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Wenn sich Wehmut breit macht, und der Anfang vom Ende des Sommers uns etwas flüstert

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20.10.21:58
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Tag 293 - Willkommen Gustav!

Es war der 8. Mai, und war einer der traurigsten Tage meiner Erinnerung. Damals mussten wir zu unserer geliebten Mimi, dieser wunderbaren andalusischen Straßenhündin, die uns zwölf Jahre so liebevoll begleitet hat, Adieu sagen. Es dauerte lange, ehe wir als Familie über diesen schmerzhaften Verlust hinweg waren. Und wir überlegten oft, ob wir uns wieder einen Hund nehmen sollten. Und wenn ja, wann wohl der richtige Zeitpunkt dafür wäre. Aber vor allem meine Tochter, die nahezu ihr ganzes Leben an der Seite eines Hundes verbracht hatte, wünschte sich im Sommer mehr und mehr, dass es höchst an der Zeit für diese spezielle Energie im gemeinsamen Domizil sei, Jetzt ist es tatsächlich so weit. Wir waren bereit, wir haben gesucht, wir haben gefunden. Auch diesmal schenken wir unser Herz einem Welpen, der auf der Straße wohl nur geringe Überlebenschancen gehabt hätte. Aber dankenswerterweise gibt es so viele Menschen, die sich voller Leidenschaft für die scheinbar verlorenen Seelen einsetzen, und deshalb zieht heute ein schwarzer Mischling aus Bulgarien bei uns ein. Ein frecher Lauser, ein hinreißender Charmeur, ein Verzauberer namens Gustav. Ich bin heute den ganzen Tag über dienstlich in Tirol, werde aber seit Stunden mit Fotos und Videos versorgt. Und morgen Abend werde ich dann auch Teil einer neuen Ära werden. Die Freude ist riesig. Hurra, wir haben wieder einen Hund!

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19.10.20:49
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Tag 292 - Muslimin mit Rolex

Dass die Dynamik in den sozialen Netzwerken nur in den seltensten Fällen freudvolle Ergebnisse nach sich zieht, wissen wir. Die aktuelle Debatte um die Uhr einer Staatssekretärin ist aber an Jenseitigkeit nur schwer zu übertreffen. Die deutsche SPD-Politikerin Sawsan Chebli posierte unlängst für ein Foto, und dabei wurde auch ihre Armbanduhr sichtbar. Zugegeben, in Zeiten der gnadenlosen Polarisierung war diese Symbolik einer Sozialdemokratin vielleicht nicht die beste Idee (wir kennen das Thema schon von Christian Kern), aber was daraus folgte, ist dennoch so dermaßen entrückt, dass man Angst kriegen könnte. Denn ein User auf Twitter stellte das Foto ins Netz und ergänzte es um ein Sujet von Rolex, mit einem Pfeil, der den Preis des Modells sichtbar machte: 7.300 Euro. Und dazu schrieb er: „Alles, was man zum Zustand der deutschen Sozialdemokratie 2018 wissen muss.“ Daraufhin entbrannte eine Diskussion, die vor allem eines ist: beschämend. Denn der Shitstorm, der sich über der Politikerin ausbreitete, hatte klarerweise nur einen Inhalt: Sich angeblich für die Armen der Gesellschaft engagieren und gleichzeitig eine sündhaft teure Uhr tragen, was für ein grässlicher Widerspruch ist das bitteschön? Ein Zorn, den ich nie verstanden habe. Denn warum jemand, der sich politisch für sozial schwache Menschen einsetzt, das idealerweise in Sack und Asche tun müsste, um seine Glaubwürdigkeit zu dokumentieren, hat sich mir nie entschlossen. Warum sollte das Äußere das Innere ad absurdum führen müssen? Und jetzt einmal abgesehen davon, dass es dankenswerterweise jedem Menschen frei steht, wie er sein verdientes Geld anlegt (und nein, diese Uhr haben nicht die Steuerzahler finanziert, was für ein perfides Argument), so wird selbstverständlich auch in dieser Causa genau unterschieden. Denn es ist freilich die Tatsache, dass Sawsan Chebli eine Sozialdemokratin mit Migrationshintergrund ist, welche die üblichen Verdächtigen zur Hetze und bewusst unreflektierten Verurteilungen einlädt. Auch in Österreich ist diese Hasspropaganda längst angekommen. Allerdings habe ich noch niemals einen wütenden Mob wahrgenommen, weil H. C. Strache eine elegante Uhr trägt. Oder weil Norbert Hofer sogar ein eigenes Flugzeug besitzt. Und gerade die FPÖ-Empathen verkaufen sich doch auch mit Vorliebe als völkische Vertreter. Nein, natürlich ist die Motivlage ganz anders. Da nützt es auch nichts, darauf hinzuweisen, dass der bestinszenierte Bonzenhasser Jörg Haider Zeit seines Lebens leidenschaftlich gerne in Designeranzügen im Porsche saß, um dann bei öffentlichen Reden die rotschwarze Abgehobenheit anzuprangern. Aber der war eben weder eine Frau, noch eine Ausländerin, und schon gar keine Muslimin. Um den Tweet umzuformulieren: „Alles, was man zum Zustand der deutsch-österreichischen Vorurteilsgesellschaft 2018 wissen muss.“ Klarerweise ließ die Replik von Chebli, die in bescheiden Verhältnissen aufgewachsen ist, nicht lange auf sich warten. Und so schrieb sie via Twitter: „Wer von Euch Hatern hat mit 12 Geschwistern in 2 Zimmern gewohnt, auf dem Boden geschlafen und gegessen, am Wochenende Holz gehackt, weil Kohle zu teuer war? Wer musste Monate für Holzbuntstifte warten? Mir sagt keiner, was Armut ist.“ Offensichtlich doch. So twitterte der Online-Chef der Kronen Zeitung mit erstaunlich beharrlicher Polemik vor sich hin und macht gegen die Rolex-Trägerin Stimmung. Um dann im Dialog zu orakeln: „Zu Thema Glaubwürdigkeit, warten wir doch einfach die nächsten Wahlen ab. (Die Bevölkerung da draussen ist wesentlich sensibler bei diesem Thema, Angeber kommen einfach nicht gut an).“ Das Originelle dabei: Der simple Boulevard-Geist beschwört genau jene Sensibilität, die in Wahrheit erst durch das permanente Kultivieren des Neids und das schlagzeilenkräftige Schüren von Ressentiments, wie es sein Blatt genüsslich zelebriert, in ihrer ganzen Wucht entsteht. Die aber nur dann breitenwirksam aufgekocht wird, wenn sie in die eigene Agenda passt. Das ist die Heuchelei, die ich meine. Und die Rolex von Sawsan Chebli ist ein perfekt arrangiertes Sinnbild für moderne Spaltungslust.

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18.10.12:44
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Tag 291 - Rauchfreies Ungarn?

