste Saisonniederlage für City. Was bedeutet: da auch Paris St. Germain, Juventus und Bayern nicht mehr ohne weiße weste dastehen, gibt es in Europa nur mehr eine Mannschaft, die bis dato noch kein match verloren hat ... eh klar, Barcelona. Aber Messi & Co. mussten erst am Abend ran. Dazwischen sah ich mir noch Borussia Dormund an, diesmal gegen Wolfsburg, weil ich natürlich neugierig bin, wie es Peter Stögers Team ergeht. Es sollte aber leider ein wenig prickelndes 0:0 werden. Nun war ich bereit für das Barca-Spiel in San Sebastian. Eine besonders knifflige Sache, denn über diesem Stadion liegt ein Fluch. Hier, in Anoeta, hat Barcelona gegem Real Sociedad seit 2007 nicht mehr gewonnen. Und es ging auch furchtbar los. Nach einer halben Stunde lag Barcelona 0:2 zurück, und ich sah bereits das Manchester-Schicksal auf die Mannschaft zukommen. Aber dann: Das 1:2 noch vor der Pause, und dann ein Doppelschlag von Suarez, schon war das Spiel gedreht. Das grandiose Freistoßtor von Messi zum 4:2 war dann noch ein Digestif vom Feinsten. Es bleibt dabei: Dieses Team ist, auch dank des neuen Trainers, in dieser Saison wieder richtig on top. Und eine kleine Besonderheit darf ich auch noch vermerken. Der Vorsprung auf Real Madrid (das ein Spiel weniger hat) beträgt bereits 19 Punkte. Damit ist - Achtung, jetzt kommt's - Real einem Abstiegsplatz näher als dem Tabellenführer. Me gusta mucho. Und ja, es war ein guter Tag.

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13.01.17:42
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Tag 13 - "Unter Beschuss"

Ich muss ehrlich sagen: Ich war schon lange nicht mehr so entsetzt, versteinert und verstört wie beim Lesen dieses Textes. Der ARD-Journalist und Blogger Richard Gutjahr kämpft mittlerweile seit drei Jahren gegen Psychoterror im Netz. Er und seine Familie werden seit 18 Monaten "von Verschwörungstheoretikern, Reichsbürgern und Antisemiten im Netz attackiert, verleumdet und bedroht", schreibt Gutjahr in seinem ausführlichen und lesenswerten Blogbeitrag "Unter Beschuss". Dabei schildert er ganz genau die bedrohliche und zerstörerische Dynamik der sozialen Netzwerke, und in welcher irren Wucht er mit Hass und Niedertracht konfrontiert wurde und wird. Das besonders Alarmierende dabei: Die Ohnmacht, mit der er um die Unterstützung von US-Konzernen wie Facebook und Google rittert und die hoffnungslos absurden Interpretationen der internationalen Rechtssysteme. "An die 800 Verschwörungsvideos über meine Familie und mich kursieren allein auf Youtube" sagt er. Und er gibt Tipps, die alle Online-User gut wahrnehmen sollten. Mein Tip: Lesen, unbedingt lesen!

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12.01.20:02
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Tag 12 - Affigkeit bei H & M

Manchmal wäre ich echt gerne Mäuschen in jenen Sitzungen von Werbeagenturen, wo solche Ideen wie die jüngste von H & M geboren werden. Auch deshalb, weil ich gerne wissen würde, wie die bewusst produzierte öffentliche Aufregung antizipiert und argumentiert wird. Denn ich glaube im dritten Jahrtausend längst nicht mehr daran, dass die Wirkung bestimmter Slogans oder Botschaften unterschätzt wird. Faktum ist,  dass der schwedische Konzern aktuell einen weltweiten Skandal zu verantworten hat. Der bei näherer Betrachtung einige Fragen aufwirft. Konkret geht es um das Bild aus der Kinderkollektion von H & M, in dem ein kleiner schwarzer Bub einen grünen Pullover trägt mit der Aufschrift: "Coolest Monkey in the Jungle". Das muss ich nicht übersetzen, die Idee ist klar, und noch klarer ist, dass es deswegen zu einem Aufschrei kam. In der nahezu überall geführten Diskussion folgten jedoch auch ebenso rasch die Abers. Selbstverständlich ist, dass es die meisten Menschen völlig daneben finden, ein solches Sujet zu produzieren, weil es aus ihrer Sicht eine ganz klar rassistische Diffamierung schwarzer Menschen ist (umso erstaunlicher finde ich daher die Entscheidung von H & M, so einen globalen Shitstorm zu riskieren, der im schlimmsten Fall existenbedrohend werden kann). Jedenfalls haben - wie wohl nicht anders zu erwarten gewesen war - zahlreiche prominente schwarze Menschen schon dagegen protestiert, der speziell bei der Jugend extrem beliebte Popstar "The Weeknd" hat sogar seine Zusammenarbeit mit H & M beendet. Dem gegenüber stehen sehr viele Kritiker, die an dem Bild nichts Rassistisches entdecken wollen. MIt dem altbekannten Hinweis darauf, Rassismus würde immer nur durch den Rassismusvorwurf selbst entstehen. Das Hauptargument lautet: Die Eltern des Buben hätten schließlich ihre Zustimmung zu dem Fotoshooting geben, weshalb davon ausgegangen werden darf, dass sie sich nicht im geringsten beleidigt fühlen dürften. Der Schluss daraus: Es stünde demnach niemand anderem zu, ein Problem mit etwas zu haben, womit nicht einmal die Betroffenen selbst ein Problem haben. Es würde sich also quasi um eine Stellvertreter-Empörung handeln. Auszug aus dem Standardrepertoire: Was wäre denn, wenn ein Weißer den Pullover tragen würde? Als wäre das so einfach. Als wäre Rassismus nicht über Jahrhunderte gelebt worden, und als könnte er daher mit dem Wohlbefinden eines einzelnen (Buben) locker und lässig außer Kraft gesetzt werden. Aus meiner Sicht ist es daher völlig irrelevant, ob der Bub und seine Familie der Kampagne von H & M ihren Sanktus gegeben haben. Es spielt auch nicht die geringste Rolle, welche Intentionen das Unternehmen hatte. Denn ohne jeden Zweifel fühlen sich auf der ganzen Welt sehr viele Schwarze beleidigt, diffamiert und missbraucht. Und diese Empfänger bestimmen, ob hier eine Grenze überschritten worden ist. Und nicht alle anderen (Weißen), die in ihrem immerwährendem Hochmut aus der Distanz bewerten wollen, ob der Tatbestand des Rassismus vorliegt. Wann werden wir das endlich lernen, dass nicht unser Urteil gefragt ist, sondern ausschließlich das Empfinden jener, die Tag für Tag mit solchen Übergriffen leben müssen? In diesem Fall fühlen sich dunkelhäutigen Menschen durch die Dschungelworte und die daraus resultierenden Assoziationen herabgewürdigt. Punkt. Aus. Es gibt keinen einzigen Grund, ihnen das ausreden zu wollen. H & M muss daher auch keine Verteidiger für seine Affigkeit suchen. Sondern sich statt dessen schleunigst eine geniale Entschuldigungskampagne ausdenken.

