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Der Kampf gegen die Dämonen
Ein 14-Jähriger entscheidet sich für den ersten Zug, die Lässigkeit und einen langen Leidensweg ... bis zu seiner Befreiung
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Von der Heimtücke zum Staunen
Am Anfang war 37, und am Ende die Faszination des Genusses
Meinung
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... wofür? Persönliche Betrachtungen zu einer besonderen Wahl

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10.12.11:51
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Tag 345 - Alleine zu zweit

Es hätte die letzten beiden Auftritte von Gabriele und mir in diesem Jahr werden sollen. Im Kellertheater des Wilheringerhofs in Klosterneuburg hatten wir für zwei Abende zwei Paaradox-Shows auf der ehelichen Agenda. Aber es kam nicht dazu. Den ersten Auftritt - vor ausverkauftem Haus - absolvierten wir noch so, wie wir es idealerweise gewohnt sind. Es war höchst unterhaltsam, und wir fuhren bestens gelaunt nachhause. Am nächsten Morgen jedoch vernahm ich nur ein Krächzen aus dem Mund meiner Frau. Verkühlung da, Stimme weg. Da halfen kein Tee, keine Salbe, keien Zuckerln, keine Beschwörungen. Die Stimme weigerte sich, zurückzukehren. Um 15 Uhr, als klar war, so ist ein Erscheinen auf der Bühne nicht nur sinnlos, sondern als Belastung auch gefährlich, entschlossen wir uns, den Veranstalter zu kontaktieren. Zum ersten Mal in drei Jahren wussten wir: Geht gar nicht. Aus unserer Sicht gab es daher zwei Möglichkeiten. Entweder eine Absage und Verschiebung, oder mein Mannsbild-Programm als Alternative. Wenngleich ich darüber nicht rasend fröhlich war, weil die Menschen ja mit einer völlig anderen Erwartungshaltung ins wiederum ausverkaufte Theater kommen würden. Da hat man dann schon Bauchweh, etwas anderes zu inszenieren - Krankheit hin oder her. Die dritte Option bot uns letztendlich der Veranstalter an. Wie wäre es, meinte er, würde ich die beiden Programm mischen. Heißt: Ich spiele Paaradox eine Halbzeit lang alleine, und nach der Pause bringe ich ein Best-Of meines Solos. Alles das kombiniert mit dem Angebot eines Zusatztermins für die ursprüngliche Duo-Sause. Mein erster Reflex war: Niemals. Undenkbar. Aber nach einer längeren Unterhaltung über die mögliche Umsetzung der Idee fand ich allmählich Vertrauen in das Abenteuer. Ich wollte es wagen. Also arrangierte ich zwei völlig neue Programmteile und reiste alleine nach Klosterneuburg. Und ich gestehe: Ich war schon lange nicht mehr so nervös. Denn obwohl die Menschen instruiert worden waren, wollte ich natürlich auf keinen Fall, dass der Abend zu einer Klamauk-Farce werden könnte. Es kam aber dankenswerterweise eh ganz anders. Der Plan, als Sie und Er permanent die Sitzplätze zu tauschen und mit improvisierten Wortmeldungen die ungewöhnliche Sitauation noch ungewöhnlicher zu gestalten, ging auf. Das Publikum schien an dieser einzigartigen Premiere zunehmend Gefallen zu finden, und das wiederum beflügelte mich zu allerlei Einlagen, die auf der Abwesenheit meiner Frau basierten. Ich spielte mit der historischen Chance, ganz alleine den Kurs des Partnerkabaretts bestimmen zu können. Ich bemerkte aber in der Pause auch, wie unfassbar mich das angestrengt hatte. Denn obwohl ich die Texte von Gaby unzählige Male gehört habe - sie selbst zum Ausdruck zu bringen, forderte mich mehr als ich je gedacht hätte. Es war eine echte Prüfung. Aber sie machte aufgrund der besonderen Szenerie extrem viel Spaß. Trotzdem war ich innerlich erleichtert, als ich mich dann im zweiten Teil auf mein Mann-Sein reduzieren durfte. Und das Feedback war zu meiner allergrößten Freude wirklich toll. Ich habe mich dafür auch ganz besonders bei den Zuschauerinnen und Zuschauern bedankt. Für die wohlwollende und wertschätzende Flexibilität und dieses Getragenwerden vom ersten Augenblick an. Dieser Auftritt bleibt daher eines ganz sicher: Unvergessen.

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09.12.16:37
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Tag 344 - Tschick, Tschick hurra!

Ich hätte es niemals für möglich gehalten (und unlängst sogar dagegeh gewettet), aber es verdichten sich tatsächlich die Gerüchte, dass die schwarzblaue Regierung das Gastronomie-Rauchverbot kippen könnte. In Kenntnis dessen haben nun sogar internationale Experten einen Brief an Sebastian Kurz formuliert. Mit der Warnung: Österreich, das (laut Überprüfungen im Zeitraum 2007 bis 2016) unter 35 europäischen Staaten nachweislich die schwächsten Maßnahmen zur Kontrolle des Tabakkonsums besitzt, drohe international ein Schandfleck in den Aktivitäten gegen den Tabakkonsum zu bleiben bzw. seine Position noch weiter zu verschlechtern. Zitat von Vaughan Rees, Leiter des Zentrums für globale Tabakkontrolle (Harvard Chan School of Public Health) und Lindau Bauld, Präsidentin der europäischen Forschungsgesellschaft zu Nikotin und Tabak vom britischen Zentrum für Studien über Tabak und Alkohol: "Österreichs tödlichste Epidemie kann ohne entschlossene Führung nicht beendet werden". Es grenzt beinahe schon an Frechheit, mit welcher Ignoranz in diesem Land nach dem Motto "Tschick, Tschick hurra!" immer noch gegen sämtliche Erkenntnisse, Studien und Entwicklungen vorgegangen wird. Als wären notwendige und längst anerkannte Initiativen gegen Sucht-Prävention ein wahres Teufelswerk, weil eine mächtige Lobby nichts an ihrer Geschäftspraxis verändern will. Die internationalen Fachgremien haben Österreichs Status bei den Maßnahmen zur Tabakkontrolle in Europa bereits in dreifacher Hinsicht mit einem negativen Spitzentitel belegt. "Weltweit sind die Raucherquoten zurückgegangen, was zu besserer Gesundheit und zu einem geringeren Risiko für einen frühzeitigen Tod für Millionen Menschen geführt hat. Nur ein OECD-Mitgliedsland ist da ständig gegen den Strom geschwommen: Österreich." So lautet der Befund unabhängiger Experten. Und es ist tatsächlich so. Die Zahlen sind alarmierend. Und sie sind es nur deshalb, weil es offensichtlich nicht möglich ist, ein Gesetz zu beschließen und umzusetzen. Die rotschwarze Einigung erfolgte bereits 2015. Aber bereits damals war die Gegenwehr zumindest so erfolgreich, dass man eine dreijährige (!) Übergangsfrist festlegte. Nirgendwo sonst wird mit einer solchen Konsequenz parteipolitische Feigheit so dramatisch sichtbar. "In Österreich blieb der Anteil der täglichen Raucher über Jahrzehnte erstaunlich konstant. Es waren 23,5 Prozent im Jahr 1979, 24,3 Prozent in den Jahren 1997 und 2014", heißt es in dem offenen Brief. Man muss sich das in Anbetracht der globalen Antirauch-Maßnahmen (trotz einflussreicher Knzerne) einmal vorstellen, und man muss gleichzeitig sehen: Die Rate der täglich Rauchenden ist in den USA von 33,5 Prozent auf 20,3 Prozent und dann auf 12,9 Prozent zurückgegangen, in Großbritannien von 39,5 Prozent auf 27,5 Prozent und schließlich auf 19 Prozent. Gelingen konnte das im Sinne der Volksgesundheit und massiver Einsparungen im Gesundheitswesen nur durch entschlossene und vor allem aufklärende Politik. Ein längst üblicher Gegenentwurf zum österreichischen Kleingeistbetrieb, dem nun wieder eine Hintertür geöffnet werden könnte. Denn während in den meisten Staaten das Verhindern des Einstiegs in den Tabakkonsum bei den Kindern politische Priorität genieße, hätte Österreich eine ganz andere Stellung. "Traurigerweise hatte Österreich laut den OECD-Daten 1993 die höchste Raucherrate unter den 15-Jährigen, ebenso noch im Jahr 2013. In diesen 20 Jahren verringerte sich diese Quote nur von 30 auf 27 Prozent", schrieben Rees und Bauld. Aber wenn ein FPÖ-Chefraucher das alles - völlig unabhängig vom willkürlich vernachlässigten Arbeitnehmerschutz - für obsolet erklärt, weil er seiner Tschicker-Klientel im Wort steht, und wenn ein selbst ernannter Wunderwuzzi diesem Ansinnen womöglich im Tausch gegen die Zustimmung zum einen oder anderem ÖVP-Vorhaben entspricht, dann ist das kein Kompromiss ... sondern ein Irrwitz.