Es ist schon bemerkenswert, was in den Köpfen angeblich verantwortungsvoller Politiker vor sich geht. Mitunter erschließt sich jedoch erst auf den zweiten Blick die befremdende Anmutung. Denn die schlichte Meldung „Ungarn soll das erste rauchfreie Land der Welt werden“ klingt doch ziemlich vielversprechend. Zumindest garantiert die Schlagzeile, dass man etwas genauer liest, was da geschrieben steht. Tatsache ist: János Lázár, der Beauftragte für Nichtraucherschutz im Büro von Ministerpräsident Viktor Orbán, hat einen Plan geäußert. Allerdings verbirgt sich hinter der Ankündigung eher eine Vision, die nicht nur ideologisch, sondern wohl auch rechtmäßig nicht bis zu Ende gedacht scheint. Lázár will nämlich erreichen, dass Bürger, die nach dem 1. Jänner 2020 in Ungarn geboren werden, keine Tabakerzeugnisse kaufen dürfen, auch dann nicht, wenn sie das 18. Lebensjahr erreicht haben, berichtet die regierungsnahe Zeitung Magyar Idök. Was schon einmal aufgrund der zeitlichen Festlegung zum Nachdenken anregt. Denn wenn dem guten Mann diese Radikalität so erstrebenswert scheint, warum will er sie dann erst ab dem Geburtsjahr 2020 umgesetzt sehen. Konsequent wäre es doch, den Jahrgang 2001 oder (wegen der Vorlaufzeit bis zur Gesetzwerdung) zumindest 2002 heranzuziehen. Denn alle jene, die in diesem Jahr geboren wurden, werden 2019 bzw. 2020 achtzehn Jahre alt, womit sie quasi berechtigt wären, Zigaretten zu rauchen. Die sie dann nicht mehr kaufen dürfen. Und jetzt einmal abgesehen von der Sinnhaftigkeit von Prohibition (die hatte ja einst in den USA schon durchschlagende Erfolge) stellen wir uns nun die Realität im Jahr 2040 vor (denn laut Lázár bezieht sich die Ankündigung ja eben nicht auf Menschen, die vor 2020 geboren wurden. Hieße, dass dereinst ein 22-Jähriger lässig rauchend durch die Stadt spazieren könnte, während seinem 20-jährigen Freund gleiches Tun untersagt wäre. Ich sage es einmal so, ganz vorsichtig: Dem Gleichheitsprinzip entspricht das eher nicht. Aber noch ist es ja nicht so weit, und es wird wohl noch viel Donauwasser durch Budapest fließen, ehe es zur Umsetzung kommt. Die Regierung werde laut Medien erst dann reagieren, wenn Lázár seine konkreten Empfehlungen eingereicht habe. Zum Erreichen des Ziels eines absoluten Rauchverbots soll allerdings im Bedarfsfall sogar die Verfassung geändert werden. Der Beauftragte wolle außerdem ein Rauchverbot in Kraftfahrzeugen durchsetzen und eine Verschärfung des Tabaktrafikgesetzes und damit eine massive Verringerung der vergebenen Lizenzen erreichen. Angestrebt werde auch ein staatliches Entwöhnungsprogramm für die derzeit zweieinhalb Millionen ungarischen Raucher. Lázár fordere auch landesweite Lungenuntersuchungen, bei deren Nichteinhaltung Arbeitnehmern höhere Versicherungsbeiträge drohen. Der Grund für das rigide Vorgehen: In Ungarn gehen laut Eurostat 27 Prozent aller tödlichen Krebserkrankungen auf Lungenkrebs zurück. Das sei der höchste Wert in der EU. Und wie auch immer man der fast gruseligen Entschlossenheit gegenübersteht, eine Frage stellt sich dann schon: Wie wird die FPÖ diese mögliche Radikalkur für das ungarische Volk bewerten? Wenn ausgerechnet das große politische Idol Viktor Orbán gegen das Rauchen mobil macht. Das uns die freiheitlichen Großdenker seit Jahren als schützenswertes Kulturgut verkaufen, weshalb sie sogar ein Volksbegehren mit fast 900.000 Unterstützungen schulterzuckend zu den Akten legten. Wird es dann heißen: Österreich darf nicht Ungarn werden. Es ist ein blaues Dilemma, keine Frage. Aber wer sich noch an Norbert Hofers dummdreiste Rechtfertigung für die plötzliche Ablehnung einer Volksabstimmung zu CETA erinnert, der darf sich sicher sein, dass den Ausheckern der FPÖ auch in diesem Fall ein kümmerlicher Spagat gelingen wird.

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17.10.18:37
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Tag 290 - Wo bleibt Rendi-Wagner?!?!

Der Linzer Bürgermeister Klaus Luger sagte in einem Interview mit dem Standard auf die Frage nach den plötzlich wieder abgesagten Statutenreformplänen in der SPÖ: „Ich bin sogar froh darüber. Mit Verlaub, das geplante Reformpapier ist bestenfalls oberflächlich. Im Parteiprogramm stehen doch keine konkreten Inhalte drinnen. Die Reformvorschläge sind aus meiner Sicht unausgegoren, manche Idee ist an der Grenze zur Idiotie.“ Der letzte Halbsatz gefällt mir. Allerdings weniger wegen des konkreten Anlasses, sondern vielmehr weil er ein Indiz ist für den Zustand der Partei, wo so viele Kräfte in so viele verschiedene Richtungen ziehen, dass einem Beobachter ganz schwindlig wird. Kaum ein Tag vergeht ohne Schreckensmeldung zum Thema Sozialdemokratie. Das mag hart klingen, aber die öffentliche Wahrnehmung der SPÖ ist so dermaßen aus dem Blickfeld der Zuversicht gerückt, dass jedem überzeugten Regierungskritiker übel und bange werden muss. Es ist ja nicht zwingend so, dass man eine große Begeisterung für die SPÖ und ihren von Machtkämpfen gelähmten Apparat entwickeln müsste. Ganz im Gegenteil: Wer das unerträgliche Gegockel von selbst ernannten Provinzkaisern Marke Ludwig und Doskozil, die sich noch nie in ihrem Leben als Spitzenkandidat einer Wahl stellen mussten, betrachtet, muss sich normalerweise mit Grausen abwenden. Wer um Himmels Willen sollte diese roten Realitätsverweigerer allen Ernstes wählen wollen? Aber genau das ist ja das Drama. Denn ein starkes Wien war stets ein politisches Bollwerk gegen den Überhang des rechtskonservativen Lagers. Einen Sturz der Hauptstadt zu befeuern, wäre daher höchst fragwürdig. Im gleichen Maße bräuchte einer wie Michael Ludwig jedoch ganz dringend eine knallende Ohrfeige der Wiener Wählerschaft, um endlich aus dem Schlaf der Selbstgerechten zu erwachen. Eine klassische Lose-Lose-Situation für Freunde des Widerstands. Faktum ist, dass Beate Meinl-Reisinger mit zunehmendem Profil derzeit die einzige ernsthafte Opposition darstellt. Sie geht seit Wochen in die spitzfindige Offensive und tut als Neos-Chefin das, was man mindestens so sehr von der SPÖ-Chefin erwarten würde. Aber die ist … auf Tauchstation. Und das ist völlig unbegreiflich. Klar, einige Zeit internen Weichenstellung muss man der neuen Nummer 1 schon gewähren. Aber so viele Gelegenheiten, die Pamela Rendi-Wagner seit Wochen auslässt, um sich als kantige und doch konstruktive Kraft zu profilieren, sind längst zum Mirakel gereift. Die Menschen fragen: Traut sie sich nicht? Versteckt sie sich? Lässt man sie nicht? Und je länger sie darüber spekulieren, desto mehr sinkt die Zustimmung in den Umfragen. Aber mittlerweile wissen wir nach zahllosen Background-Gesprächen: Das ist die neue Strategie in der SPÖ. Kein Schmäh, die Denker in der Partei gehen davon aus, dass Rendi-Wagners Sympathiewerte hoch gehalten werden können durch Abwesenheit und Schweigen. Motto: Wer nix spricht, spricht auch nix Falsches. Mit dem Argument, dass auch ein Sebastian Kurz mit diesem Prinzip gut fahren würde. Als gäbe es keinen Unterschied zwischen einem amtierenden Kanzler (der in seiner Zeit als Staatssekretär und Minister alles, nur nicht leise, war) und einer Oppositionsführerin. Die muss präsent sein, laut sein, ein Stachel sein. Die muss eine Botschaft konstruieren, verbreiten und so oft es geht wiederholen. Die muss sichtbar sein, spürbar sein, die Nähe des Volkes suchen. Und nicht in einem Elfenbeinturm verwahrt werden, um nur zu besonderen Anlässen in unsere Mitte herabzuschweben. Zuletzt verzichtete sie auf TV-Auftritte in der Pressestunde, am Runden Tisch, bei Im Zentrum. Und das zu einer Zeit, als es um Frauen oder Rauchen ging, also um Themen, die wie geschaffen sind für eine selbstbewusste, eloquente, feministische Gesundheitsexpertin. Pamela Rendi-Wagner hätte viel zu sagen und tut es nicht. Das ist aus meiner Sicht in Anbetracht der aktuellen Regierungsbande fatal. Nur zu einem einzigen ZiB2-Interview ließ sie sich bis dato herab. Wer glaubt, das sei das Geheimnis eines kommenden Erfolgs und nicht die fahrlässige Aufbereitung von Hochmut, Abgehobenheit und Erdferne, dem ist als Stratege nicht mehr zu helfen. Polemisch in den Worten Lugers gesagt: Der ist „an der Grenze zur Idiotie“. Wenn die SPÖ-Chefin nicht endlich die parteiinternen Querelen hinter sich lässt und sich in die Schlacht wirft, wird das Desaster unausweichlich sein. Und die türkisblauen Veränderungsfanatiker haben freie Bahn.

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16.10.21:02
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Tag 289 - 100.000 in 38 Stunden