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11.01.19:41
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Tag 11 - Kickl ... wieder einmal

Österreichs Innenminister will also Flüchtlinge "konzentriert an einem Ort halten". Herbert Kickl, der FPÖ-Extremist, hat sich erstmals in seiner Funktion als Regierungsmitglied aus der Deckung gewagt. Und wie. Euronews sendete dazu diesen Beitrag. Ich verlinke ihn hier, damit er als Dokument auf meiner Seite nicht verloren geht. Für einen ausführlichen Kommentar, für die Textwerdung meiner zornigen Fassungslosigkeit, muss ich mich allerdings erst sammeln. meine Gedanken dazu werden aber spätestens am Wochenende erscheinen.

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10.01.20:33
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Tag 10 - Smalltalk mit Schöffen

Viele lang gediente Beobachter haben genau das vom ersten Prozesstag an behauptet: Der Anwalt von Karl Heinz Grasser wird bemüht sein, mit allen rechtlichen Möglichkeiten für Unruhe zu sorgen und mit zahllosen Störfeuern geordnete Abläufe zu verhindern. Ja, es ist auch legitim, den Versuch zu unternehmen, Verfahrensfehler - von der Anklageschrift bis zur Sitzordnung - zu erkennen, aufzuzeigen oder gar zu provozieren. Je mehr Nebel entsteht, so lautet die Strategie, desto schwieriger wird am Ende der Durchblick sein. Auch die Idee, die Richterin wegen Befangenheit (ihr Mann hatte Tweets gegen KHG abgesetzt) zu diskreditieren, fiel wohl in diese Kategorie der Verteidigung. Und das Geständnis von Peter Hochegger, wonach der ehemalige Finanzminister anlässlich des Verkaufs der Buwog-Immobilien tatsächlich Geld bekommen und genommen hätte, machte es für Manfred Ainedter nicht leichter, von dieser Taktik abzurücken. Die Frage ist nur, warum? Wovor fürchtet sich der supersaubere Grasser, dass sich ein alter Gerichtsfuchs zu solchen Maßnahmen veranlasst sieht und damit geradezu zwangsläufig den Verdacht der Korruption verschärft. Denn wo nix ist, muss auch kein Brimborium veranstaltet werden, möchte man meinen. Aber so leicht ist das mit der Judikatur auch wieder nicht. Denn sogar im Falle völliger Unschuld kann man sich ja nicht darauf verlassen, dass die bei artigem Benehmen auch gesehen wird. Im Gegenteil. Grasser hat als Gejagter ganz sicher einen Startnachteil, das lässt sich bei aller Neutralität schwer bezweifeln. Allerlei Ablenkungsmanöver scheinen daher das Gebot der Verteidiger-Stunde zu sein. Und Ainedter lässt offensichtlich nichts aus. Heute zum Beispiel begann der Verhandlungstag mit einer scharfen Rüge der Richterin Marion Hohenecker für Grassers Verteidiger. Der nämlich soll versucht haben, mit den Schöffen zu sprechen. Ja, tatsächlich, und ich bin echt erstaunt, dass solche Vorstöße nicht viel schärfer sanktioniert werden. Der Anwalt habe allen Ernstes die Laienrichter angesprochen und ihnen zu verstehen gegeben, dass man über ihr Privatleben recherchiert habe, kritisierte die Richterin. Die beiden Schöffen und zwei Ersatzschöffen gaben laut Richterin zum gestrigen Verhandlungstag zu Protokoll, dass Ainedter sie in einer Pause angesprochen habe. Und obwohl sie ein Gespräch mit ihm ablehnten mit dem Verweis darauf, dass das nicht erlaubt sei, habe Ainedter weiter mit ihnen reden wollen und ihre familiäre Freizeitgestaltung und berufliche Vergangenheit erwähnt. "Herr Doktor, Sie wissen aus ihrer langjährigen Erfahrung, dass das nicht geht", sprach die Richterin. Und natürlich weiß der das. Er weiß aber eben auch, dass es für ein solches Vergehen nicht mehr als eben eine Rüge zu befürchten hat. In diesem Sinn antwortete Ainedter, es sei "nur Smalltalk" gewesen. Smalltalk mit jenen, die entscheidend in die Urteile zu einem der größten Korruptionsfälle der Zweiten Republik eingebunden sind? Das ist so unerträglich wie bezeichnend. Für Vertreter eines Systems, die auch am Randes des Abgrunds noch immer glauben, die Erde müsste sich vor ihrem Glanz wieder zutun? Umso erfreulicher ist es, dass die Schöffen nicht mit Verschüchterung reagierten, sondern mit Meldung. Mich würde ja wirklich interessieren, in welchem Ausmaß ein Selbstdarsteller wie Ainedter eine ganze Berufsgruppe in Misskredit bringt.