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Genau: es herrschen in Österreich derzeit diesbezüglich (wieder) Frechheit, gepaart mit Blödheit & Feigheit. Es ist - wahlweise - zum Verzweifeln oder zum In-Grund-und-Boden-Schämen.
Elena E. 11.12.2017, 14:23
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08.12.17:27
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Tag 343 - Einkaufswagenliebhaber

Auch hier wieder einmal etwas Heiteres. Eine Beobachtung, die ich ach so oft mache, und die ich heute als Facebook-Posting formuliert habe.
"Eine der faszinierendsten Persönlichkeiten unseres Alltags ist der Einkaufswagenliebhaber. Es handelt sich dabei um einen Menschen, der in der festen Überzeugung lebt, mit der 1-Euro-Aktivierung seines Wochenendwarentransportmittels das Recht auf freie Fahrt in sämtlichen Supermarktgängen erworben zu haben. Aber das nur nebenbei. Die wahre Charakteristik des Einkaufswagenliebhabers ist die tiefe, innige, leidenschaftliche Beziehung, die er von der ersten Sekunde des Einkaufszettelabarbeitens an zu seinem rollenden Begleiter aufbaut. Was bedeutet: Der Einkaufswagenliebhaber lässt seinen drahtigen Boliden niemals alleine zurück, und schon gar nicht an einem Platz, wo er womöglich niemandem im Weg herumstehen könnte. Nein, nein, der Einkaufswagenliebhaber hat den Wagen stets an seiner Seite (gerne auch verbunden mit obsessivem Festhalten), um ohne großen Aufwand die so eben eroberte Petersilie augenblicklich hineinplumpsen lassen zu können. Nicht auszudenken, er müsste dafür sieben bis neun Schritte gehen. Möglicherweise hat er aber auch einfach nur Angst davor, dass sich ein heimtückischer Fremdling aus dem Hinterhalt des Getreideregals an sein Wagerl heranpirscht, um dort ein Butterpackerl oder gar eine Tragetasche zu stiebitzen. In diesem Sinne ist es dem Einkaufswagenliebhaber auch völlig einerlei, wenn er sich samt Gefährt beispielsweise in der engen Gemüseabteilung umständlich zwischen viele andere Einkaufswagenliebhaber drängt, um sich im Zentrum des Einkaufswagenparkplatzes auf die Avocado-Suche zu machen. Dass sich in weiterer Folge also wagerllose Supermarktbesucher auf dem Weg zu einem Sack Erdäpfel mit der bewährten Kippstangentechnik ihre eigene Rettungsgasse bilden müssen, irritiert den Einkaufswagenliebhaber nicht im geringsten. Im Gegenteil, er neigt in solchen Fällen eher zur Empörung, weil sein pedantisch eingeparktes Wagerl in solchen extremen Stausituationen vom Eindringling oft einmal rücksichtslos bis zu 60 Zentimeter aus seiner ursprünglichen Position inmitten des Ganges verrückt wird. Vor einigen Jahren einmal habe ich so einem Verstopfungskünstler aus Rache heimlich eine Packung „Durex Fun Explosion“ (18 Kondome mit verschiedenen Farben und Geschmacksrichtungen) zwischen Mozzarella und Knäckebrot ins Wagerl gemengt. Aber mittlerweile bin ich gelassener. Und freue mich einfach nur aufs Erdäpfelgulasch.
Schönes Wochenende!"  

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Wunderbar!

Eh wie immer.
Michael Hufnagl 11.12.2017, 11:49

*kicher*

Wie war das Erdäpfelgulasch?

LG E.
Elena E. 10.12.2017, 13:49
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07.12.14:40
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Tag 342 - The Crown

Wer meine Texte auf dieser Website regelmäßig verfolgt, wird einen Verdacht gegen mich niemals erheben können: Nämlich jenen, ein Adorant der Royals zu sein. Ganz im Gegenteil: Für mich ist die künstlich aufrecht erhaltene Plastikwelt der europäischen Königshäuser ein solcher Anachronismus, dass ich in Anbetracht jeder live im Fernsehen inszenierten Hochzeit, Taufe oder Geburtstagszeremonie nur fassungslos den Kopf schütteln kann. Umso lustiger habe ich die unlängst entdeckte Schlagzeile gefunden, die in Anbetracht einer globalen boulevardesken Schnappatmung wegen der bevorstehenden Heirat des englischen Prinz Harry mit der amerikanischen Schauspielerin Meghan Markle auf einem kritischen Blog produziert wurde. Dort stand nämlich zu lesen: "Successful achtress Meghan Markle to wed former soldier". Und im Text legte der Autor nach: "The 36-year-old star met her fiance - an Englishman by the name of Harry Windsor - in the summer 2016." Grandios. Ich mag diese Süffisanz. Und dennoch möchte ich auch in meiner Funktion als Royal-Ignorant auf eine TV-Serie hinweisen, die ich im vergangenen Jahr auf Anraten einiger königshausaffiner Menschen gesehen habe. Deren Empfehlung hatte damals gelautet: "Du wirst sehen, das gefällt sogar dir." Ich gestehe heute: Sie hatten recht. Und wie auch noch. Ich sah mir "The Crown" nur aus einem einzigen Grund an - um einen Beweis mehr für meinen Widerwillen gegen Kronenstories zu besitzen. Wenig später musste ich konstatieren: Das war eine Fehlannahme. Denn es handelt sich aus meiner Sicht um ein Meisterwerk, in vielerlei Hinsicht. "The Crown" ist eine britische Fernsehserie der Online-Streaming-Plattform Neftlix. Entwickelt wurde sie vom Drehbuchautor Peter Morgan, der u. a. die Ideen für die Filme "Der letzte König von Schottland" (mit Forest Whitaker) oder "The Queen" (mit Helen Mirren) hatte. Die erste Staffel hatte zehn Teile, die mit Hilfe sagenhaft opulenter Bilder und einer einzigartigen Ästhetik die Lebensgeschichte der jungen britischen Königin Elisabeth II. erzählt. Die vor allem begreifbar macht, unter welchen historischen Umständen, unter welchem Druck eine Thronfolgerin (gespielt von Claire Foy) in ihre Rolle wachsen muss. Stets begleitet von einem charismatischen Premierminister Winston Churchill (ein famoser John Lithgow). Ich habe diese erste Staffel (mit Produktionskosten von 80 Millionen Dollar die bis dato teuerste Netflix-Serie aller Zeiten) in wenigen Tagen fertig gesehen und seither wirklich voller Vorfreue auf die Fortsetzung gewartet. Jetzt ist es endlich so weit. Ab morgen startet die zweite Staffel von "The Crown", mit der Ehekrise zwischen der Queen und Prinz Philip. Die Story setzt im Jahr 1957 an und taucht bis 1964 in die moralischen Untiefen des Buckingham Palace ein. Es geht los. I'm amused. Betrachten Sie das bitte als Empfehlung.