Sogar die deutschen Medien wurden mittlerweile auf die Geschichte aufmerksam. Und das ist gut so. Denn sie ist wichtig. Sigrid Maurer wurde im Internet belästigt, veröffentlichte die Widerlichkeiten, wurde wegen übler Nachrede verurteilt und kassierte ein bemerkenswertes Urteil. Dazu habe ich auch an dieser Stelle meine Ansichten und formuliert. Und auch meinen Zorn. Die die ehemalige grüne Abgeordnete hatte bekanntermaßen im Mai via Twitter und Facebook zwei obszöne Nachrichten samt Absender publik gemacht, die ihr vom Facebook-Profil des Wiener Bierladenbesitzers Albert L. geschickt worden waren. Die 33-Jährige begründete ihren Schritt damit, dass solche Nachrichten nach österreichischem Recht nicht strafbar seien. Sie habe sich nicht anders zu helfen gewusst. Daraufhin verklagte der Account-Besitzer Maurer wegen übler Nachrede und Kreditschädigung und forderte 60.000 Euro. Er habe die Botschaften nicht verfasst und wisse auch nicht, wer dahinterstecke. Sein Computer stehe in seinem Laden und sei öffentlich zugänglich gewesen. Das Landesgericht für Strafsachen in Wien verurteilte Maurer zu einer Geldstrafe in Höhe von 3000 Euro sowie zu einer Zahlung an L. „wegen erlittener Unbill“ in Höhe von 4000 Euro. Wegen Kreditschädigung wurde Maurer nicht verurteilt. Die ehemalige Politikerin kündigte an, in Berufung zu gehen. Zuvor aber rief sie gemeinsam mit der Initiative „Zara“ (Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit) ein Crowdfunding ins Leben. Eine Aktion, die wirklich jede Beachtung und jeden Zuspruch verdient. Mit dem Ziel, 100.000 Euro zu sammeln. Mit dem Geld ist zum einen geplant, die Kosten von Maurers Prozess zu zahlen. Zum anderen sollen in Zukunft endlich auch andere Betroffene unterstützt werden. Das Beratungsangebot von „Zara“ soll der Beschreibung des Crowdfundings zufolge gesichert und ausgebaut werden. Außerdem wolle man die Klagen von weiteren Betroffenen von Belästigung und Stalking im Internet finanzieren. „Niemand soll solchen Hass wehrlos aushalten müssen!“, lautet die offizielle Erläuterung. Und wie groß der Zorn über die mangelnde gesetzliche Möglichkeit der Gegenwehr ist, zeigt sich an den reaktionen auf Maurers Initiative. Die Bereitschaft zur Unterstützung übertraf alle Erwartungen. Denn es dauerte nicht einmal zwei Tage, ehe das Sammelziel für den „Rechtshilfefonds gegen Hass“ erreicht war. 100.000 Euro in 38 Stunden, so schaut's aus. Und das ist schon viel mehr als ein Signal. Es ist ein Beweis dafür, dass der Aktionismus gegen die Ohnmacht vielen Menschen wie gerufen kommt. Daher hat Sigrid Maurer auch prompt nachgelegt. Ihre Twitter-Nachricht: „Leute, es geht weiter. Es gibt ein Folgeprojekt, wir sammeln weiter für Betroffene von Hass im Netz – es kann ab sofort wieder gespendet werden. Danke!!! Ihr seid der Wahnsinn. Und daher will ich auch auf meiner Website zum Mitmachen aufrufen. Weil es wichtig ist, dass Widerstand möglich wird. Und zwar für alle. Die Details zum Crowdfunding sind hier auf respekt.net nachzulesen. Mögen auch die nächsten 100.000 ruckzuck zusammenkommen.

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15.10.19:49
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Tag 288 - Versehentlich faschistoid

Ich habe keine Ahnung, wie oft ich geschrieben habe, dass Wachsamkeit einer der bedeutendsten Züge unserer Zeit sein muss. Denn im Hintergrund wirken selbstverständlich jene brandgefährlichen Kräfte, die völlig andere Vorstellungen von Republik und Demokratie besitzen. Dessen sollten wir uns jeden Tag mehr bewusst sein. Und wenn der Kanzler das alles im Sinne der Macht negiert und die Regierung frohlockend auf Reiseflughöhe wähnt, dann gibt es erst recht keinen Grund, sich nicht vor den destruktiven Energien zu fürchten. Der Artikel im deutschnationalen rechten Kampfblatt Zur Zeit, den ich an dieser Stelle vor zwei Tagen zum Thema gemacht habe, sorgte jedenfalls für enorme Aufregung. Die mir zumindest das Gefühl schenkt, dass die Kräfte des Widerstands noch nicht zur Gänze erstickt sind. Auf einer Doppelseite wurden die jenseitigen Denkanstöße zur patriotischen Erneuerung ausgewalzt. Und als sich dieses Konvolut der Radikalität zu verbreiten begann, zogen plötzlich die Herausgeber – unter welchem Druck auch immer – die Reißleine. Und wie auch noch. Denn Walter Seledec (der die Angriffe auf das Hitler-Regime als „terroristische Bombenangriffe der Alliierten“ bezeichnet) und Andreas Mölzer (der sich mit Vorliebe als Opfer einer „ultralinken Jagdgesellschaft“ betrachtet) distanzierten sich inhaltlich vom Text und erklärten, dass – Achtung, kein Witz – der besagte Artikel aufgrund von personellen Engpässen „aus Versehen“ ins Blatt gerutscht sei. So viel argumentative Dreistigkeit muss man sich erst einmal ausdenken. Eine Doppelseite, die eigentlich als „Brutal-Satire“ gedacht war, die versehentlich erscheint, das habe ich in meiner 20-jährigen Tätigkeit als journalistischer Blattmacher noch nie erlebt oder auch nur gehört. Zumal – Achtung, auch kein Witz – die Hetztirade in der Ausgabe sogar auf Seite 1 groß angekündigt wurde. Unter dem Titel „Bürgerwünsche: Mehr Recht und Ordnung im Land“. Da fragt man sich schon: Für wie unpackbar blöd soll man verkauft werden, wenn gesagt wird, dass die vielen faschistoiden Parolen „in keinster Weise der Blattlinie entsprechen“? Erkenntnis: Die Produzenten von Zur Zeit sind nicht nur verlogen, sondern vor allem feig. Denn wenn sie schon ihre extremistischen Gedanken publizieren, dann sollen sie doch zumindest dazu stehen. Statt dessen erläutern sie reumütig, dass sie sich vom betreffenden Mitarbeiter trennen würden. Aha, so sieht also das Heldentum aus, das sie meinen. Es ist so unerträglich. Blöd nur, dass durch diesen Eklat auch die irrwitzige Idee einer Preisverleihung obsolet wurde. Das muss man sich alles einmal zu Gemüte führen. Unter der geplanten Anwesenheit von Vizekanzler Strache und der dritten Nationalratspräsidentin Anneliese Kitzmüller (FPÖ), über deren politische Ideologie alles bekannt ist, hätte im Rahmen des so genannten Dinghofer-Symposiums (nach Franz Dinghofer, einst Obmann der deutschnationalen und antisemitischen Großdeutschen Volkspartei) auf Betreiben von Initiator Martin Graf eben jenem Blatt Zur Zeit ein Medienpreis verliehen werden sollen – und zwar in den parlamentarischen Räumlichkeiten des Palais Epstein. So viel Unverfrorenheit und Perfidie kann man sich gar nicht ausdenken. Aber mit einem Schlag ist alles anders, und der Festakt wurde in einer knappen Mitteilung an die Öffentlichkeit abgesagt, ohne jede Begründung und Ausführung. Dass Frau Kitzmüller plötzlich gar nicht involviert gewesen und nur die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt haben will, sei als Wegducken in letzter Sekunde nur am Rande erwähnt. Konstatiert werden darf: Offensichtlich hat die Vernunft gesiegt. Wieder einmal. Aber wie lange noch wird ihr das gelingen? Ich wiederhole mich daher: Bleiben wir wachsam. Mehr denn je. Unbedingt.

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14.10.17:29
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Tag 287 - Es lebe das Abdullah Zentrum