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09.01.16:40
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Tag 9 - Koreanischer Dialog

Es war echt ein Anblick, den man bestenfalls in einem schlechten Agentenfilm so erwarten würde. Aber diese Geschichte schreibt das Leben. Eine nordkoreanische und eine südkoreanische Delegation war nach Panmunjeom, einer demilitarisierten Zone zwischen den beiden Ländern, gereist, um versöhnliche Gespräche zu führen. Und da standen einander fünf Männer aus dem Norden und fünf Männer aus dem Süden gegenüber, nur ein Tisch trennte sie, schüttelten im Gleichtakt Hände, setzten sich wie auf Befehl und schauten, wie man eben schaut, wenn die Weltöffentlichkeit Zeuge ist. Zehn Mal die gleiche Miene, irgendwo zwischen grimmig und frohen Mutes. Es war wie eine Inszenierung, ein bisserl wie Kindertheater. So oder so brachten die Gespräche immerhin eine erste Annäherung zwischen den beiden verfeindeten Ländern (hilfreich war sicher, dass Trump nicht dabei war). Das Bemerkenswerte an diesem Dialog, dem offiziel ersten seit mehr als zwei Jahren. Es ist der Sport, der ihn möglich macht. denn Nordkorea würde tatsächlich gerne an den Olympischen Spielen in Pyeongchang im Februar teilnehmen und suchte deshalb die Offensive zum Nachbarn. Und siehe da, in einer gemeinsamen Drei-Punkte-Abschlusserklärung teilten die beiden Länder, sie wollten die "aktuellen militärischen Spannungen entschärfen". Auch sollten die hochrangigen Treffen fortgesetzt und der Austausch in verschiedenen Bereichen wiederbelebt werden. Wörtlich heißt es: "Süd- und Nordkorea respektieren frühere bilaterale Abkommen und einigten sich, alle Probleme in den Beziehungen durch Dialog und Verhandlungen zu lösen." Klingt zumindest auf diplomatischer Ebene durchaus nach einem Funken Hoffnung. Wegen des Konflikts um das nordkoreanische Atomprogramm waren bekanntlich alle wichtigen Kommunikationsverbindungen zwischen den beiden Ländern gekappt worden. Nun aber wurde vereinbart, dass Nordkorea eine Delegation entsenden wird, zu der der Athleten, Fans, Künstler, Zuschauer und Journalisten gehören sollen. Südkorea verpflichtete sich in der gemeinsamen Erklärung, die "nötigen Annehmlichkeiten und Einrichtungen" zur Verfügung zu stellen. Beide Länder könnten beispielsweise bei der Eröffnungs- und Schlussfeier der Winterspiele gemeinsam marschieren, schlug Südkoreas Vizevereinigungsminister Chun Hae Sung vor. Schon erstaunlich: Das, was nach einer der größten selbstverständlichkeiten klingt, ist in Wahrheit ein fundamentales und historisches Aufeinanderzugehen. Das Internationale Olympische Komitee teilte mit, man begrüße die direkten Gespräche zwischen beiden Nationen: "Diese Vorschläge sind für den olympischen Geist ein großer Schritt nach vorn", sagte IOC-Präsident Thomas Bach. Ich hoffe ja immer, dass solche Ereignisse positive Dynamisierungen haben. Denn auch in vielen anderen Teilen der Welt gäbe es eine Menge Feindschaften, die mit viel weniger Aufwand als man glauben möchte zu neutralisieren wären. Es ist - wie im koreanischen Fall - vor allem eine Frage des Willens.

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08.01.21:08
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Tag 8 - Fischer entdeckt den Mut

Ich weiß, dass ich mich mit der Einschätzung des ehemaligen Bundespräsidenten nie beliebt gemacht habe. Aber ich bleibe dabei: Für mich verkörperte Heinz Fischer genau jenen Typus des Konfliktvermeiders, den ich als aktiven Mahner in der Hofburg nicht sehen will. Ich stelle ja gerne die Frage: An welche drei herausragenden Interventionen Fischers können Sie sich erinnern? Nach zwölf Amtsjahren wohlgemerkt. Die Antworten sind meistens keine. Denn auffällig wurde er selten bis nie. Die einen meinen, das sei das beste, was man über einen Bundespräsidenten sagen könne. Die anderen (wie ich) meinen, genau dieses Schattendasein mit gelegentlichem Diplomatie-Aktionismus sei das beste Argument für eine Diskussion über die Sinnhaftigkeit dieses Repräsentativ-Jobs. Aber immerhin, Fischer hat u. a. bei Grissemann & Stermann mitgemacht, hat also Humor. Vielleicht reicht das, um zu einer Kultfigur zu werden. Mir jedenfalls nicht. Aber einerlei. Jetzt plötzlich, von den vermeintlichen Fesseln der Ausgewogenheit befreit, entdeckt Fischer das, was ich stets vermisst habe: Mut. In Kombination mit Meinung. Offensichtlich hat er genau daran Spaß, anders ist es kaum zu erklären, warum er permanent darauf verzichtet, endlich das Leben fern der politischen Bühne zu genießen und sich lieber von Medium zu Medium durchreichen lässt. Und so übt er nun als Hobby-Mahner scharfe Kritik an der neuen Bundesregierung. Die Installierung von Generalsekretären mit Weisungsrecht in den Ministerien bringe "Misstrauen gegenüber der Beamtenschaft zum Ausdruck und will hoch qualifizierte Mitarbeiter an die kurze Leine nehmen". Das könne er "nicht gutheißen", sagt er im Profil. Aha. Und weiter: Fischer verstehe auch die Sorge über den Zugriff, den die FPÖ nun auf Verfassungsschutzdaten, auf Nachrichtendienste, Melde-, Fremdenrecht-, Personenstands-und Polizeiregister habe. "Die FPÖ ist in der Vergangenheit mit dem Datenschutz nicht immer besonders sensibel umgegangen. Wenn sie über brisante geheime Daten verfügt, wurden solche in der politischen Auseinandersetzung auch verwendet." Ja, genau so ist es. Man erinnerte sich nur an den EKIS-Skandal. Auch zur Aussage des FPÖ-Rüpelrecken Johann Gudenus, man solle Flüchtlinge in Massenquartieren am Stadtrand unterbringen, um zu zeigen, dass es in Wien "doch nicht so gemütlich ist", äußerte sich der Alt-Präsident. Er empfindet eine solche Idee als "inhuman". Denn: "Wenn ein Politiker Menschen gegenüber argumentiert, als seien sie Menschen zweiter Klasse, dann müssen die Alarmglocken läuten". Das tun sie auch. Läuten. Sehr laut sogar. Allerdings nicht erst seit ein paar Wochen. Sondern schon seit sehr, sehr vielen Jahren. Nun könnte man meinen, ein Bundespräsident hätte alles das (Codewort politisches Alltagsgeschäft) nicht zu kommentieren. Zumindest hat es Fischer immer so praktiziert. Ich hingegen finde, es hätte gar nicht genug unüberhörbare Warnungen bedeutender Persönlichkeiten geben können. Jetzt ist es definitiv zu spät. Denn jetzt ist Heinz Fischer ein Privatmann wie Du und ich. Seine Einschätzung ist daher bestenfalls eine nette Show, aber kaum noch von Relevanz. Die betroffenen Staatsumbauer würden es wohl noch drastischer formulieren: Was HiFi denkt und sagt, kann uns wurscht sein, darf uns wurscht sein, wird uns wurscht sein. Und zwar völlig.