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06.12.17:44
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Tag 341 - "Heimatschutz"

Ein Thema, das mir schon seit Tagen als Kommentar unter den Fingern brennt. Daher habe ich es jetzt auch auf Facebook, wo ich bis zur Angelobung und zur damit verbundenen offiziellen Präsentation eines neuen Regierungsprogramms nichts Politisches mehr schreiben wollte, in Worte gefasst:
Wer sich mit dem historisch besetzten Begriff „Heimatschutz“ näher beschäftigt (kleiner Tipp: Googeln hilft fürs Erste), darf sich natürlich darüber wundern, dass ÖVP und FPÖ im Rahmen ihrer Koalitionsverhandlungen in einer Arbeitsgruppe eines der fünf Hauptthemengebiete „Sicherheit, Ordnung und Heimatschutz“ nennen. Sehr viele Menschen wundern sich darüber hingegen nicht im geringsten, auch darüber darf man sich allenfalls wundern. Jede und jeder möge sich doch wundern, wo und wie sie und er will. Dass es in einer kommenden schwarzblauen Regierung ein Ministerium geben soll, in dem der „Heimatschutz“ namentlich verankert wird, ist bis dato jedoch eine reine Spekulation. Wer letztendlich dafür verantwortlich ist, dass diese Idee mehr und mehr in unser Bewusstsein dringt, ist nicht zu beantworten. Der Verdacht liegt freilich nahe, dass – wie so oft in der Politik – ein bewusstes Streuen stattgefunden hat. Und das bringt mich zum Punkt. Denn genau dieses Infiltrieren nach dem Credo „Sprache läbt“ dynamisiert sich ganz offensichtlich sehr effektiv. Ich bemerke jedenfalls seit einiger Zeit, mit welcher wachsenden Selbstverständlichkeit Fernsehen, Radio und Zeitungen das Heimatschutz-Ministerium (gerne auch in Kombination mit Innenministerium oder Verteidigungsministerium) zu einem Teil ihrer alltäglichen Berichterstattung machen. Ohne jede Gewissheit. Und vor allem ohne jedes Befremden. Diese sprachliche Assimilation finde ich in höchstem Maße irritierend. Nun mag meine diesbezügliche Verstörung anderen Menschen nur ein Lächeln wert sein, weil es sich doch auf dem seit Wochen ausgerufenen Weg zur Rettung der Republik bitteschön um eine Petitesse handelt, und weil bitteschön nix Verwerfliches dran ist, seine Heimat schützen zu wollen … aber ich will bitteschön trotzdem auf meine Sensibilität im Umgang mit Sprache bestehen. Denn Worte sind scharfe Waffen, die auch aus dem Hinterhalt gezielt zum Einsatz kommen können. Und in meiner Wahrnehmung wird diese uralte Erkenntnis nicht ernst genug genommen. Daher mein Adventwunsch: Lasst uns froh und munter sein. Und wachsam.  

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Unbehagen

Genau darauf habe ich gewartet: dass jemand mein Unbehagen über diese
Wortschöpfung (die genau genommen keine ist, sondern an unselige
Zeiten erinnert) in Worte fasst, wie Sie das jetzt getan haben. Oder ist
auch das schon selbstverständlich, einen derart belasteten Ausdruck einfach
so hinzunehmen? Oder ist die "Trumpisierung" unserer Gesellschaft schon
so weit fortgeschritten? Ich fürchte nur, dass wachsam sein allein nicht
genügen wird ....
Doris Alt 08.12.2017, 20:38
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05.12.20:17
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Tag 340 - Ehe für alle!

Selbstverständlich ist es eine ganz besondere Ironie des Schicksals, dass die Ehe für alle ausgerechnet zum Start einer schwarzblauen Regierung endlich zugelassen wird. Der Verfassungsgerichtshof gab heute den Weg dafür frei. Heißt: Mit einem Erkenntnis hob er die bis ato gültigen Regeln auf, die gleichgeschlechtlichen Paaren den Zugang zur Ehe verwehrt hatte. Damit dürfen homosexuelle Frauen und Männer ab der Gültigkeit des Urteils, also ab dem 1. Jänner 2019, offiziell in Österreich heiraten. Das Höchstgericht begründete diesen Schritt mit dem Diskriminierungsverbot des Gleichheitsgrundsatzes. Interessanterweise wird auf diesem Weg ausgerechnet unser Land zum Role Model für ganz Europa. Denn während es anderswo zwar politische Festlegungen zur Ehe für alle gibt, existiert in Österreich von nun an eine rechtliche Grundlage dafür, das ist einzigartig. Als die Meldung über die Entscheidung des VfGH kam, war ich seit langer Zeit wierder einmal richtig euphorisiert. Denn ich dachte in der Sekunden voller Freude an die vielen Menschen, die ich seit Jahren kenne, und die mir immer wieder über ihren fast schon verzweifelten Kampf um Ehe und Gleichheitsgebot erzählten. Heute dürfen sie jubeln, feiern, ihr Glück und ihre Liebe in die Welt hinausschreien. Das ist schön, richtig schön. Ich habe dann eine halbe Stunde lang den fehler gemacht, und in allerlei Fopren die Kommentare zu diesem historischen Bescheid gelesen, mein einziger Gedanke war allerdings nur: Mögen nur ja nicht mehr Volksabstimmungen in diesem Land zugelassen werden. Das Erstaunliche und Traurige ist und bleibt für mich: Wie es möglich sein kann, so viel Hass und Missgunst zu entwickeln, obwohl die Partnerschaft anderer Menschen auf das eigene Leben nicht die geringsten Auswirkungen hat. Umso rätselhafter ist mir die geistige Verkrustung, die vor allem von jenen befeuert wird, die es besser wissen müssten, aber nur ihre eigene tradierte Engstirnigkeit formulieren. Wie Herbert Kickl. der FPÖ-Generalsekretär war der erste, der sich nach dem VfGH-Erkenntnis empört an die Öffentlichkeit wandte: "Jetzt ist genau das eingetreten, wovor wir bereits 2009 bei Beschluss der eingetragenen Partnerschaft gewarnt haben: Dieses Instrument wird der Türöffner in Richtung einer Entwicklung sein, an deren Ende mit der sogenannten Ehe für alle, vulgo ‚Homo-Ehe‘, Ungleiches gleich behandelt wird. Jetzt ist es soweit." Wie genau der Schaden für die Gesellschaft, vor dem der blaue Visionär schon 2009 gewarnt hatte, aussieht, wird freilich nicht geklärt, aber lar ist natürlich: "Der besondere Schutz der Ehe von Mann und Frau verdanke sich schlicht und ergreifend der Tatsache, dass einerseits nur in dieser Verbindung der Möglichkeit nach neues Leben entstehen kann." Immer wieder das geiche blöde Argument. Das u. a völlig außer acht lässt, dass beispielsweise auch alte Menschen von gesetzes wegen heiraten dürfen, obwohl durch ihre Verbindung zwar viel entstehen kann, aber sicher kein neues Leben mehr. Das fast schon hysterische Klammern an einer alten Ordnung hat daher durchaus schon etwas Tragikomisches an sich. Übertroffen wird Kickl erwartungsgemäß nur noch von Kardinal Schönborn, der aus seinem Entsetzen (leider Gottes) kein Geheimnis machte. Aber abgesehen von der Tatsache, dass es sich beim Urteil zur Ehe für alle um eine staatliche Regelung handelt, die einen Kirchenmann nicht das geringste angehen sollte, so habe ich für die entrückte Wahrnehmung Schönborns dennoch deutlich mehr Verständnis als die vielen Moralhüter in den sozialen Netzwerken. Denn ganz ehrlich: Dass jemand, der seit Jahrzehnten aus tiefster Überzeugung den konservativsten aller Glaubenslehren folgt, diese Entwicklung als Tabubruch erachtet, dürfte nicht sehr verwundern. Ich will mir daher auch die Polemik ersparen, welche mir im Angesicht der Kardinalsworte in den Kopf kamen.Wie etwa: "Es ist beunruhigend, dass sogar die Verfassungsrichter den Blick verloren haben für die besondere Natur der Ehe als Verbindung von Mann und Frau. Sie ist wie keine andere Beziehung geeignet, Kinder hervorzubringen, zu hüten und aufzuziehen und damit die Generationenfolge zu sichern." Diese konsequent enge Betrachtung erscheint mir für jemanden, der es gewohnt ist, die Liebe zu predigen, doch sehr bemerkenswert. Und wenn Schönborn beim VfGH ein "Verneinen der Wirklichkeit" ortet, dann muss er sich sehr wohl die Frage gefallen lassen, wie er in Anbetracht einer Institution, die in allen wesentlichen Funktionen keine Frauen duldet, auf so eine Idee kommen kann. Ich lasse daher auch diesen Kardinalsgedanken, formliert im dritten Jahrtausend, so stehen, will ihn aber an dieser Stelle dokumentiert wissen: "Ich bin zuversichtlich, dass sich langfristig die Einsicht in die Schöpfungsordnung wieder durchsetzen wird, die der Mensch nicht missachten kann, ohne Schaden zu nehmen." Dem gegenüber stelle ich lieber das Twitter-Zitat von Caritas-Präsident Michael Landau, der da schrieb: "Gerichte sprechen Recht. Ihr untadeliger Ruf und ihre Integrität sind in einer Demokratie von höchster Bedeutung. Es gibt viele gute Gründe, gerade in fordernden Zeiten auf den VfGH ein Bier zu trinken." Auch das kann Kirche sein.