Es ist noch gar nicht so lange her, da stellte Sebastian Kurz, damals noch in seiner Rolle als Außenminister, klar: Er wolle nicht am umstrittenen König Abdullah Zentrum in Wien rütteln. Eine Schließung des Zentrums für interreligiösen Dialog würde die Menschenrechtssituation in Saudi-Arabien ebenso wenig verbessern wie ein Abbruch der Beziehungen zu diesem Land, zeigte er sich damals im Menschenrechtsausschuss des Nationalrats überzeugt. Er will demgegenüber auf eine Neuausrichtung und Erweiterung des Zentrums setzen. Der damalige Antrag der Grünen, das Abkommen zur Errichtung des Zentrums zu kündigen, wurde vom Ausschuss vertagt. Eine österreichische Lösung eben. Seit damals hat man nicht mehr viel gehört über jenen Ort, der angeblich den Dialog in den Mittelpunkt stellt. Und natürlich nie und nimmer als Feigenblatt zur Sicherung von Millionengeschäften betrachtet werden darf. Dabei wäre es gerade jetzt interessant, welche Konsequenzen es in Österreich, wo die Menschenrechte bekanntlich (noch) ein hohes Gut sind, geben könnte, in Anbetracht der dramatischen Ereignisse in Saudi Arabien. Der Fall des spurlos verschwundenen saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi wäre doch zumindest einen aufklärenden Dialog wert, gerne auch interreligiös. Immerhin wird in Kürze US-Außenminister Mike Pompeo zu einem Treffen mit König Salman reisen. Um in Riad die neue Situation zu erläutern. So meldete der US-Nachrichtensender CNN, die saudische Seite bereite mittlerweile einen Bericht vor, in dem Kashoggis Tod eingeräumt werde. Demnach sei der Autor, der als kritischer Geist des Regimes gegolten hatte, in einem "schief gegangenen Verhör" im Istanbuler Generalkonsulat des Königreichs gestorben. Auch Al Jazeera will in der Zwischenzeit belegen, dass türkische Ermittler bei einer Durchsuchung des Konsulats Beweise gefunden hätten, dass Kashoggi dort getötet worden sei. US-Präsident Trump wiederum hatte zuvor mitgeteilt, er habe mit König Salman telefoniert, der jedes Wissen darüber abstreite. Na dann muss alles wohl ganz anders gewesen sein. Möglicherweise auch deshalb, weil ja andernfalls milliardenschwere Beziehungen auf dem Spiel stünden. Also könnten laut Donald Trump Killer, die auf eigene Faust gehandelt hätten, für das Verschwinden verantwortlich sein. Zumindest interpretiert der Mann im Weißen Haus die Äußerungen des Königs so. Was für eine zweilichtige Angelegenheit. Zumal die Türkei Washington längst mitgeteilt hat, sie besitze Ton- und Videoaufnahmen, die belegten, dass der Kolumnist der Washington Post im Generalkonsulat Saudi Arabiens verhört, gefoltert und getötet worden sei, und zwar laut türkischen Behörden von saudischen Agenten, die am Tag des Verschwindens von Riad nach Istanbul geflogen waren. Es scheint also tatsächlich alles darauf hinzuweisen, dass ein unbequemer Publizist wie in einem Agententhriller aus dem Weg geräumt wurde. Die behördlichen Bemühungen, das Verschwinden zwar zuzugeben, die Verantwortung dafür allerdings nicht im Kreis des Königshauses zu wähnen, sollen dann wohl in die Kategorie Schadensbegrenzung fallen. Ein Versteckspiel im Namen der politischen Beziehungen. Aber in der Zwischenzeit ist Trump, der sich heraushalten wollte, um die lukrativen Waffendeals nicht zu gefährden, durch den wachsenden Druck im Kongress, zum Umdenken gezwungen. Plötzlich droht er mit "schweren Konsequenzen", sollte sich erhärten, dass Khashoggi im Konsulat getötet wurde. Nachdem sich in Folge tagelanger Verhandlungen die Türkei und die Saudis auf eine gemeinsame Durchsuchung des Gebäudes geeinigt hatten. Der Kronprinz hatte dies angeboten, und König Salman telefonierte heute mit Recep Tayyip ErdoÄŸan, um die Krise zwischen den sunnitischen Führungsmächten zu entschärfen. Zuvor jedoch hatte die amtliche Agentur SPA eine scharfe Erklärung verbreitet, in der sie "jede Drohung" zurückwies. Auf jede Aktion folge eine stärkere Aktion, verbunden mit dem Hinweis auf die "einflussreiche und lebenswichtige Rolle in der Weltwirtschaft", die Saudi-Arabien als größter Ölexporteur einnimmt. So schaut's aus in der Welt. Man weiß gar nicht, wohin man sich wenden soll vor lauter Ekel. Wenn die Moral zum Spielball der Macht wird, und wenn so genannte Staatsmänner im Bedarfsfall im wahrsten Sinn des Wortes über Leichen gehen. Es wäre interessant, wie diese Umstände im österreichischen Abdullah Zentrum besprochen werden. Und noch interessanter: Wie einmal mehr das Schweigen und das Wegducken seine Bestätigung als österreichischer Nationalsport erfährt.

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13.10.17:33
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Tag 286 -"Von linksextremen Elementen säubern"

Ich lese das deutschnational ausgerichtete rechte Kampfblatt Zur Zeit, das vom ehemaligen FPÖ-Mandatar und EU-Parlamentarier Andreas Mölzer und dem früheren ORF-Chefredakteur und aktuellen FPÖ-Bezirkspolitiker Walter Seledec herausgegeben wird, seit Jahren nicht mehr. Das ist mein Beitrag zur persönlichen Psychohygiene. Denn ich muss mich in Anbetracht meines Berufs ohnehin mit so viel Mist beschäftigen, dass ich mir zumindest die eine oder andere Ignoranz-Freiheit gönne. Andere Kollegen tun das nicht. Wie zum Beispiel der seit jeher hoch geschätzte Günter Traxler vom Standard. Seit ich denken kann, lese ich nicht nur seine innenpolitischen KOmemntare mit größter Freude, sodnern auch seien Medien-Kulumne namens "Blattsalat". Und genau dort thematisiert der Mann mit der Edelfeder auch regelmäßig die radikale Geisteshaltung, die in Zur Zeit formuliert wird, mitunter auch Texte oder Botschaften, die gerade noch am Verbotsgesetzt vorbeischrammen. In seiner heutien Kolumne hat Traxler unter dem Titel "Patriotismus à la FPÖ" wieder einmal die vielen Ideen des speziellen Mediums gebündelt und der Leserschaft kommentarlos offenbart. Zitat: "Denkanstöße zu einer Regierung der patriotischen Erneuerung fanden sich diese Woche im freiheitlichen Organ Zur Zeit. Im folgenden ein kleiner Auszug." Es folgen nun Forderungen aus der jüngsten Nummer (nur damit wir alle wissen, woran wir tatsächlich sind):
Anzudenken ist eine angemessene Korrektionsmöglichkeit im Wachzimmer: Härteste Strafen für Respektlosigkeit und Widersetzlichkeit.
Zwecks Bürgerschutz ist der Waffenbesitz von Unbescholtenen zu erleichtern.
Arbeitshaus wieder einführen.
Beweislastumkehr bei Berufsverbrechern.
Renitente Schüler sind zur Räson zu bringen: Aberkennung des elterlichen Erziehungsrechts, Wegfall der Familienbeihilfe. Abschiebung in geschlossene Sonder-Schulen.
Abschaffung sogenannter schulfester Stellen, um widerspenstige Lehrer, die sich für "progressiv" halten, allenfalls versetzen zu können.
ORF von linksextremen Elementen säubern; auch von linksextremen Staats-Künstlern und Staats-Moderatoren.
Tendenziell anti-autochthon eingestellte Gruppen gelten als außerhalb des Verfassungsbogens stehend, ihr Stimmverhalten in den Vertretungskörperschaften soll irrelevant sein.
Brotkorb höher hängen: Unbefristete Notstandshilfe abschaffen.
Keinerlei Integrationsmaßnahmen für Asylanten.
Verfassungsmäßige Absicherung der Ehe als ein Mann und Frau vorbehaltenes Rechtsinstitut.
Deutsche Aufschriften bei allen Geschäften.
Die Justiz ist zu verschlanken.
Grundsätzlich nur mehr zweistufiger Instanzenzug, wobei die zweite Instanz bloß die Rechtsfrage prüft.
Auftrag an alle Richter, Urteile volksnah abzufassen.
Wegfall der Kollektivvertragsfähigkeit des ÖGB.
Befreiung der Mitarbeiter von betriebsrätlicher Bevormundung.

Abschließendes Zitat von Traxler: "Ehrenwort, kein Wort erfunden. Für alle, die die FPÖ für eine koalitionsfähige Partei halten, besonders in der SPÖ.
Abschließendes Wort von mir: Lassen wir uns die Ängste, Sorgen und Bedenken nicht ausreden. Sie sind kein Hirngespinst.

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Danke für die Info, auch wenn mir beim Lesen das Gruseln kommt ….
Und ich frage mich: was, um Himmels willen, kommt da noch alles auf
uns zu?? Sie und Ihre Kollegen, die uns all das vermitteln - Sie haben
meine Anerkennung und Bewunderung für diese Arbeit, für die Sie eigent-
lich Schmerzensgeldansprüche geltend machen sollten.
Passen Sie gut auf sich auf!!
Doris Alt 15.10.2018, 20:43

könnte auch so IM STÜRMER gestanden sein
wkl 15.10.2018, 07:10
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12.10.21:03
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Tag 285 - Tor und Genugtuung