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07.01.20:18
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Tag 7 - Mannsbild, reloaded

Takt-Gefühle
(Woman-Kolumne, erschienen im Jänner 2014, Relevanzfaktor: zeitlos)

Es ist so weit. Die Zeitungen und Magazine sind voll mit den genauen Übersichten aller Bälle, die wir nicht versäumen dürfen. In den Klatschspalten wimmelt es vor Promis mit großen Orden, Promis mit tiefen Dekolletés und Promis mit aufgeregten Eröffnungskindern. Wir lesen Geschichten, wo die so genannten Top-Locations für rauschende Ball-Events sind, mit welchen Kleidern Frauen garantiert zu Königinnen der Nacht werden, und wo man des Morgens noch betrunken auf eine Käsekrainer hintaumeln kann. In der Fachsprache heißt das „Ballsaison“.
Und der Höhepunkt dieser Tradition ist der Opernball, dessen vorrangiger Zweck es zu sein scheint, Medien und Menschen mit der Frage zu beschäftigen, welche Damen in welchen Roben wunderbar aussahen. Oder, fast noch wichtiger: Welche nicht. Ehrlich: Ich saß einmal in einer großen Runde und war fassungslos über die Fähigkeiten zu minutenlangen emotionalen Eruptionen in Anbetracht eines No-Go-Fetzens in Loge 73.
Aber dazu will ich mich als Mann, der sich wegen eines nicht erfolgten Abseitspfiffs während einer ganz anderen Ballsaison in ein Zornbinkerl verwandeln kann, nicht näher äußern.
Ich wollte den Anlässen entsprechend nur mein Tanz-Trauma kolumnistisch bearbeiten. Das ist deshalb besonders schwierig, weil ich weiß, dass ich damit im Unterschied zu vielen anderen Themen nicht auf männliche Verweigerungssolidarität setzen kann. Heißt: Ich habe Freunde, die sich in Internetforen verlieren, um ein paar erotische Wiegeschritt-Geheimtricks für die Bronzeprüfung im Tanzclub „Letzter Tango“ zu recherchieren.
Die sogar beim alljährlichen Vollpfosten-Ball in Bad Bsuffendorf die Tanzfläche lediglich verlassen, um sich zwischenzeitlich an der Bar im Vier-Vierteln-Takt zu gefallen. Und die sich auch im Sommer nicht zu blöd sind, im Zuge ihres Cluburlaubs zu glauben, sie könnten mit einem lasziven Hüftschwung im Midlife-Crisis-Rhythmus Frauke aus Paderborn zu einer unvergesslichen Sandnummer unter Sternenhimmel animieren.
Das wäre auch nicht das geringste Problem, würden alle diese mehr oder weniger begnadeten Körper nicht versuchen wollen, mich permanent zu missionieren. Während Segelschiffmodellbastler oder Trockenfliegenfischer ihre Leidenschaft an mir vorbei leben, gehört es für den gemeinen Tanzbären offenbar zur Basisausstattung, immerzu tausend Argumente vorbringen zu müssen, warum ich unbedingt über ein Parkett schweben sollte. Und wehe, ich bringe zaghaft vor, dass ich mich als Wirbelwind, ob alleine oder in weiblicher Begleitung, nicht losgelöst, sondern lächerlich fühle - schon bin ich der fade Zipf. Ein Kopfmensch mit Angst vor Kontrollverlust (und daher automatisch auch im Bett ein Ritter von der traurigen Gestalt).
Einmal habe ich geschrieben, dass ich als Jugendlicher die Tanzschule schon nach drei Besuchen für immer verlassen habe. In der tiefen Überzeugung, dass Billard und Darts meine Persönlichkeit besser formen als Foxtrott und Cha Cha Cha. Ein anderes Mal habe ich geschrieben, dass ich lieber mit einem guten Glas Wein am Tisch eine lustige oder auch spannende Unterhaltung führe als mich zu „It's raining Men“ mit ekstatischen Verrenkungen zu profilieren. Und dann wiederum habe ich geschrieben, dass ich mir eher eine Stunde lang eine Doku über die Wurzeltypen von Nachtschattengewächsen ansehe als eine Minute „Dancing Stars“.
Und jedes Mal konnte ich darauf wetten, dass mir Goldkurs-Absolventen, Disco-Könige und Tanzschulbesitzer schriftlich versicherten, eine Nacht an ihrer Seite würde mein Leben verändern. Dabei gibt es natürlich zahlreiche Männer, die genauso denken wie ich. Dass nämlich der Begriff Walzerseligkeit ungefähr so viel Charme hat wie z. B. Warteschlangenglück. Aber von diesen leidenschaftlichen Nichttänzern trauen sich viele tatsächlich nicht, es ihren eigenen Frauen zu sagen. Statt dessen täuschen die Herren lieber gerne Knieschmerzen vor, wenn im Ballsaal „Damenwahl“ ertönt.
Aber: Auch das ist Taktgefühl … erlernt in der Distanzschule.
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Dankenswerterweise (für das Publikum und mich) muss ich auf der Bühne nicht tanzen. Wer mich trotzdem zu einem "Abend mit einem Mannsbild" besuchen will, im Februar geht's wieder los. Ich freue mich schon extrem darauf.
Die ersten Termine:
2. 2. Wien, Studio Akzent
4. 3. Wien, CasaNova
7. 3. Graz, Casino