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04.12.21:00
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Tag 339 - Hört endlich auf!!!

Ich werde diesmal den Sachverhalt ganz bewusst nicht darstellen. Denn es geht mir ehrlicherweise unfassbar auf den Arsch (ja, ich wiederhole: auf den Arsch), dass sich ein elendes Schmierblatt wie Österreich permanent mit blödsinnigen oder erlogenen Geschichten die Lufthoheit im medialen Wettfliegen erobert. In diesem Fall war es eine jenseitige Nikolo-Geschichte, die nicht nur null recherchiert worden war, sondern auch zahlreiche engagierte Menschen einer Wiener Schule wider jedes Ge-(Wissen) diskreditierte. Es handelte sich um eine einzige Aufbereitung dumpfer Ressentiments und Ausländerfeindlichkeit. Und alle anderen Medien sind auf den Zug des Hetzens und des Widerspruchs zum Hetzen aufgesprungen. Ich kann in Worten gar nicht zum Ausdruck bringen, wie sehr ich diese Zeitungskultur verachte, und mit welchem Zorn es mich erfüllt, dass so ein Drecksjournalismus auch noch mit meinem Steuergeld gefördert wird. Viele Millionen werden an Österreich und seinen medialen Bandwurm oe24 direkt oder via Inserate überwiesen, mit der Folge, dass nicht nur U-Bahnhöfe, sondern vor allem Köpfe systematisch verschmutzt werden. Und ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich schon Freunde und Bekannte gebeten habe: Ich flehe Euch an, hört endlich auf, diesen ganzen widerlichen Boulevard-Mist in den sozialen Netzwerken zu verlinken! Hört endlich auf, zur Demonstration eigener geistiger Überlegenheit den ganzen vergiftenden Irrsinn zu einer flächendeckenden Verbreitung zu verhelfen! Hört endlich auf, Euch mit der unfreiwilligen Stärkung von dieser und jener Müll-Marke zu Komplizen zu werden, für ein Geschäftsmodell, das auf Lüge, Niedertracht und Perfidie errichtet ist. Wir alle sind mit unserem Verlinken, Teilen und Benennen mitschuld an der Popularität des Gossenwesens. Und erst dann, wenn wir damit beginnen, die Boulevard-Dämonen zu ignorieren, wenn wir nicht mehr hingreifen, nicht mehr durchblättern, nicht mehr reinlesen und nicht mehr online stellen, erst dann wird sich allmählich etwas verändern können. Nur ein Beispiel: Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendwer Jeannée liest, Jeannée empörend findet, Jeannée abfotografiert, Jeannée ins Netz transferiert und Jeannée in die Auslage legt, zur Initiierung einer epidemischen Empörungskultur. WARUM? Was soll das bringen? Wem soll das dienen? Außer der Verbreitung von Jeannée und der Erkenntnis bei der Kronen Zeitung: Das Übel zeigt Wirkung, das Übel geht richtig ab, wir brauchen mehr Übel ... und noch mehr ... und noch mehr. Sorry for that, aber: Verschont mich und uns alle endlich mit dieser Scheiße!!! Bitte!!!

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"Wohldosiert" also

Interessanterweisetrifft es das tatsächlich. Denn mein Ekel vor dem Boulevard ist mittlerweile so groß, dass ich ihn kaum noch in druckreife Worte fassen kann.
Michael Hufnagl 08.12.2017, 15:26

Danke

für Ihren wohldosierten Zorn, der den Groll vieler Menschen punktgenau benennt. Aber legen Sie sich bitte nicht zu viel mit den Mächtigen an, sonst werden Ihnen auch Presseförderung und Inserate gestrichen ;-)
Alex 08.12.2017, 09:58

bitte diesen Beitrag auf FB posten, denn hier lesen es nur diejenigen die wie ich vermute diesen Schund sowieso nicht lesen. Ausserdem könnte man es dann teilen und so zur größeren Verbreitung beitragen.
Schöne Feiertage und liebe Grüße

Walter Klausser
wkl 07.12.2017, 14:51
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03.12.22:49
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Tag 338 - Phänomen Hirscher

Als wäre das Schicksal ein Abonnent meiner Seite. In meinem gestrigen Beitrag erst schrieb ich über das Phänomen Mikaela Shiffrin, und wie wenig Bezug ich zum hierzulande leidenschaftlich gepflegten Ski-Patriotismus habe. Und was passiert? Ein Österreicher schreibt auf der Piste von Beaver Creek eine Geschichte, wie sie grandioser und einzigartiger kaum sein könnte. Zu meiner Ehrenrettung füge ich jedoch hinzu, dass ich über den Giganten Marcel Hirscher an dieser Stelle schon so viel Begeisterung formuliert habe, dass ich mit Leichtigkeit behaupten kann: Ich ziehe meinen Skihelm nicht, weil Hirscher Österreicher ist, sondern trotz seiner Nationalität. Die ist mir nämlich tatsächlich wurscht. Faktum ist: Was heute beim Riesentorlauf in den USA inszeniert wurde, war ein Spektakel, wie es so manche Vorstellungskraft sprengt. Zur Erinnerung: Marcel Hirscher brach sich im August beim Training den Knöchel. Was das im Spitzensport bedeutet, wissen wir. Da geht es nicht nur um die Pause, bis so eine schwere Verletzung ausgeheilt ist, nicht nur um Operation und Rehab. Sondern vor allem auch um die enormen Versäumnisse abseits des schwer lädierten Fußes. Es ist fast unmöglich, die Fitness auf einem spitzensportmäßigen Niveau, die Ausdauerwerte hoch und den gesamten Muskelapparat im Schnellkraftbereich rennbereit zu halten. Wer nach einem Knöchelbruch die Idee hat, rund hundert Tage später wieder ein Weltcuprennen schmerzfrei bestreiten zu können, würde trotz der Möglichkeiten moderner Medizin wohl eher als Spinner betrachtet. Und wer glaubt, so ein Rennen auch noch gewinnen zu können, fiele mit Sicherheit in die Kategorie "Verrückter". Aber vielleicht ist er das ja. Genau das, ein Verrückter. Er möge das selbst beurteilen. Auf jeden Fall ist Marcel Hirscher ein außergewöhnlicher Sportler, der offensichtlich nicht nur über ein besonderes Körpergefühl verfügt, und die Fähigkeit, genau zu wissen, was er sich zumuten kann. Sondern der vor allem eine solche Intuition im Zusammenspiel zwischen Mensch und Schnee besitzt, dass er Leistungen vollbringt, die wir Wunder nennen. Vor dem zweiten Durchgang in Beaver Creek, den er als Dritter in Angriff nahm, hatte Hirscher gesagt: "Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass ich auch hier - wie beim Slalom in Levi - im Finale zurückfalle, weil mir noch zu viel Training fehlt". Was geschah? Das Gegenteil. Der Salzburger, der in den Trainings zuletzt deutliche Zeitrückstände hatte ("anfangs der Woche haben mich die Jungs noch ordentlich hergewatscht"), drehte auf, fixierte Bestzeit und katapultierte sich auf Platz 1. Was den geschlagenen Henrik Kristoffersen zu der simplen Erkenntnis verführte: "Marcel ist einfach der beste der Welt." Viel mehr gibt es da nicht zu sagen. Außer das spannende Detail, dass Hirscher diesmal etwas tat, was er sonst nie tut: Materialrisiko nehmen. "Im Finale habe ich brutal hoch gepokert und einen neuen Ski genommen. Das macht man normal nicht, aber er hat mir beim Einfahren total getaugt." Er schnallte also einen im Rennen noch nie gefahrenen Ski an und carvte zu seinem 46. Weltcupsieg, seinem 23. im Riesentorlauf. Und freute sich am Ende vor allem über den Knöchel, der allen Belastungen standhält. "Mein Fuß ist nun deutlich besser, ich spüre ihn unterm Fahren überhaupt nicht mehr." Was die Ärzte, die Physiotherapeuten und die Masseure in den vergangenen Wochen und Monaten vollbracht haben, sei daher ebenso ehrfurchtsvoll erwähnt. Und auch für die muss es bewegend und motivierend sein zu wissen: Unser Patient ist ein Verrückter.