Um ehrlich zu sein, ich hätte mir nicht gedacht, dass ich stellvertretend so viel Genugtuung empfinden kann. In diesem Fall handelt es sich um Marko Arnautovic. Ein Fußballer, der seit zehn Jahren für Österreichs Mannschaft spielt und – aus meiner Sicht – einer der herausragendsten Kicker ist, die seit Jahrzehnten das Nationaltrikot tragen. Einer, der sich aufgrund seines Könnens und seines Standings im Team längst zu einer verlässlichen Größe entwickelt hat, der mit enormer Konstanz Spielwitz und Abschlussstärke, aber auch Kampfkraft und Motivationskunst abliefert. Sein einziger Makel war einst, dass er als extravagante Persönlichkeit immer wieder verhaltensauffällig wurde und sich disziplinäre Ausreißer leistete. Ich kann mich allerdings nicht erinnern, wann ich zum letzten Mal von Arnautovic-Eskapaden gehört habe (sein Vaterdasein hat wohl einiges zur Entspannung beigetragen). Und schon gar nicht im Zusammenhang mit der Nationalmannschaft, wo er als Führungsfigur hinsichtlich Wille und Leidenschaft vorbildlicher denn je ans Werk geht. Und genau deshalb hat ihn Teamchef Franco Foda in Abwesenheit von Mittelfeldmotor Baumgartlinger auch vor dem Match gegen Bosnien-Herzegowina zum Kapitän gemacht. Eine Entscheidung, die ganz offensichtlich so manchen Sesselpupsern im Verband nicht gefallen hat. Als Argument führten sie an, die berühmte Schleife würde sich als Bürde negativ auf die Leistung von Arnautovic auswirken. Aber das schien mir allzu konstruiert. Meinen wahren Verdacht will ich an dieser Stelle nicht äußern, aber wir wissen: Der Mann mit den bosnischen Wurzeln galt immer schon als offenherzig und unbequem. Und als er zuletzt nach der 0:1-Niederlage mit seinem Freund Edin Dzeko (in seiner Freizeit wohlgemerkt) zu später Stunde in einer Bar gesehen wurde, schien das ein Anlass zu sein, um den umstrittenen Stürmer auszuhebeln. Aus meiner Sicht ein Affront. Denn Arnautovic ist nicht nur der beste Fußballer und wohl einzige Star dieses Teams, er ist auch eine anerkannte Integrationsfigur auf und außerhalb des Feldes. Und so kommentierte er seinen Ausflug nur so: „Das ist wieder medial zelebriert worden. Als wäre ich irgendwo angetrunken gewesen. Doch das war ich nicht, es war auch nicht 3 Uhr in der Früh. Niemand hat das Recht, über mein Privatleben zu urteilen. Ich mache das auch nicht bei anderen Menschen. Ich will immer alles geben, und ich habe in den letzten Jahren schon so viel für das Nationalteam gemacht. Da geht es um Respekt.“ So ist es. Und nicht anders. Dennoch schienen die Mitglieder des ÖFB-Präsidiums intensiv daran gearbeitet zu haben, Österreichs Nummer 7 als Kapitän zu entmachten. Womit sie jedoch nicht rechneten: Mit der Haltung von Franco Foda. Der erteilte den Begehrlichkeiten nämlich eine klare Absage und stand zu seinem Schützling. Und zu dessen Rolle als Österreichs Kapitän. Und so trug der 29-Jährige auch im zweiten Match zum Nations Cup die Schleife. Die Partie war deshalb leider nicht ansehnlicher, zu sehr lähmte der Druck des Gewinnenmüssens beide Mannschaften. Aber irgendwann fiel dann doch das erlösende 1:0, das Siegestor für Österreich. Und wer schoss es? Na klar, Marko Arnautovic. ER sprintete in den Raum, machte einen Haken nach innen und versenkte die Kugel so, wie es große Spieler eben tun. Und danach geschah, was ich als emotionaler Mensch so gut nachvollziehen kann. Der Torschütze riss sich die Kapitänsschleife vom Arm, hielt sie wie eine Trophäe in die Luft und präsentierte sie voller Stolz, Trotz und Genugtuung der Tribüne, wo die Skeptiker und Intriganten saßen. Es war ein Gefühlsausbruch der besonderen Art. Eines Spielers, der 75 Mal für Österreichs spielte und einmal mehr das Außergewöhnliche verantwortete. Danke dafür. Ich hätte Arnautovic, dem ich diesen persönlichen Erfolg so unfassbar gönnte, in diesen Augenblicken am liebsten umarmt.

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Word!

Hab erst gestern irgendwo einen Leserbrief gelesen, mit der Meinung "er spielt eh gut, aber das mit der Schleife hätte er sich sparen können, den Ziager mit Dzeko sowieso auch und als Kapitän bei der Hymne nicht mitsingen geht schon gar nicht"...

--> Die Antwort liegt bekanntlich auf dem Platz, und die hat er eindrucksvoll gegeben. Bravo Marko!
mex 17.10.2018, 15:27

Wir wissen ja wer in der jetzigen Regierung für Sport zuständig ist und diesem Subjekt sind halt alle Migranten suspekt. Und die Sesselpupser im ÖFB fürchten halt um ihre gut dotierten mit wenig Arbeit verbundenen Plätze.
wkl 15.10.2018, 07:01
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11.10.16:28
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Tag 284 - Perverses Schneeband

Es ist noch nicht lange her, da wanderte ich hoch über dem Südtiroler Reschensee und betrachtete die phantastische Bergwelt am Dreiländereck Österreich/Italien/Schweiz. Vor allem im Herbst offenbart sich die Landschaft bei entsprechender Fernsicht in einer Farbenpracht, dass jedes Staunen zum Superlativ wird. Und dann sehe ich Mitte Oktober plötzlich diese Bilder. Die sagenhaft schönen Tiroler Alpen, die in dieses besondere Herbstlicht getaucht sind, das wir dank des Sonnenhochs erleben dürfen, und vom Gipfel bis ins Tal zieht sich … ein einzelnes Schneeband (hier in einem Tweet gut zu sehen). Was für eine Perversion ist das? Wieviel Ignoranz gegenüber den Gesetzmäßigkeiten der Natur ist notwendig, um sich mit einem solchen Zwang dem Geschäftsleben zu unterwerfen? Tatsache ist: Die Bergbahnen Kitzbühel starten am kommenden Wochenende trotz hoher Temperaturen und beinahe sommerlichen Wetters allen Ernstes in die Skisaison. Wanderidylle hin oder her, wenn der Skifahrer „Schnee her!“ schreit, gehorchen die Tourismusmaximierer und zaubern den Unverdrossenen einen weißen Teppich in die bunten Berge. Und zwar mit dem Schnee aus den im Frühjahr angelegten Depots, die einst als Reservoir für schwierige zeiten des Schneemangels erdacht worden waren. Mittlerweile hingegen wird die Saison eröffnet, einerlei, ob auf diese Weise ein Panorama des Grauens sichtbar wird. Rund 1,6 Kilometer Piste wurde mit einer Schneehöhe von 100 Zentimeter angelegt. Angst, dass der Schnee noch vor Beginn der eigentlichen Wintersaison wegschmilzt, hat man in Kitzbühel nicht. „Wir machen jetzt bereits das vierte Jahr in Folge Mitte Oktober auf und haben gute Erfahrungen gesammelt“, meinte die Sprecherin. Die Lage der beiden Pisten am Hang sei ideal. Aufgrund der bereits tief stehenden Sonne werde der Schnee kaum mehr von der Sonne berührt. Die Pisten seien auf 1.800 Metern Seehöhe angelegt, dort herrschen derzeit rund elf Grad. Aufgrund der großen Schneemenge sei der Eigenkühleffekt so groß, dass kaum Schnee wegschmelze. Ein erstaunliches Selbstverständnis. Zumal es klarerweise von Kritik nur so hagelt. Aber was entgegnet man jenen, die ein entlarvendes Schauspiel zur Diskussion stellen? „Wir wissen, dass das wie in der Pfieke-Saga ist, aber wir reagieren auf die Nachfrage“. Und solange die Gäste es annehmen, werde man weiterhin so früh öffnen. Im Vorjahr beispielsweise habe man am ersten Wochenende (14. und 15. Oktober 2017) rund 2.000 Skifahrer gezählt – aus dem In- und Ausland (allerdings bei einer deutlich winterlicheren Großwetterlage). Vor allem die Skiklubs nähmen das Angebot der Bergbahnen für Trainingszwecke gut an. „Wir lagern den Schnee direkt am Hang, das heißt, es entstehen keine Transportkosten“, versichert die Sprecherin. Der Schnee bestehe zu 80 Prozent aus Kunst- und zu 20 Prozent aus Naturschnee. Der Eigenkühleffekt des Schnees sei so groß, dass man keine Kühlaggregate einsetzen müsse. Und dennoch orten viele Beobachter einen massiven Imageschaden, den die Kitzbüheler Bergbahnen verursachen. Der grüne Tourismussprecher Georg Kaltschmid meint: „Diese Bilder gehen in die ganze Welt. Für Skipisten bei 20 Grad hat niemand Verständnis, weder die Einheimischen, noch Touristen. Kunstschneisen mitten in der Spätsommerlandschaft, so was darf es eigentlich nicht geben“. Gibt es aber. Weil's ein Geschäft ist. Und das heiligt alle Mittel. Ich frage mich allerdings wirklich, welchem Freizeit-Sportler dieses Ambiente Freude bereiten könnte. Ich bin seit immer schon selbst ein leidenschaftlicher Skifahrer, aber ganz ehrlich: Mir fiele es nicht einmal im Traum ein, dieses Angebot zu nutzen. Im Gegenteil, ich käme mir fast sogar schändlich dabei vor. Als Vergewaltiger einer jahreszeitlichen Naturpracht.

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Und wieder einmal danke für die - immer wieder - klare Aussage.