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06.01.16:04
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Tag 6 - Einsparungen also

Allmählich finde ich es ja fast schon lustig, worüber wir alle derzeit in diesem Land diskutieren. Wäre es nicht so deprimierend. Aber man muss den schwarzblauen Selbstvermarktern eines zumindest lassen: Die Menschen mit Brimborium beschäftigen, das können sie (einmal abgesehen von der offenbar zur Meisterschaft ausgerufenen Dauerschleife vom harmonischen Miteinander und dem sofortigen gemeinsamen Anpacken). Man bedenke beispielsweise, wieviel hitzige Debatten es in den sozialen Netzwerken gibt wegen der Idee, das Tempolimit auf den Autobahnen auf 140 km/h anzuheben. Oder wegen jener, Radarboxen inaktiv werden zu lassen. Oder wegen jener, allenfalls berittene Polizei einzuführen. Kaum ein Tag vergeht, an dem die selbst ernannten Weltverbesserer Marke Hofer oder Kickl darauf verzichten, mit derlei bahnbrechenden Visionen vor das Volk treten. Wegen dieser vermeintlichen Innovationen mussten ÖVP und FPÖ unbedingt koalieren? Oder ist das eine Art Scheinpolitik, um einmal das erste Halbjahr mit den vielen Landtagswahlen einigermaßen ereignislos über die Bühne zu bekommen? Mir kommt das jedenfalls so vor, als würde ich ein Haus bauen und mich in erster Linie mit der Frage beschäftigen, welche Farbe der Duschvorhang haben soll. Aber so ist das eben, wenn man wie die blauen Stammtischrevoluzzer jahrelang nur simple Botschaften ins Land krakeelt, dann will man die Menschen natürlich nicht mit komplexen Sachverhalten (die man womöglich selbst nicht ausreichend begreift) überfordern. Lieber wird auf einer Klausur das große Sparprogramm präsentiert und somit den vielen Doofis, also uns, die Landumkrempelung verkauft. 14 Milliarden Euro wollte das Finanzgenie Kurz "konservativ gerechnet" einsparen. Bis dato hört sich das - abgesehen vom Segen der europäischen Hochkonjunktur - im Detail so an. Die geplante Indexierung der Familienbeihilfe für im Ausland lebende Kinder (die freilich vor allem Minderverdiener wie Pflegekräfte trifft) zur dringenden Wahrung der sozialen Gerechtigkeit bringt dem Staat - so sie EU-rechtlich überhaupt hält - insgesamt rund 115 Millionen Euro. Dass sie jenen Eltern, deren Kinder in der Schweiz, in Norwegen, Schweden, Dänemark oder Luxemburg leben, sogar eine Erhöhung der Sozialhilfe bringt, ist nur ein putziger Zynismus am Rande. 115 Millionen! Man setze das einmal in Relation zu einer 600-Millionen-Euro-Transaktionssteuer (die es bis heute nicht gibt). Aber dann aschreien sie schon: Die Reform der Sozialversicherungen! Die werden nämlich von 21 auf 5 reduziert. Wogegen kaum jemand etwas haben dürfte. Es ist nur so: Die Einsparungen dafür werden von kühnen Optimisten auf maximal 400 Millionen Euro festgemacht. Und auch die wild umstrittene Einführung der Hartz-IV-Regelung (wie immer sie dann auf österreichisch heißen wird), bewegt sich als Lukrierungspotenzial in einem Minimalbereich. Woher sollen also die vielen, vielen Milliarden kommen. Ganz einfach: Sie kommen gar nicht. Wetten? Bzw.: Na und? Machtübernahme war der Plan, kaum mehr, kaum weniger. Gewählt ist gewählt. Nur jene, die immer noch glauben, dass der Slogan "Es ist Zeit" tatsächlich jemals mehr gewesen ist als Bauernfängerei zur siegerichen Gestaltung einer Neuwahl, sollten sich in Anbetracht der völligen Leuchtturmarmut dieser Regierung zumindest gelegentlich die Frage stellen, was Kurz & Strache für dieses Land ernsthaft bewegen können. Und vor allem wollen. Ich bin sicher, es ist bei ehrlicher Betrachtung eine bittere Erkenntnis.