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02.12.23:21
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Tag 337 - Shiffrin on fire

Alle jene Leserinnen und Leser, die mich schon länger begleiten, wissen, dass mir speziell im Skisport Patriotismus fremd ist. Das liegt einerseits am Hochmut der Funktionäre, der mir immer auf die Nerven gegangen ist. Und andererseits an der österreichischen Medieninszenierung, die uns das Gefühl vermittelt, die ganze Welt hat nichts anderes zu tun als unser Land und unsere Skifahrer zu bewundern. Was wiederum in der landestypischen Unterwürfigkeit und Wir-Euphorie gipfelt, die ich eher gruselig als ermunternd finde. Es soll ja Reporter geben, die tatsächlich immer noch beseelt sind vom Gedanken, dass Skifahrer für die Nation siegen, und nicht womöglich für sich selbst. Egal, ich war immer ein großer Freund der außergewöhnlichen Athleten, unabhängig ihrer Nationalität. In diesem Sinne beeindruckt mich, fasziniert mich, begeistert mich derzeit keine Frau so sehr wie Mikaela Shiffrin. Für die junge Dame scheint es offensichtlich keine Grenzen zu geben. Die Amerikanerin erweckt den Eindruck, als wäre sie immer schon im Zirkus dabei gewesen, weil wir sie ununterbrochen auf den Siegespodesten dieser Welt sehen. Aber in Wahrheit ist sie erst 22 Jahre alt und seit fünf Jahren dabei. Allerdings hat sie sich bereits zu Beginn ihrer Karriere de facto nicht lange im geschlagenen Feld aufgehalten, sondern lieber gleich zu siegen begonnen. Es ist daher nicht übertrieben, wenn ich schreibe: Shiffrin ist ein Jahrhunderttalent. Und ich finde die Art und Weise, wie sie ihre Konkurrenz in Grund und Boden fährt, dermaßen imposant, dass ich ihr von Rennen zu Rennen immer nur das beste wünsche. Und das ist bekanntlich Platz 1. Am 20. Dezember 2012 gewann sie als 17-Jährige ihr erstes Weltcuprennen, den Slalom von Aare. Danach kamen 32 Weltcup-Siege dazu, 49 Mal stand sie insgesamt auf dem Podest. Außerdem ist sie 4-fache Weltmeisterin, 4-fache Slalom-Weltcupsiegerin, Gesamtweltcupsiegerin und Goldmedaillengewinnerin bei den Olympischen Spielen. Und sie hat das ideale Alter für Athletinnen noch nicht einmal ansatzweise erreicht. In der ewigen Bestenliste ist Shiffrin mittlerweile auf Platz 8. Nur Vonn (77), Moser-Pröll (62), Schneider (55), Götschl (46), Pärson (42), Schild (37) und Seizinger (36) liegen noch vor ihr. Warum ich das überhaupt schreibe? Weil die Lady aus Vail heute schon wieder die Schnellste war. Diesmal allerdings in der Abfahrt. Das verdient echt den allergrößten Respekt. Denn als Slalomkönigin fährt sie ohnehin schon in einer eigenen Dimension (26 Karriere-Triumphe). Aber jetzt beginnt sie offensichtlich auch noch damit, als Downhillerin den Rivalinnen den Kampf anzusagen. Shiffrin gewann jedenfalls in Lake Louise vor der Deutschen Rebensburg, der Schweizerin Gisin und der Österreicherin Hütter. Es war ihr erster Abfahrtserfolg. Was umso erstaunlicher ist, weil es überhaupt erst ihr vierter Abfahrtsstart war. Danach sagte sie: "Das ist verrückt. Ich muss sagen, ich hatte auf der ganzen Fahrt Sonne. Ich bin aber gut gefahren." Alle wissen, wie extrem ehrgeizig die junge Amerikanerin. Aber ein bisserl Fairness geht sich trotzdem immer noch aus. Ein Genie am Ski, i like her so much.

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01.12.19:19
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Tag 336 - Ehrung für Burschenschafter

Ich fürchte, wir werden uns von nun an immer öfter mit solchen sonderbaren Geschichten herumschlagen müssen. Rüdiger Haider, Sohn des FPÖ-Abgeordneten Roman Haider, ist vom Bundesheer bestraft worden, weil er bei einer Veranstaltung im Parlament in Bundesheer-Uniform und einer Burschenschafter-Schleife erschienen war. Das Verteidigungsministerium bestätigte diesen Bericht der Tiroler Tageszeitung. Dem Rekruten war die Franz-Dinghofer-Medaille für Verdienste um die Demokratie verliehen worden. Diese Begebenheit war den Medien flächendeckend nur einen Nebensatz wert, nahezu überall fehlte die Frage: Wer um Himmels Willen ist denn Franz Dinghofer, in dessen Namen im österreichischen Parlament Ehrenmedaillen vergeben werden. Nun, in aller Kürze: Dinghofer (Jahrgang 1873) war Richter, von 1907 bis 1918 Bürgermeister in Linz und gilt als Gründer der ersten Schrebergärten in Österreich. Leider ist das nicht seine einzige Idee gewesen. Im Jahr 1919 gründete er, der Erschaffer des Deutschen Volksbunds, auch die Großdeutsche Vereinigung, aus der ein Jahr später die Großdeutsche Volkspartei hervorging, deren Obmann er war. Die Charakteristik der Partei war, das kommt jetzt nicht unerwartet, unter anderem deutschnational und antisemitisch. Dinghofer rief am 12. November 1918 als Präsident der provisorischen Nationalversammlung "die Republik Deutschösterreich" aus. Für die FPÖ wurde er so "zum Verkünder der Republik in der Geburtsstunde Deutsch-Österreichs, des heutigen Österreich". In diesem Sinne wird auch im Jahr 2017 immer noch ein Festakt initiiert, um die Dinghofer-Medaille zu überreichen. Rekrut Haider wurde dabei nicht nur von Olympier Martin Graf geehrt, sondern auch von ... H. C. Strache, dem kommenden Vizekanzler der Republik Österreich. Da scheint mir der Umstand, dass der Recke zu besagtem Festakt im Parlament in Bundesheer-Uniform erschien, noch eine verhältnismäßig vernachlässigbare Symbolik. Sinnstiftender wird die Geschichte dann schon durch die Ergänzung, dass er auch gut sichtbar das Band einer schlagenden Burschenschaft trug, deren Mitglied er ist. Aus Sicht des Heers gilt das als ein Verstoß gegen die Uniformverordnung. Mehr fällt den bürokratischen Verantwortlichen zu der ganzen kruden Story offensichtlich nicht ein. Nach einer internen Prüfung beim Heer wurde Haider jedenfalls "disziplinär bestraft, er ist einsichtig und hat die Strafe angenommen. Sie ist damit rechtskräftig." Welche Strafe genau? Das durfte Bundesheer-Sprecher Oberst Michael Bauer nicht kundtun. Der militärische "Strafkatalog" reicht von einem Verweis, also einer Art Rüge, bis hin zur Entlassung. Letztere wurde aber nicht ausgesprochen. Bleibt nur noch die Frage, mit welcher Leistung sich der junge Mann die Dinghofer-Medaille in den Augen der FPÖ-Ideologen verdient hat. Auch das ist von einer jenseitigen Brisanz: Rüdiger Haider hatte als teilnehmender Gymnasiast im Frühjahr seinen Vater telefonisch über den Inhalt eines Vortrags eines Extremismus-Experten an seiner Schule informiert. Der Abgeordnete veranlasste daraufhin den Direktor, den Vortrag zu stoppen. Der FPÖ-Politiker rechtfertigte sich damit, dass es im Vortrag nur um die "Gefahr von rechts" gegangen sei. Wie sich später herausstellte, erfolgte der Abbruch des Vortrags zu Unrecht. Ganz egal. Für erfolgreiches Denunzieren (also "Dienste um die Demokratie") folgte jetzt die Ehrung. Über diese gesamte Chronologie dürfen wir auch in Anbetracht der nahenden Koalition intensiv nachdenken.üdiger Haider, Sohn des FPÖ-Abgeordneten Roman Haider, ist vom Bundesheer bestraft worden, weil er bei einer Veranstaltung im Parlament in Bundesheer-Uniform und einer Burschenschafter-Schleife erschienen war. Das Verteidigungsministerium bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Tiroler Tageszeitung". Dem Rekruten war die Franz-Dinghofer-Medaille für Verdienste um die Demokratie verliehen worden. Geehrt wurde er von FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache und dem früheren Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf. Zu dem Festakt im Parlament erschien der Rekrut in Bundesheer-Uniform. Dazu trug er sichtbar das Band einer schlagenden Burschenschaft, deren Mitglied er ist: Aus Sicht des Heers ein Verstoß gegen die Uniformverordnung. Nach einer internen Prüfung beim Heer wurde der Rekrut "disziplinär bestraft, er ist einsichtig und hat die Strafe angenommen. Sie ist damit rechtskräftig", teilte Bundesheer-Sprecher Oberst Michael Bauer der TT mit. Art der Strafe unbekannt Die Art der Strafe durfte Bauer allerdings nicht kundtun. Der militärische "Strafkatalog" reicht von einem Verweis, also einer Art Rüge, bis hin zur Entlassung. Letztere wurde aber nicht ausgesprochen. Rüdiger Haider sorgte bereits im Frühjahr für Schlagzeilen, die ihm letzten Endes die Dinghofer-Medaille einbrachten. Als Gymnasiast hatte er seinen Vater über den Inhalt eines Vortrags eines Extremismus-Experten an seiner Schule informiert. Der Abgeordnete veranlasste den Direktor, den Vortrag zu stoppen. Der FPÖ-Politiker rechtfertigte sich damit, dass es im Vortrag nur um die "Gefahr von rechts" gegangen sei. Wie sich später herausstellte, erfolgte der Abbruch des Vortrags zu Unrecht. - derstandard.at/2000068857673/Burschenschafter-Schleife-auf-Uniform-Rekrut-wurde-bestraft