GLG E.
Elena E. 13.10.2018, 12:00
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10.10.15:40
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Tag 283 - Päpstlicher Auftragsmord

Ich sage es einmal so: Es ist nicht nur der Inhalt der jüngsten päpstlichen Gedanken, die mich zu dem Glauben veranlassen, der Papst würde allmählich seine Maske fallen lassen und den klerikalen Hardliner zum Vorschein kommen lassen. Es ist auch der Zeitpunkt, der nicht nur irritierend erscheinen mag, sondern fast schon zynisch. In einer Ära der politischen Ablenkungsmanöver entzieht sich Franziskus einer tiefgehenden Aufarbeitung der Missbrauchsfälle, indem er plötzlich eine Abtreibungsdebatte vom Zahn bricht. Und das auf fast schon bedrückende Art und Weise. Daher noch einmal zur Erinnerung: Der Missbrauchsskandal erschüttert die katholische Kirche und weitet sich immer mehr aus. Im August war der bisher umfassendste Bericht zu sexueller Gewalt in der katholischen Kirche der USA erschienen. Die Dokumentation belegt allein für den Bundesstaat Pennsylvania den Missbrauch an mindestens 1000 Minderjährigen durch rund 300 Priester in den vergangenen 70 Jahren. Dass Stellen im Vatikan darüber informiert gewesen sein sollen, war Gegenstand eines offenen Briefes, den der frühere Apostolische Nuntius in den USA, Carlo Maria Vigano, während der jüngsten Papstreise nach Irland veröffentlicht hatte. Darin warf er sogar Franziskus Mitwisserschaft vor und forderte dessen Rücktritt. In Deutschland beispielsweise wurden nahezu zeitgleich Zahlen zum Ausmaß von sexuellem Missbrauch unter dem Dach der katholischen Kirche bekannt, die einen erschauern lassen. Demnach wurden in den Jahren von 1946 bis 2014 in Deutschland insgesamt 3677 Opfer von mindestens 1670 Priestern und Ordensleuten missbraucht. Die Opfer waren überwiegend männliche Minderjährige, mehr als die Hälfte von ihnen zum Tatzeitpunkt jünger als 14 Jahre. In jedem sechsten Fall soll es zu Vergewaltigung gekommen sein. Drei Viertel der Betroffenen seien mit den Beschuldigten in einer kirchlichen oder seelsorgerischen Beziehung gestanden. Und wie so oft – so lassen Insider durchsickern – handelt es sich hier nur um die Spitze eines Eisberges. Wer jetzt noch glaubt, dass es sich um verirrte geistliche Schafe und nicht um eine systematische Schreckensherrschaft handelt, dem ist echt nicht mehr zu helfen. Daher zog der Papst unter dem immer größer werdenden Druck auch die Reißleine und beordert die Chefs aller nationalen Bischofskonferenzen zu einem Gipfeltreffen in den Vatikan. Der Kirchengipfel wird von 21. bis 24. Februar in Rom stattfinden. Es ist das erste Mal, dass so ein Treffen im Zusammenhang mit Missbrauch stattfindet. Aber damit hat sich Franziskus vorerst durch Vertagung einer Verantwortung entledigt, die es längst wert wäre, Tag für Tag für Tag, Stunde für Stunde für Stunde, Gebet für Gebet für Gebet in aller Konsequenz behandelt zu werden. Statt dessen lässt der Kirchenchef tausendfache Vergewaltigung in den Hintergrund rücken, weil er es für essenzieller erachtet, Abtreibungen zu verteufeln. Es ist beschämend, so komplex und diskursiv das Thema „Recht auf Leben“ in unserer Gesellschaft auch immer sein mag. Aber die Wortwahl von Franziskus lässt bereits erahnen, mit welcher radikalen Härte er bereit ist, jene zu verfolgen, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden. Eine Härte, die in anderen Fällen um so viel notwendiger und angebrachter wäre. In seiner jüngsten Predigt auf dem Petersplatz befasste sich der Papst zunächst mit dem biblischen Gebot, nicht zu töten. Im Zuge dessen prangerte er die „Abwertung menschlichen Lebens“ durch Kriege, Ausbeutung und Ausgrenzung an. So weit, so nachvollziehbar. Doch dann fügte das mittlerweile 81-jährige Oberhaupt der Katholischen Kirche noch seine Gedanken zum Thema Abtreibung hinzu: „Aber wie kann eine Handlung, die unschuldiges Leben beseitigt, therapeutisch, zivilisiert und menschlich sein?“ Und nicht einmal der mehr als fragwürdige Zugang, eine Abtreibung nicht als selbstbestimmte weibliche Entscheidung, sondern als Akt fern von Zivilisation und Menschlichkeit zu betrachten, schien ihm als Botschaft klar und deutlich genug. Daher fügte er hinzu, eine Schwangerschaft „im Namen des Schutzes anderer Rechte derer Rechte“ abzubrechen sei „wie jemanden zu beseitigen“, wie „die Inanspruchnahme eines Auftragsmörders, um ein Problem zu lösen“. Sagt ein Mann, in dessen Reich … ich muss das jetzt nicht näher ausführen, oder? Ich denke mir tatsächlich immer wieder: Wie würde ich Sünde definieren? Abtreibung kommt mir diesbezüglich allerdings nie in den Sinn. Ich finde zynische, anklagende, verachtende Weltfremde viel dramatischer.

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09.10.20:59
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Tag 282 - Das verstörende Urteil

Ich bin stets ein großer Verteidiger der Judikatur. Wissend, dass der Rechtsstaat und die Auslegung der Gesetze zu den komplexesten Gegenständen unserer Demokratie gehören. Und ich fürchte die Masse, die sich – angefeuert durch sich selbst – möglicherweise mehr denn je mit Vorliebe zum Richter aufschwingt, ohne jedoch die geringsten Kenntnisse über das Wesen der Gerichtsbarkeit zu besitzen. Und dennoch: Es gibt diese Augenblicke, da kann ich Urteile nicht verstehen, will sie nicht verstehen. Statt dessen kann und will ich die vielen Menschen (vor allem Frauen) verstehen, die völlig außer sich sind, und diesem Zorn auch in den sozialen Netzwerken Luft machen. Denn aus meiner Sicht ist der Fall Sigrid Maurer (im übrigen auch nach den sehr schlüssigen Erklärungsversuchen des Anwalts und Medienrechtlers Michael Rami in der ZiB2) ein Akt, der mich fassungslos macht. Und der die laute Frage aufwirft: Darf so etwas in der Republik Österreich wirklich wahr sein? Denn Faktum ist, dass Maurers Versuch, sich gegen widerliche, extrem obszöne sexuelle Belästigung zu wehren, sie am Ende richtig teuer zu stehen kommen könnte. Die frühere Grünen-Abgeordnete hatte bekanntlich abgrundtief übergriffige Nachrichten*, die sie via Facebook-Messenger – heißt, als Privatnachricht – erhalten hatte, auf Facebook und Twitter gepostet und den Besitzer des Biergeschäfts, von dessen Firmenaccount die Nachrichten kamen, als Verfasser beschuldigt. Ein Fehler, wie sich mittlerweile herausstellt. Sie hätte nicht den Geschäftsmann als Täter öffentlich nennen dürfen, sondern nur, dass sie die Nachricht vom Account des Geschäftsmannes bekam. Denn es hätte theoretisch auch jemand anderer Zugang zum Computer haben können. Wiewohl das extrem unwahrscheinlich ist, wie vor allem die nahezu identisch verwendete Orthografie (starker Hang zu Rufzeichen) zu beweisen scheint. Egal. Nun wurde Sigrid Maurer dafür (nicht rechtskräftig) verurteilt. Für die üble Nachrede muss sie nach dem Urteil von Richter Stefan Apostol 3000 Euro an den Staat zahlen. Weitere 4000 Euro für die „erlittene Unbill“ gehen an den Kläger. Dessen weitergehende Ansprüche wegen angeblichen Geschäftsrückgangs wurden auf den Zivilrechtsweg verwiesen. Zudem muss Maurer die Verfahrenskosten tragen. Die massiv belästigte junge Frau zeigte sich nach der Urteilsverkündung „sehr erschüttert“. Und mit ihr unzählige Frauen (und natürlich auch Männer), die vor allem einen Umstand wütend beklagten: Das genau passiert also im Rechtsstaat Österreich, wenn sich eine Frau ohne detailiertes Wissen über juristische Spitzfindigkeiten aktiv zur Wehr setzt. Es kommt zu einer zumindest fragwürdigen Täter-Opfer-Umkehr, und in Anbetracht dieser Entwicklung darf sich niemand mehr darüber wundern, dass Frauen, denen derlei Abscheuliches widerfährt, eben nicht in die Gegenoffensive gehen. Motto: Lieber schweigen und sich mit den sexuellen Übergriffen arrangieren als auch noch für schuldig befunden, einem Hass-Mob ausgeliefert und sogar noch zu Kasse gebeten werden. Und genau das will sich Maurer nicht gefallen lassen. Sie werde nicht klein beigeben, „wir werden in volle Berufung gehen und das Geld dafür aufstellen. Es ist eindeutig, dass er es gewesen sein muss.“ Nur zur Erinnerung: Maurer hatte im Mai Screenshots der Nachrichten gepostet – samt Hinweis auf den Inhaber des Craft-Beer-Geschäftes. Dieser wurde darauf beschimpft, sein Lokal erhielt schlechte Bewertungen, der Mann wurde bedroht. Der 40-Jährige bestritt, der Verfasser zu sein (irgendjemand von seinen Gästen müsse sich an seinem offenbar nicht geschützten Computer zu schaffen gemacht haben), und klagte. Der Richter machte jedenfalls in seiner ausführlichen Urteilsbegründung klar, dass der Tatbestand der üblen Nachrede „massiv“ gegeben war und Maurer ihre Postings auch zugab. Nicht strafbar wäre dies nur dann, wenn die Angeklagte den Wahrheitsbeweis erbracht hätte. Das sei nicht gelungen. Sie wäre also ihrer „journalistischen Sorgfaltspflicht“ (obwohl sie keine Journalistin ist, sich aber in einem sozialen Mediennetzwerk bewegt) nicht nachgekommen, weil sie nicht recherchiert hätte, ob die Obszönitäten tatsächlich vom Account-Besitzer stammen würden. Was für ein Verlangen. Die Belästigte hätte also auch noch ihren Belästiger kontaktieren müssen, um zu klären, ob er es eh ist. Wie wildfremd ist das? Zumal der Richter selbst auch noch – wie zum Hohn – bestätigte, dass auch er selbst dem Bierladenbesitzer so gut wie nichts glaube. Aber: „Wir können nicht klären, wer es war.“ Ein mildernder Umstand war lediglich, dass Maurer aus „achtenswerten Beweggründen“ gehandelt habe. „Was Ihnen angetan wurde, ist nicht strafbar, das steht aber auf einem anderen Blatt.“ Kein Wunder, dass ausgerechnet einen Tag nach Ablauffrist des Frauenvolksbegehrens der Vorwurf laut wurde, der Rechtsstaat lasse Frauen im Stich. Die Notwendigkeit, dass bei negativen Äußerungen der Wahrheitsbeweis angetreten werden muss, sei zu respektieren, doch der Fall zeige auf, dass sich Opfer von Hassnachrichten kaum wehren können. Und genau darauf muss die Politik, muss der Gesetzgeber spätestens jetzt reagieren. So formal korrekt das Urteil auch sein mag, wenn am Ende herauskommt, dass eine übelst erniedrigte Frau ihrem Peiniger auch noch Bußgeld wegen Namensnennung zahlen muss, dann gibt es nicht nur eine verdammte Lücke im System, die mit aller juristischen und menschlichen Entschiedenheit geschlossen werden muss.
--------------------- *
„Hallo. Du bist heute bei mir beim Geschäft vorbei gegangen und hast auf meinen Schwanz geguckt als wolltest du ihn essen.“
"Bitte wenn Du nächstes Mal vorbeikommst darfst ihn ohne Worte in Deinen Mund nehmen und ihm bis zum letzten Tropfen aussaugen, zahle auch drei Euro mehr, wenn Du nix verschwendest !!!"
„Dein fetter Arsch turnt mich ab aber da du prominent bist, ficke ich dich gern in deinen fetten Arsch, damit dir einer abgeht, du kleine dreckige Bitch !!!“