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05.01.23:14
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Tag 5 - Das Zurückrudern

Derzeit werden ja sämtlich neue Regierungsmitglieder quasi fließbandmäßig gestaffelt durch die Medien geschleift, damit wir uns alle davon überzeugen können, was sie alles (nicht) zu sagen haben. Wer beispielsweise Josef Moser, den neuen Justizminister, in der ZiB2 gesehen und anlässlich der Regierungsklausur vor allem gehört hat, was der Mann vor sich hin gefaselt hat, muss sich wirklich wundern. Mein Tweet dazu: "Schon sehr erstaunlich, wie jemand wie Josef Moser, der immer für seinen politischen Detail-Furor bekannt war, in kürzester Zeit das Reiten auf der Schwurbelwelle perfektioniert hat." Ganz anders hat sich da die frisch gekürte Sozialministerin präsentiert. Ihr Name: Beate Hartinger-Klein. Die nämlich schien zumindest bei ihrem Erstantritt im TV-Studio noch entschlossen und ... was noch viel bemerkenswerter ist ... überraschend selbstbestimmt. Wer hätte ihr schon den Mut zugetraut, als Gesundheitsministerin laut zu sagen, dass sie die Rücknahme des Rauchverbots nicht befürwortet hat, sich aber beugen musste. So viel Autonomieversuche liegen letztendlich aber nur an der fehlenden Erfahrung, denn es sollte sich ziemlich rasch herausstellen, dass so ein forsches Nein bzw. eine Ansage, die nicht auf siebzehn verschiedene Arten interpretiert werden kann, eher nicht das Zeug zum Koalitionsknüller hat. Es ergab sich jedenfalls im Gespräch mit der Moderatorin folgender Dialog anlässlich der Regierungspläne, ob länger währender Arbeitslosigkeit als Staat allenfalls auch auf persönliches Eigentum von Menschen in der Mindestsicherung zugreifen zu dürfen (was im Falle der Erbschaftssteuer von den selben Parteien gerne als Enteignung abgelehnt wird).
Lou Lorenz-Dittlbacher: "Es gibt kein Hartz-IV-Modell. Aber wann wird jemand damit rechnen müssen, dass er zum Beispiel sein Auto verkauft?"
Beate Hartinger-Klein: "Das wird es nicht geben."
Lou Lorenz-Dittlbacher: "Überhaupt nicht? Gar nicht?"
Beate Hartinger-Klein: "Das gibt es nicht. Nein."
Lou Lorenz-Dittlbacher: "Es wird ..."
Beate Hartinger-Klein: "Nein."
Lou Lorenz-Dittlbacher: "... keinen Zugriff auf Vermögen geben."
Beate Hartinger-Klein: "Nein."
Lou Lorenz-Dittlbacher: "Niemals."
Beate Hartinger-Klein: "Nein."
So schaut's also aus. So restriktiv argumentierte die zuständige Ministerin. Es ist nur so: Solche persönlichen Betrachtungen kann sie sich in Zukunft sparen. Oder sie muss sich vorher den Sanktus von Super-Sebastian und ihrem FPÖ-Rudelführer holen. Denn schon am nächsten Tag geschah das große Zurückrudern. Nach einer Zurechtweisung durch den Kanzler nahm Hartinger-Klein ihre Ansage, wonach Langzeitarbeitslose entgegen dem Regierungsprogramm nicht in die Mindestsicherung fallen würden, artig und brav wieder zurück. Wäre ja noch schöner, wenn plötzlich wo sozial drin ist, wo sozial drauf steht. Statt dessen sagte sie im Kurier: "Der Bundeskanzler hat natürlich recht". Natürlich. Und wir dürfen uns schon ein bisserl an die FPÖ-ExpertInnen aus Schwarz-Blau I und II erinnern. Denn die nächsten Kompetenz-Kasperliaden kommen bestimmt. Und es bleibt die Frage: Gage hin oder her - warum tun sich Menschen solche Ämter und solche Demütigungen immer wieder an?

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04.01.19:49
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Tag 4 - M & M in Siegerlaune

Gute Zeiten für einen Ski-Beobachter wie ich einer bin. Ich schaue ja fast grundsätzlich keine Abfahrten oder Super G's mehr an - wegen akuter Ödheitsgefahr. Aber ich sehe gerne die zweiten Durchgänge von Riesentorläufen und Slaloms. Das allerdings nur, wenn ich die Gewissheit habe, dass Mikaela Shiffrin oder Marcel Hirscher eine große Chance auf den Sieg haben (was meistens der Fall ist). Denn diese beiden entsprechen genau jenem Typus von Skiathleten, die ich aufgrund ihrer überragenden - technischen, intuitiven und mentalen - Fähigkeiten extrem schätze. Und denen ich jeden erdenklichen Rekordbruch von Herzen gönne. Ich weiß, ich habe das schon gelegentlich an dieser Stelle dokumentiert, aber ich mag nun einmal das Außergewöhnliche. Und so freue ich mich berichten zu können, dass in Zagreb gestern Frau Shiffrin nicht nur einfach gewonnen hat. Oh nein, die Amerikanerin hat wieder einmal eine höchst gepflegte Konkurrentinnen-Zertrümmerung vorgenommen - Vorsprung 1,59 Sekunden. Sagenhaft, was sie auch unter schwierigsten Bedingungen leisten kann. Im ersten Lauf war es Wind, der den Läuferinnen zu schaffen machte, im zweiten Lauf kamen Regen und Schneefall dazu. Unfair war es jedoch nie. Und so fasste es Shiffrin zusammen: "Es war schon sehr wellig, daher war es schwierig. Aber es war gut genug, um schnell zu sein." Solche Analysen mag ich. Für die beste Skifahrerin der Gegenwart, 22 Jahre alt (!), war es der 38. Weltcupsieg, und der 28. im Slalom. Nach 16 Rennen in dieser Saison führt Shiffrin mit 1.081 Punkten vor der Deutschen Viktoria Rebensburg, die nicht einmal halb so viele Punkte hat (510). Shiffrin dazu: "Ich muss sagen, ich bin in einer ziemlich guten Form momentan." Yes, so kann man das formulieren, wenn man in den vergangenen 24 Weltcup-Slaloms 23 Mal auf dem Podest stand und 19 Mal gewann. Für Shiffrin war es der dritte Sieg in Zagbreb. Für Marcel Hirscher war es bereits der vierte ebendort. Und der 50 insgesamt in seiner Karriere. Womit er mit dem großen Alberto Tomba gleichgezogen hat und Österreichs Nummer 1, Hermann Maier (54 Siege), im Visier hat. Besonders imponierend war diesmal vor allem, wie Hirscher nach einem echten Fehlstart in den zweiten Durchgang ruhig blieb und während der Fahrt den Angriffsturbo zündete. Er selbst nannte seine Fahrt im oberen Teil später "not the yellow from the egg" und bewies im Interview auch sonst, warum er so viel mehr als so viele andere das Zeug zum Champion hat. Charisma heißt das Zauberwort. Hirscher ist eloquent, schlagfertig und vor allem fair. In der vergangenen Saison verlor er viele Rennen ganz knapp, heuer hat sich das zu seinen Gunsten gedreht. Und genau auf diesen Faktor Glück verweist er im Augenblick des Triumphs immer wieder mit Nachdruck. So kann es aus meiner Sicht mit M & M (Mikaela & Marcel) weitergehen. Bis zu den Olympischen Spielen. Wo ein sportliches Lebensprinzip von mir Gültigkeit hat: Ich brauche keine Überraschungen. Ich fordere immer (gerechtes) Gold für die Besten.