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30.11.23:51
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Tag 335 - Die Rückkehr des Tigers

Ich kann das ja ehrlich zugeben: Ich bin nicht nur selbst ein begeisterter Golfer, sondern ich wurde auf meinem Weg der Leidenschaft auch in einem enormen Ausmaß mit den Triumphen von Tiger Woods sozialisiert. Seine spektakuläre Art, dieses Spiel zu begreifen und zu offenbaren, war für mich als Beobachter immer die pure Freude, und immer die Inspiration, Golf als faszinierendes Ereignis zu betrachten. Ich habe mir einst sogar das große Lehrbuch des Tiger Woods gekauft, um seine vielen, vielen Tipps aufzusaugen und in endlosen Trainingssessions auf der Driving Range zu üben. In aller Kürze: Dieser Mann war rund zwanzig Jahre lang der Inbegriff einer Sportart, und als er wegen seiner privaten Eskapaden und der zahlreichen Verletzungen nicht mehr auf der Tour spielte, verringerten sich die Einschaltquoten der US-Sender um mehr als die Hälfte. Wenn also für einen Sportler der Begriff "Superstar" jemals seine wahre Bestimmung und Berechtigung hatte, dann ganz sicher für Woods. Aber jede Ära hat einmal ein Ende, und so schrieb ich vor einem Jahr für das Magazin Der Golfer einen Abschiedstext, angelehnt an den Sinatra-Song "My way". Damals war der Amerikaner nur mehr ein Schatten seiner selbst, sein Körper kaputt, seine Seele geschunden von den vielen Jahren an der Spitze und im Scheinwerferlicht. Es war ein sehr melancholischer Text über das Adieu eines Idols, einer Idee und über die Gewissheit, dass es kein Comeback mehr geben könne. Und nur zum Schluss der Geschichte formulierte ich eine winzige Hoffnung, dass uns das Phänomen, der nahezu alle denkbaren rekorde gebrochen hatte, vielleicht doch noch einmal - wie so oft in seiner Karriere - überraschen könnte. Und nun, ich will es echt nicht verschreien, hat sich Tiger Woods mit aller Kraft und voller Esprit tatsächlich zurück gemeldet. Es ist wie ein Märchen. Auf jeden Fall sehr erstaunlich. Bei der Hero World Challenge auf den Bahamas, seinem eigenen Turnier, spielte sich der Kalifornier heute in einem hochkarätig besetzten Feld von 18 Profis zum Auftakt auf den geteilten achten Platz, mit fünf Birdies und nur zwei Bogeys ... bemerkenswert nach einer so langen Turnier-Abstinenz. Dabei schenkte er seinen Fans nicht nur wieder das Bild von den zarten Knospen seines Zaubers, viel wichtiger war: Der lädierte Rücken, der den 14-fachen Major-Champion zuletzt in die Verzweiflung getrieben hatte, schien ihm keine Probleme zu bereiten. Für Tiger, der Ende Dezember 42 Jahre alt wird, war es der erste Wettkampf nach einer 301-tägigen Pause. Insgesamt ist es für den besten Golfer aller Zeiten das neunte Comeback nach einer Verletzung seit 2002. In der Zwischnezeit wird Woods nur noch an Position 1199 der Weltrangliste geführt. Einer Rangliste, die er einst 683 Wochen als Nummer 1 angeführt hatte, einmal sogar 281 Wochen in Serie. Nach seiner vierten Rückenoperation und einem öffentlich gewordenen Horrortrip wegen Medikamenten versucht er nun erneut die Rückkehr. Und ich kann gar nicht in Worten ausdrücken, wie sehr ich ihm und den Golffans einen Erfolg gönnen würde. The showman is back on course - Effekte sind garantiert. Hoffentlich endlich wieder die richtigen.  

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29.11.18:09
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Tag 334 - Nur nicht "Rohingya" sagen