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08.10.21:17
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Tag 281 - Volksbegehren, na und?

Ich finde ja eine gewissenhafte Einordnung überaus wichtig. Daher versuche ich eine solche an dieser Stelle, unabhängig dessen, was ich selbst präferiert habe. Nun, ich habe das Frauen-Volksbegehren ebenso unterschrieben wie jenes von „Don't smoke“. Und ich habe das Volksbegehren „ORF ohne Zwangsgebühren“ nicht unterzeichnet. Die Begründungen liegen alle auf der Hand. Wer meine Texte regelmäßig liest, kennt meine Haltungen. Aber darum soll es jetzt nicht gehen … sondern um die Bewertung der Ergebnisse. Also, das ORF-Begehren erhielt 320.239 Unterstützungen, und das ist natürlich extrem schwach. Lassen Sie sich – speziell von der Kronen Zeitung – bitte nichts anderes einreden. Denn in Wahrheit konnte nicht einmal der hochgradig unseriöse Begriff „Zwangsgebühren“ ausreichend mobilisieren. Aber er passt eben zu jenen, die eine öffentlich-rechtliche Idee zerschlagen und an den demokratischen Grundfesten der Republik rütteln wollen. Einerlei, es hat dankenswerterweise nicht funktioniert. Denn diese Zahl konnte überhaupt nur deshalb erreicht werden, weil das Ansinnen (ganz bewusst) mit den beiden anderen terminlich gekoppelt wurde. Ein ORF-Volksbegehren alleine hätte vermutlich nicht einmal halb so viele Empörte in die Ämter getrieben. Es wäre daher jenseitig, aus diesem Ergebnis einen Auftrag ableiten zu wollen. Das Frauen-Begehren ist mit 481.906 Unterstützungen zwar respektabel, es hätte aber ganz sicher mehr gebraucht, um richtig Druck aufzubauen. Und auch wenn das Argument, dass man ja nicht zwangsläufig mit allen Punkten d'accord sein muss, sondern das Signal als oberste Priorität betrachten sollte, absolute Berechtigung hat, so scheint die inhaltliche Überfrachtung trotzdem der Schwachpunkt gewesen zu sein. Zu viele Menschen haben sich genau von dieser falschen Annahme, nur eine hundertprozentige Zustimmung könnte eine Unterstützung rechtfertigen, leiten lassen. Das ist schade. Denn ich hätte mir mehr Solidarität gewünscht. Das Raucher-Begehren hingegen wurde mit 881.569 Unterstützungen definitiv zu einem Riesenerfolg. Den nur gnadenlose Ignoranten ohne Konsequenz schubladisieren würden. Aber genau das tut Österreichs Bundesregierung mit dem Verweis auf das Koalitionspapier und das Versprechen, ab 900.000 hätte es (im Jahr 2022 wohlgemerkt) eine verbindliche Volksabstimmung gegeben. Eine Farce, das wissen wir. Es ist freilich nicht so, dass ich ein großer Freund von inflationär eingesetzter direkter Demokratie bin. Ganz im Gegenteil, ich fordere von gewählten Politikern Entschlossenheit und Entscheidungskraft ein, statt ein Delegieren an das Befindlichkeitsbürgertum. So, wie ich mir wünsche, dass ein Pilot das Flugzeug durch Turbulenzen navigiert, und nicht die Passagiere über sein Handeln abstimmen lässt. Aber in diesem Fall ist in Anbetracht des geradezu provokanten Schulterzuckens der schwarzblauen Aktivisten aus drei Gründen Zorn angebracht. Denn erstens gab es den Beschluss zum Rauchverbot ja längst als Gesetz, das im Mai 2018 in Kraft treten sollte, es wurde lediglich von ein paar fehlgeleiteten Populisten und Realitätsverweigerern in einem irrwitzigen Tauschhandel wieder revidiert. Was Österreich zu einer internationalen Lachnummer (der "Aschenbecher Europas") gemacht hat. Zweitens sollten wir allen Ernstes darüber diskutieren, ob fast 900.000 Menschen, die sich auf den Amtsweg machten, um ein Anliegen zu formulieren, mit einem Handstreich der Wurschtigkeit weggefegt werden dürfen. Oder ob eine solche Zahl nicht tatsächlich dazu führen müsste, in die nächste Instanz eines Mitspracherechts überzugehen (dass sogar die Millionengrenze mit Sicherheit geknackt worden wäre, hätte sich eine sensible und engagierte SPÖ mit Kampagnen, Initiativen und Mobilisierungen beschäftigt, statt ausschließlich mit sich selbst, sei nur am Rande erwähnt). Und drittens sollten wir nie vergessen, dass zwar schon viele Politiker nach der Wahl so manches aus den Augen verloren, was sie vor der Wahl versprochen hatten, aber: Wer wie die FPÖ ein jahrzehntelanges Herzstück eines Parteiprogramms, nämlich die permanente Forderung nach mehr direkter Demokratie, mit einer solchen Chuzpe über Bord wirft, sollte dann bitte schon von den für blöd verkauften Wählerinnen und Wählern endlich zur Rechenschaft gezogen werden. Der Ruf nach verbindlichen Volksabstimmungen war für Strache und seine Kumpanen nicht einfach nur ein Punkt unter vielen. Nein, es war ein Zetern und Klagen, ein Schreien und Grölen, ein bedingungsloses, alternativloses, kompromissloses Muss. Über nahezu alles sollte abgestimmt werden, ganz nach Schweizer Vorbild. Und 250.000 oder gar nur 150.000 Unterstützungserklärungen sollten genügen, um eine Abstimmung zu erzwingen. Ginge es nach den FPÖ-Populisten, wären diese Ansagen längst in der Verfassung verankert, um dem Volk nach dem Maul zu reden und zu regieren. Aber das war nun einmal in der Zeit der Opposition, als den Scharfmachern jeder Zündsatz gut genug war, um die Regierenden in ihrer Verantwortung vor sich herzutreiben. Über Haftungsschirme wollte Strache abstimmen lassen, in der Frage der Türkei-Mitgliedschaft, über Asylmissbrauch, Eurofighter, und selbstverständlich – am allerwichtigsten – über CETA und TTIP. Was blieb davon? Wären vor ein paar Jahren noch 150.000 Stimmen ausreichend gewesen, sind jetzt plötzlich fast 900.000 Stimmen nicht mehr der Rede wert. Nicht einmal dann, wenn die gesundheitlichen Auswirkungen und die tödlichen Statistiken eine Sprache sprechen, die keine zweite Interpretation zulassen. Aber Faktum ist: Die FPÖ hatte einst gedacht, in dieser Frage eine Mehrheit hinter sich versammeln zu können, und sie ist heute nicht in der Lage, diese dramatische Fehleinschätzung zu korrigieren. Vor lauter Angst, als Unfallerdeppen dazustehen. Und nicht als politische Köpfe, die eben klüger wurden. Also regiert eine fahrlässige Sturheit und Dummheit. Und die ÖVP muss ihren eigenen Gesetzen der Pakttreue folgend (dafür bekamen sie immerhin ihr Ja zu den Freihandelsabkommen) diesen geradezu grotesken Widerstand mittragen und aufrecht erhalten. Es gibt kaum ein besseres Beispiel dafür, mit welcher verlogenen und heuchlerischen Argumentation gegen die eigene Bevölkerung regiert werden kann. Auch daran wird Sebastian Kurz dereinst gemessen werden: An der nachweislich gesundheitsschädlichen Opferung einer eigenen Überzeugung im Namen der Macht. An dieses Scheitern wird der Bundeskanzler immer erinnert werden, dieser demokratiepolitische Tiefpunkt wird am Ende historisch sein.