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03.01.18:39
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Tag 3 - Atomwaffenknopfbullshit

Ich schwöre, so war es. Vor zwei Tagen offenbarte der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un, dass er sein Land für einen Atomkrieg gegen die USA gewappnet sehen würde (als könnte er noch mächtiger werden durch das dumpfe Wiederholen dieser Message, die Nordkorea als Kriegsgroßmacht ausweist). Jedenfalls verfeinerte er seine Drohgebärde diesmal durch ein wesentliches Detail. Kim Jong Un brüstete sich in seiner Neujahrsansprache nämlich wie ein politischer Potenzhobel damit, dass der "Atomwaffen-Knopf" immer auf seinem Schreibtisch sei. Und die USA sollten wissen, dass ihr gesamtes Territorium in Reichweite nordkoreanischer Atomwaffen sei. Zitat des Führers: "Das ist Realität, keine bloße Drohung". Daraufhin sprach ich in einer Freundesrunde meiner Erinnerung nach einen Satz, der etwa so lautete: "Jetzt fehlt nur noch, dass unser Herr Donald behauptet, er hätte nicht einen, sondern ganz viele Knöpfe auf seinem Schreibtisch." Dass es der Präsident der Vereinigten Staaten (das muss man zur Veranschaulichung dieses absurden Theaters als Faktum immer wieder hinschreiben) allerdings noch blöd-banaler kann, daran hätte ich echt nicht gedacht. Obwohl ich daran denken hätte müssen. Denn Trump reagierte tatsächlich auf den Unsinn des Diktators. Und er tat es wieder einmal via Twitter (wo ihm jetzt 280 Zeichen zur völligen Verdolmung der globalen Politik zur Verfügung stehen) und formulierte: "North Korean Leader Kim Jong Un just stated that the Nuclear Button is on his desk all times. Will someone from his depleted and food starved regime please inform him that I too have an Nuclear Button & more powerful than his, and my button works!" Diesen Bullshit muss man sich auf der Zunge zergehen lassen (was für ein gelungenes Wortbild, oder?). Der US-Präsident richtet Kim Jong Un allen Ernstes vor den Augen der Weltöffentlichkeit aus, dass er den größeren hat. Trump ist sich also für einen Atomwaffen-Button-Schwanzvergleich tatsächlich nicht zu blöd. Hey, ich habe eigentlich nur einen Witz gemacht. Aber der Typ meint das wirklich ernst. Trump ist auch nach einem Jahr im Amt noch immer ein Kleinkind, das im Körper eines Erwachsenen steckt. Auf Twitter habe ich dazu gelesen: "Der einzige Unterschied zwischen Trump und Kim Jong Un ist, dass sich die Amerikaner ihren Clown auch noch selbst gewählt haben." Ein erster Trend lässt sich bereits ausmachen: 2018 wird vermutlich noch jenseitiger als 2017.

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02.01.16:42
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Tag 2 - Der Regierungssprecher