Ich weiß nicht, wie oft ich mir schon die Frage gestellt habe: "In was für einer Welt leben wir eigentlich?" Heute war es jedenfalls wieder so weit. Papst Franziskus, von dem ich mittlerweile glaube, dass er die Erde nicht nur besser machen will, sondern sie möglicherweise tatsächlich ein bisschen besser macht, hat bei seinem Besuch in Myanmar das Land zu Gerechtigkeit und Achtung der Menschenrechte, und zwar "jeder Volksgruppe", aufgefordert. Das hat natürlich einen tragischen Hintergrund. Weshalb das Oberhaupt der Katholischen Kirche bei seinem Treffen mit der Regierungschefin Aung San Suu Kyi in der Hauptstadt Naypyidaw auch nicht direkt auf die Verfolgung der muslimischen Rohingya-Minderheit einging. "Tatsächlich kann der mühevolle Prozess des Friedensaufbaus und der nationalen Versöhnung nur durch den Einsatz für die Gerechtigkeit und die Achtung der Menschenrechte vorankommen", sagte der Papst. Und dass das Land eine "Verpflichtung, diese Grundprinzipien zu wahren" hätte. Wohl wissend: Mehr als 620.000 Rohingya sind allein in den vergangenen drei Monaten aus Angst vor brutaler Verfolgung durch das Militär aus dem Teilstaat Rakhine nach Bangladesch geflüchtet. Die Vereinten Nationen sprechen bereits von "ethnischer Säuberung", Suu Kyi wird international kritisiert, weil sie sich nicht gegen die Gewalt einsetze. Franziskus betonte daher im Rahmen seines höchst umstrittenen Besuchs, dass alle Menschen in Myanmar ein Recht auf menschenwürdige Behandlung hätten. Die Perfidie an der Geschichte. Der Papst benutzte das Wort "Rohingya" kein einziges mal. Er sprach namentlich nicht aus, was auszusprechen war, sondern beließ es bei der Andeutung. Warum er das tat? Weil es ihm die Katholische Kirche des Landes, vertreten durch Erzbischof Charles Bo, geraten hatte. Mit dem Hinweis darauf, dass allein die Nennung des Namens als Provokation aufgefasst werden und dadurch neue Gewalt entstehen könne. Folglich musste sich der Papst aus Sicherheitsgründen mit einer allgemein gültigen Mahnung zufrieden geben: Es dürfe niemand ausgeschlossen werden: "Die Zukunft Myanmars muss der Friede sein – ein Friede, der sich auf die Achtung der Würde und der Rechte eines jeden Mitglieds der Gesellschaft gründet, auf die Achtung jeder ethnischen Gruppe und ihrer Identität, auf die Achtung des Rechtsstaats und einer demokratischen Ordnung, die es dem Einzelnen und jeder Gruppe erlaubt, seinen legitimen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten." Auch die Staatschefin sprach danach in ihrer Rede über die "Herausforderungen, vor denen unsere Regierung beim Aufbau des Friedens steht". Ihre Regierung bemühe sich darum, die Rechte aller Menschen in Myanmar zu schützen. Ihr Ziel sei auch, zur Schaffung von Frieden Toleranz zu fördern und Sicherheit für alle zu gewährleisten. Bewegende Worte, möchte man meinen. Aber auch Suu Kyi nannte die Rohingya nicht ein einziges Mal beim Namen. Der Kampf der Religionen ist die größte Bedrohung unserer Zeit, dessen bin ich mir sicher. Denn wenn schon allein die Namensnennung einer verachteten Gruppe Hass und Gewalt garantiert, dann müssen wir uns mehr sorgenvolle Gedanken denn je machen. Was für ein Irrsinn. apst Franziskus hat bei seinem Besuch in Myanmar am Dienstag das Land zu Gerechtigkeit und Achtung der Menschenrechte und "jeder Volksgruppe" aufgefordert. Allerdings ging er bei einem Treffen mit der Regierungschefin Aung San Suu Kyi nicht direkt auf die Verfolgung der muslimischen Rohingya-Minderheit ein. "Tatsächlich kann der mühevolle Prozess des Friedensaufbaus und der nationalen Versöhnung nur durch den Einsatz für die Gerechtigkeit und die Achtung der Menschenrechte vorankommen", sagte der Papst in der Hauptstadt Naypyidaw. Das Land habe eine "Verpflichtung, diese Grundprinzipien zu wahren". Mehr als 620.000 geflohen Hunderttausende Rohingya sind aus Angst vor brutaler Verfolgung durch das Militär aus dem Teilstaat Rakhine nach Bangladesch geflüchtet, allein in den vergangenen drei Monaten waren es mehr als 620.000. Die Vereinten Nationen sprechen von "ethnischer Säuberung". Suu Kyi wird international kritisiert, weil sie sich nicht gegen die Gewalt einsetze. - derstandard.at/2000068637036/Papst-ruft-in-Myanmar-zur-Achtung-jeder-Volksgruppe-auf apst Franziskus hat bei seinem Besuch in Myanmar am Dienstag das Land zu Gerechtigkeit und Achtung der Menschenrechte und "jeder Volksgruppe" aufgefordert. Allerdings ging er bei einem Treffen mit der Regierungschefin Aung San Suu Kyi nicht direkt auf die Verfolgung der muslimischen Rohingya-Minderheit ein. "Tatsächlich kann der mühevolle Prozess des Friedensaufbaus und der nationalen Versöhnung nur durch den Einsatz für die Gerechtigkeit und die Achtung der Menschenrechte vorankommen", sagte der Papst in der Hauptstadt Naypyidaw. Das Land habe eine "Verpflichtung, diese Grundprinzipien zu wahren". Mehr als 620.000 geflohen Hunderttausende Rohingya sind aus Angst vor brutaler Verfolgung durch das Militär aus dem Teilstaat Rakhine nach Bangladesch geflüchtet, allein in den vergangenen drei Monaten waren es mehr als 620.000. Die Vereinten Nationen sprechen von "ethnischer Säuberung". Suu Kyi wird international kritisiert, weil sie sich nicht gegen die Gewalt einsetze. - derstandard.at/2000068637036/Papst-ruft-in-Myanmar-zur-Achtung-jeder-Volksgruppe-auf

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28.11.22:47
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Tag 333 - Sebastians Tweet

Es ist schon höchst interessant, wie derzeit das Wechselspiel zwischen politischer Werdung und öffentlicher Auseinandersetzung funktioniert. Nun traten also der kommende Kanzler und der kommende Vizekanzler in trauter Zweisamkeit und mit symbolkräftigem demonstrativem Harmonieverständnis an die Stehpulte und verkündeten ihre Vorstellung kommender Bildungspolitik. Ich bin ja mittlerweile an jenem Punkt angelangt, wo ich mich ehrlich bemühe, meine persönlichen Animositäten für das Duo Kurz/Strache zu minimieren, um einen ungetrübten Blick auf die Fakten und die Ideen einer kommenden Regierung entwickeln zu können. Und ich tue das auch in einer Art Selbstschutz. Ich will mich von einem Jüngling, der jede Destabilisierung in Kauf genommen hätte, um sein eigenes Karriereziel umzusetzen, und von einem gealterten Wehrsportler nicht in eine permanente energieraubende Abwehrhaltung zwingen lassen. Also hörte ich zu. Und ich bitte ganz aufrichtig alle jene, die von den Worthülsen "Es ist Zeit" und "Neuer Stil" tief beeindruckt waren und sind, mir in aller Klarheit zu sagen, was konkret an dieser schwarztürkisblauen Mattheit auch nur einen Hauch von Aufbruch bedeuten könnte. Echt jetzt, I don't get it. Ich versuche es ohne Polemik, aber ich lande am Ende immer nur bei zwei narzisstischen Phrasenrittern, die nichts anbieten können außer der Zerschlagung der Vergangenheit und der wechselseitigen Lobpreisung ihrer Egos. Beide sind von programmatischer Innovation so weit entfernt wie das Team Stronach von einer Absoluten. Vielleicht mag sich das ändern, wenn die 17 oder 29 oder 185 Verhandlungsgruppen endlich fertig sind mit ihrer geistigen Neuerschaffung der Republik, aber bis heute ist bis auf ein paar unbedeutende Petitessen nichts vernehmbar, was einem das Gefühl geben könnte: Hier weht ein Wind der Revolution. Statt dessen wird Dagmar Belakowitsch-Jenewein als Kandidatin für das Amt der Sozialministerin genannt. Noch Fragen? Und so wurde in Anbetracht der vorgetragenen Bildungskonzepte der Bildungsexperten Kurz & Strache kein Thema so heftig dskutiert wie die Idee, die Noten in den Volksschulen wieder einzuführen (ganz bedeutende Agenda) sowie ein Tweet des ÖVP-Gurus, der da lautete: "Haben klares Bekenntis zum differenziertem & leistungsförderndem Schulsystem. Darf nicht sein, dass Kinder nach d Volksschule nicht sinnerfassend lesen können udn Jugendliche nach d Schulpflicht nicht über notwendige Grundkompetenzen verfügen, d es für weiteren Weg braucht." Natürlich war das lustig. In einem kurzen Twitter-Beitrag zum Thema Bildung einen Grammatikfehler, einen Rechtschreibfehler und einen Tippfehler unterzubringen, ist schon ein sehr spezielles Paradoxon. Kein Wunder daher, dass sich in den sozialen Netzwerken eine Flut von Hohn und Spott über den Wunder-Basti ergoss. Aber das zeigt in Wahrheit zweierlei: 1. Die Menschen beißen sich wie Piranhas an letztendlich unwesentlichen Symbolwinzigkeiten fest und verlieren in ihrer tagelangen Lust auf Häme völlig den Blick für das Ganze und auch jede Bereitschaft zu einem seriösen Diskurs über die wahre Reformbedürftigkeit im Land. 2. Selbstverständlich hat nicht Kurz selbst diesen sprachlich höchst bescheidenen Tweet formuliert, sondern er hat das wie immer sein SM-Team absolvieren lassen. Aber die Fehlerdichte offenbart uns dennoch etwas: Wir bemerken auf den ersten Blick jene Schlampigkeit und Oberflächlichkeit, die im krassen Widerspruch stehen zu der Verantwortung und der Ernsthaftigkeit, die wir von einem kommenden Kanzler erwarten dürfen. Ja, es ist nur ein Tweet. Aber der wurde offensichtlich nur rasch aus dem Ärmel geschüttelt, um der lästigen Notwendigkeit der Information Genüge zu tun. Ein Schalk, der aus so einem Detail ein politisches Verständnis ableiten will. Oder einfach nur jemand, der sehr, sehr genau beobachtet?   