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07.10.14:17
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Tag 280 - Schwächeerscheinung

Liebe Leserinnen, liebe Leser, es ist das erste Mal in vier Jahren, dass ich kapitulieren musste. Ich hatte keine Kraft mehr, keinen Kopf, keine Reserven. Ich hatte eine Arbeitswoche, die mir auf so außergewöhnliche Weise meine Limits offenbarte, dass ich mich entschlossen habe, genau das hier als Eingeständnis auch zu formulieren. In aller Ehrlichkeit: Ich war als Autor, Konsulent und Bühnenmensch in den vergangenen Tagen so intensiv engagiert, dass ich weder die Zeit noch die Energie fand, um mich meiner Website zu widmen. Ich musste mir erstmals eingestehen: Ich schaffe es nicht. Ich will aber allen jenen Menschen, die mich so leidenschaftlich begleiten, diese Schwäche auch kommunizieren. Ich habe mich jetzt ein Wochenende lang mit viel Schlaf und Müßiggang aus dem Spiel genommen, und ich bitte um Verständnis für diesen völlig ungeplanten Rückzug. Ab morgen haue ich wieder in die Tasten. Danke, und Ihnen allen einen schönen Abend!

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Danke!!!

Wunderbare Reaktionen!
Michael Hufnagl 08.10.2018, 14:25

Die wahre Stärke zeigt sich im Eingeständnis von Schwäche. Ich finde das
bewundernswert und bitte Sie herzlich, sich all die Zeit zu nehmen, die
Sie brauchen. Ein paar Tage Lese- und Diskussionspause werden uns allen
nicht schaden - im Gegenteil. Alles, alles Gute !

Doris Alt 08.10.2018, 08:29

Bitte nehmen Sie für sich den Druck raus! Wir AbonnentInnen geben Ihnen gerne 1 oder 2 weitere Wochen, wenn Sie sie brauchen, um uns dann wieder mit Ihrem Esprit, Ihrer Überzeugungskraft und Ihren extrem intelligenten Perspektiven zu erfreuen! Alles Gute! Jutta Korosec
Jutta Korosec 07.10.2018, 18:24
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30.09.20:27
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Tag 273 - Dumpfe Gegenoffensive

Es ist schon eine spannende Sache, welcher Ton in der jüngsten Causa Kickl angeschlagen wird. Das allein verrät schon, wie ertappt sich die FPÖ-Vasallen fühlen. Und mit welchem sprachlichen Zorn sie zurückschlagen. Es ist so: Der Präsident der Industriellenvereinigung, Georg Kapsch, hat sich angesichts der Diskussion um das E-Mail aus dem Innenressort über den Umgang mit kritischen Medien zu Wort gemeldet und dabei ziemlich scharfe Kritik am österreichischen Innenminister formuliert. Originalzitat: „Ich glaube, Kickl hat wirklich eine Grenze überschritten. Wer die Pressefreiheit irgendwie infrage stellt, rüttelt an den Grundfreiheiten der Demokratie. Ich verstehe das absolut nicht.“ Im gleichen Atemzug lobte er freilich Sebastian Kurz („Ich bin glücklich, dass sich der Bundeskanzler dazu geäußert hat“), um klar zu machen, über welchen Teil der Regierung er explizit den Kopf schüttelt. Und er vertieft: „Wir wissen, dass das in der Vergangenheit immer wieder gemacht wurde, das passiert ja nicht zum ersten Mal. Aber dass er das so offiziell macht, ist neu“. Und er fügte hinzu: „Wir haben jetzt auch noch den Vorsitz der Europäischen Union, da muss man besonders vorsichtig sein. Es gibt immer mehr Staaten, die genau in diese Richtung gehen, und zu diesen Staaten sollten wir uns nicht zählen.“ Immerhin: In seiner öffentlichen Mahnung fehlten Worte wie Jenseitigkeit oder gar Blödheit, aber die mag sich ein genauer Leser dazu denken. Tatsache ist, dass so eine offene Haltung unmöglich an den Kampfmimosen des blauen Koalitionspartners abprallen konnte. Und so meldete sich prompt einer der bedeutendsten Geistesriesen der FPÖ, um die Gegenoffensive einzuleiten. Im medialen Fachjargon nennt sich das „eine Kritik schroff zurückweisen“. Gemeint ist eher: In der Ecke stehen und schimpfen. Und so erklärte der Generalsekretär der Leberwurstpartei Christian Hafenecker in einer Aussendung: „Der Präsident der Industriellenvereinigung soll sich nicht in Sachen einmischen, die seinen Wirkungsradius eigentlich überhaupt nicht tangieren – diese Causa geht Kapsch nämlich einen Schmarren an“. Dabei stellt sich freilich die Frage, wer die Wirkungskreise von politischen Köpfen definiert … einer wie Hafenecker sollte es jedenfalls ganz sicher nicht sein. Denn ist er der Ansicht, dass die Kritik „völlig an den Haaren herbeigezogen“ sei. "Kapsch wäre gut beraten, sich an die Fakten zu halten, sich an diesen zu orientieren und nicht irgendwelche Schauermärchen in die mediale Welt zu setzen. Was genau nicht den Fakten entsprechen würde, blieb der blaue Exekutor klarerweise schuldig. Aber egal, wir kennen die Methodik des Anprangerns um des Anprangerns Willen zur Genüge. In diesem Sinne ortete der gut trainierte Hafenecker, und ein Gähnen macht sich breit, eine „inszenierte Hatz“ gegen den „erfolgreichsten Innenminister der zweiten Republik“. Das ist im übrigen mein liebster FPÖ-Stehsatz. Denn nach zehn Monaten Amtszeit bereits eine Erfolgsära in Relation zu 73 Jahren zuvor anzustellen, ist als Bewertung etwa so stumpfsinnig wie mitleiderregend. Das Finale der Aussendung: „Kapsch sollte sich lieber um seinen eigenen Stall kümmern und sich nicht als selbst ernannter Hüter von Anstand und Moral aufspielen.“ Was der FPÖ-Hüter von Anstand und Moral damit konkret meinte, bleibt ebenso unergründbar. Tatsache ist aber, dass man sich in der FPÖ hinsichtlich Pressefreiheit wieder einmal falsch verstanden und völlig zu Unrecht angegriffen fühlt. Und in diesem Zusammenhang gleich einmal die Meinungsfreiheit für obsolet erklärt. Das Schlimme daran ist: Die Krawallmacher merken selbst gar nicht mehr, in welcher Permanenz sie die Grundwerte der Demokratie mit Füßen treten. Und sollten sie es doch tun, dürfte mit ihnen erst recht kein Staat gemacht werden.

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Spannende Fragen

Was macht die ÖVP nach der nächsten Kickl-Aktion? Reißt der Geduldsfaden? Aber wird Strache jemals seinen Freund opfern? Zieht Sebastian Kurz nach der nächsten Wahl nochmals eine Runde mit den Blauen? Oder wird er erst in seiner dritten Amtszeit in eine neue Konstellation gehen? Ja, Fragen gibt's immer genug .....
Alex 03.10.2018, 05:31
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Termine

9. November 2018, 20 Uhr

Mannsbilder in Linz

Das Solo-Programm über das Phänomen Mann
Vier Jahre lang habe ich für das Ma ...
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20. November 2018, 19.30 Uhr

Mannsbilder im Studio Akzent

Das Solo-Programm über das Phänomen Mann
Vier Jahre lang habe ich für das Ma ...
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24. November, 19.30 Uhr

Mannsbilder in Klo'burg

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27. November, 20 Uhr

Mannsbilder in Rothneusiedl

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Vier Jahre lang habe ich für das Ma ...
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28. November, 19.30 Uhr

Mannsbilder in Mödling

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12. Dezember 2018, 19.30 Uhr

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