Es ist einige Jahre her, aber die Erinnerung an die enorme Hilfsbereitschaft und Unterstützung ist noch sehr präsent. Ich musste für einige Tage nach Liverpool, und bei der Einreise wurde ich aus dem Pulk der Flugpassagiere herausgefischt, und zwar aus einem besonders blöden Grund: Mein Pass war abgelaufen. Da sind die Briten sehr streng, und so durfte ich zwar nach einigen Verhandlungen für meine Termine ins Land, musste aber in kürzester Zeit (und idealerweise ohne Reise nach London) ein gültiges Dokument zur Sicherung meiner Identität organisieren. Eine äußerst diffizile Herausforderung, zumal auch noch ein Wochenende dazwischen lag. Es gab jedoch einen Mann, den ich über mehrere Ecken ans Telefon bekam, und dessen diplomatisches Engagement mich damals sehr beeindruckt hat. Voller Einsatz für österreichische Staatsbürger, so lautete damals die Devise des Außenamts. Und so gelangte ich (ohne Unsummen zu investieren in ein express zugesandtes Pass-Provisorium) an eine gültige Ausreiseerlaubnis. Mein Retter damals hieß Peter Launsky-Tieffenthal. Der in jeder Sekunde, als ich mit meinen Nerven am Ende war, die Ruhe behielt und mir in aller diplomatischen Gelassenheit offenbarte: Es gibt immer eine Lösung. Und dennoch war ich in höchstem Maße verblüfft, dass sich ausgerechnet er zum neuen Regierungssprecher machen ließ. Nicht deshalb, weil ich eine solche Funktion als umsichtiges Bindeglied zwischen Regierung und Medien grundsätzlich verwerflich finden könnte. Sondern deshalb, weil ich ahne, was der Gedanke jener, die zum eigenen Vorteil ein solches Amt erschufen, im Sinn haben. Wer die Persönlichkeiten Kurz & Strache lange genug studiert hat, wird am Ende sicher sein, dass hier nicht das deutsche Vorbild zur Verbesserung und Fokussierung einer Kommunikation die Zukunft sein wird. Sondern eher die Weigerung und Verweigerung, die eigene Politik im Kreuzfeuer der Kritik argumentieren zu wollen. Das soll jetzt Launsky-Tieffenthal erledigen. Er kann nämlich mit seiner ganzen Erfahrung eloquent und verbindlich die Ideen der Staatserneuerer erklären und verkaufen. Ohne fachlich in die Tiefe gehen zu müssen ... denn ausgedacht haben sich die Konzepte ja ganz andere Leute (welche dann ausgesuchten Medien ihre Pläne mehr oder weniger unwidersprochen präsentieren werden). Darauf dürfen wir wetten. Einen ersten Vorgeschmack bekamen wir schon beim ersten Besuch von Launsky-Tieffenthal in der ZiB2 vor Weihnachten, als er die erste Blendgranate des neuen Kanzlers öffentlich entschärfen und daran zwangsläufig wegen inhaltlicher Schmähtandlerei scheitern musste. Ich twitterte damals: "Bereits am zweiten Arbeitstag muss Launsky-Tieffenthal erstmals Ungereimtheiten seiner Chefs diplomatisch verschwurbeln. Ob er sich des ganzen Ausmaßes seines Jobs bewusst ist? Ich bin echt gespannt, wie lange er sich dieses Schönfärber-Amt antut." Und wie zur Bestätigung geschah gestern dieses: Am ersten Tag des Jahres wurde bekannt, dass Schwarz-Blau den gerade erst aktivierten Beschäftigungsbonus ebenso kübelt wie die Aktion 20.000 für Arbeitslose. Darüber gäbe es freilich viel zu diskutieren (weshalb die Maßnahme sicherheitshalber an einem Tag publik wurde, als das Volk im Neujahrsmodus herumlungerte), und was verlautbarte der neue Regierungssprecher zu diesem Thema? Nichts. Null. Kein Wort. Er schrieb am selben Tag lieber folgendes: "Das weltberühmte Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker wird weltweit in über 90 Ländern ausgestrahlt und von über 50 Millionen Zuschauern verfolgt. Heute dirigiert der italienische Dirigent Riccardo Muti zum fünften Mal das Konzert." Nun, da könnte man schon sagen: Jo eh. Und allenfalls dem wesentlichen Anlass entsprechend die Frage stellen, welche Position genau Launsky-Tieffenthal jetzt bekleidet. Botschafter für PR-Banalitäten? Ich fürchte, so wird es kommen, und das wird - willkommen im Kosmetik-Studio - noch ziemlich gruselig. Auch für ihn. Sehr schade.

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01.01.15:00
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Tag 1 - Menschlichkeit

Mir bot die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester 2017 vermutlich eine der intensivsten emotionalen Achterbahnfahrten meines Lebens. Die Geschichte dazu werde ich in Kürze an dieser Stelle schreiben. Hier und heute will ich jedoch lediglich einen positiven ersten Gedanken des Jahres 2018 formulieren. Und so schrieb ich vor kurzem auf Facebook:
Wir könnten mit neujahrspolemischem Scharfsinn natürlich darüber nachdenken, warum in den Konzert-Werbefilmen des 1. Jänner mit tradionellem Selbstverständnis vor allem österreichische Flüsse, österreichische Berge und österreichische Gebäude zu sehen sind ... aber kaum jemals österreichische Menschen. Freilich abgesehen von ein paar MusikerInnen und TänzerInnen. Sowie sehr vielen RadetzkymarschmitklatscherInnen, die uns mit erstaunlicher Verlässlichkeit beweisen, in welchem tragikomischen Ausmaß im Land der Walzerseligkeit Taktgefühl überschätzt wird. Wir könnten aber auch ganz entspannt und frohen Mutes eine große Portion Sauerkraut essen, entschlossen lächeln und einander zurufen: "Neues Jahr, neue Chance. Wir haben mit dem Blick auf die Menschlichkeit richtig viel zu tun. Weil, ganz ehrlich, da ist Luft nach oben." Auch in diesem Sinne: Ich wünsche uns allen von ganzem Herzen ein 2018 des Gelingens.

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Home again

Schön, dass Sie wieder da (also "hier") sind.
Alex 01.01.2018, 20:09
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15.12.15:12
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Tag 350 - Geburtstag und Nachdenkpause

Der Tag war extrem. Meine Gedanken auf Facebook: "WTF, was für ein Geburtstag (danke für die unfassbar vielen Glückwünsche)! Dieser 15. Dezember 2017 könnte echt in die österreichische Geschichte eingehen, wenn auch nicht unbedingt wegen mir. Ausgerechnet an dem Tag, an dem die schwarzblauen Staatserneuerer sich und ihr Gruselkabinett präsentieren wollen, plant der Angeklagte Peter Hochegger im Buwog-Prozess ein Teil-Geständnis. Mit der Aussage, dass Walter Meischberger einst sehr wohl 2,4 Millionen Euro an Karl-Heinz Grasser weitergegeben hat. Womit er den supersauberen Minister aus der schwarzblauen Ära der Jahrtausendwende entscheidend belastet und mit der Aussicht auf Strafmilderung offensichtlich ein gigantisches Lügengebäude zum Einsturz bringt. Was bedeutet: Der Skandal beginnt gerade erst. Hier und heute. Das nennt man wohl eine Punktlandung."

Paukenschläge, wohin wir in diesem Land hören. Ich werde daher jetzt über das Wochenende in gedankliche Klausur gehen. Denn derzeit weiß ich in Anbetracht der Entwicklungen kaum, wohin mit meiner Verachtung. Und am Montag, am Tag der Angelobung dieser neuen Regierung, werde ich mir nach einer angemessenen Zeit der Zurückhaltung, so besonnen wie möglich an dieser Stelle endlich Luft machen. Nur so viel: Alarmismus ist sehr wohl angebracht.  

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