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27.11.15:27
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Tag 332 - Das Schal-Gesetz

Es gibt diese Geschichten, die so grotesk sind, dass sie dir niemand glauben will. Vor allem niemand, der nicht aus dem sonderbaren Land Österreich kommt. Erst vor zwei Tagen habe ich deutschen Freunden die Idee des Burkaverbots geschildert. Darauf entstand eine Diskussion über die Sinnhaftigkeit dieses frisch ausgefeilten Gesetzes, das es vermutlich niemals gegeben hätte ohne den Beschluss zur Neuwahl. Denn ein populistischeres Tönen zur Rechtfertigung antiislamischer Geisteshaltung gab es vermutlich noch nie. Als wäre es völlig undenkbar, das islamische Frauenverständnis kritisch zu berachten und trotzdem gegen ein Burkaverbot zu sein. Tatsache ist, so haben es die Politiker in ihrer Bauchlage vor dem Volk beschlossen: Seit 1. Oktober ist es in Österreich verboten, sein Gesicht teilweise oder ganz zu verdecken. Der Originaltext, der im Innenministerium ausgetüftelt wurde, lautet: "Österreich bietet mit dem Verbot der Verhüllung der Gesichtszüge eine klare Regel, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den sozialen Frieden zu sichern." Und deshalb sollen wir jetzt alle erleichtert sein. Als würde der soziale Frieden nicht von so vielen völlig anderen Spaltungsmaßnahmem tagtäglich mit bewusst strategischen politischen Konzepten massiv gefährdet werden. Eine offensichtlichere Farce hat es wohl selten gegeben. Denn in diesen Tagen kommt die ganze Tragweite dieser Gesetzgebung, die einigen wenigen vereinzelten Niqab-Trägerinnen zeigen soll, dass sich die Republik von ihnen nicht auf der Nase herumtanzen lässt. Denn jetzt ist es kalt. Und klarerweise tragen zur Winterszeit sehr viele Menschen einen Schal, der mindestens Mund und Nase bedeckt allenfalls ergänzt durch Hauben, die tief in die Stirn gezogen werden. Aber genau das führt Wolfgang Sobotkas Enthüllungsfuror ad absurdum. Als wäre es nicht schon lächerlich genug gewesen, u. a. Faschingsverkleidungsfußnoten formulieren zu müssen, um bei der Burka-Jagd dem österreichischen Brauchtum nicht den Garaus zu machen, so droht nun eine noch viel dramatischere Auslegung des Grundsatzes: Vor dem Gesetz sind alle gleich. Daher musste das Innenministerium quasi einen Frost-Passus hinzufügen, dass es bei Kälte gestattet sein muss, sein Gesicht zu schützen. Es erhebt sich nun aber jene Frage, die Hugo von Hofmannsthal nicht erfinden hätte können: Was genau ist Kälte? Bezw. ab welcher Tempereratur ist dem den frierenden Bürgerinnen und Bürgern gestatte, sich schaltechnisch zu verhüllen? Denn wissenschaftlich erweisen ist, dass es kein staatlich genormtes und in der Verfassung festgeschriebenes Kälteempfinden gibt. Die einen empfinden Wind im Gesicht schon bei fünf, sechs oder sieben Grad als höchst unangenehm, andere kämen nicht einmal bei minus zehn Grad auf die Idee, ihr Gesicht zu verhüllen. Tückisch für den Gesetzgeber (der ja etwas von "klaren Regeln" publizierte). Denn wenn er eine subjektive Wahrnehmung durchgehen lässt, ist das ganze Gesetz für die Fisch', weil ja dann bald jede islamische Niqab-Lady sogar im Hochsommer mit gefühlter Kälte argumentieren könnte. Es handelt sich daher wie so oft um eine österreichische Idee, die zur Beruhigung der Geiferer erschaffen, aber nicht einmal ansatzweise zu Ende gedacht wurde. Und wir dürfen uns schon freuen auf die öffentlichen Diskussionen zwischen Passanten und Polizisten zum Thema: Kalt oder nicht kalt, das ist hier die Frage. Apropos Gesetzeshüter: Der Standard richtete in dieser Causa eine Anfage an die Polizei mi der Bitte um exakte Kälte-Definition. Die Antwort: "Der Aufwand der Öffentlichkeitsarbeit zu diesem Gesetz steht in keinem Verhältnis zur Anzahl der Fälle." Es werde daher kein Statement geben. Wunderbar. Hugo schau oba ...

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26.11.19:41
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Tag 331 - Verhandlungssprechblasen

Derzeit spielt sich das schwarzblaue Werden ja etwa so ab. Alle paar Tage spielen die Verhandler der wartenden Medienmeute eine Idee zu und warten, was in der öffentlichen Darstellung passiert. Es ist ja schön für sie, wenn die Dynamik der Verbreitung mit Hilfe des Resonanzkörpers der sozialen Netzwerke eine Verlässlichkeit hat, die weiterhilft. Man kann diese Häppchenpolitik auch mit dem Steigen von Versuchsballons vergleichen. Und die ausgehungerten Medienmenschen fangen die Stöckchen brav auf, manche von ihnen sogar im Bewusstsein, dass sie nur Teil einer Inszenierung sind. Das geht so: Rein zufällig dringt eine Information über einen zukünftigen Plan nach außen, mit dem aktuellen Verhandlungsstandpunkt der FPÖ und der ÖVP versehen. Dann entsteht Reaktion. Und sollte die einen Hinweis auf allzu großes Unverständnis oder gar Widerstand geben, können die Verhandler jederzeit sagen, dass sie Gerüchte nicht kommentieren mögen. Oder gar, dass über eben dieses Thema noch gar nicht einmal gesprochen wurde. Und weg ist die G'schicht, Blamagerisiko gleich null. Denn derzeit wissen wir alle nur, dass wir nichts wissen. Und gefühlsmäßig würde ich sagen, dass sich daran bis zur Regierungsbildung auch wenig ändern wird. Statt dessen glaube ich, dass in den angeblich 25 Fachgruppen vor allem in größtmöglicher Harmonie an der Haltbarkeit der Sprechblasen gearbeitet wird. Denn Fakten wurden bis dato nahezu keine geliefert (ich lasse mich am Ende aber gerne überraschen, ob mehr passiert als das Drehen an zwei, drei Schrauben). Was heute - fast schon offiziell - bekannt wurde, ist: ÖVP und FPÖ haben sich ... jetzt kommt's ... unter anderem auf ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr geeinigt. Um dieses Verhandlungsergebnis freudestrahlend zu verkünden, ohne sich zu genieren, muss man allerdings schon sehr beseelt sein von der Es-ist-Zeit-Vision. Denn dieses als Durchbruch gepriesene Versprechen hat tatsächlich die Anmutung eines besonders schlechten Scherzes. Ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr hatte nämlich schon die bisherige SPÖ-ÖVP-Regierung auf der Agenda. Der diebezügliche längst weit ausgearbeitete Plan wurde von Kanzler Kern und Vizekanzler Mitterlehner bereits im Jänner ausführlich dargestellt. Die konkrete Umsetzung scheiterte in Folge lediglich - wie so vieles - an den üblichen koalitionsinternen Streitigkeiten sowie an der Frage der Finanzierung. Was übersetzt heißt: Die Roten und die Schwarzen streiten so lange darüber, wer sich als Schöpfer einer Idee feiern lassen darf, bis sie von der Neidgesellschaft, die dem Feind ... pardon, Partner ... nur ja keinen Erfolg gönnt, abgesagt wird. Das ist freilich noch lachhafter als der jetzige Versuch, ein von zahlreichen Experten schon längst akribisch entworfenes Modell ernsthaft als Innovation zu verkaufen. Übermittelt wird jedenfalls: Eine neue Bund-Länder-Vereinbarung, eine sogenannte 15a-Vereinbarung, zu elementarpädagogischen Einrichtungen, soll die Basis für die Einführung des zweiten Kindergartenjahres legen. In einer der APA vorliegenden Punktation werden qualitätsvolle Elementarpädagogik, höhere Standards bei Bildung und Betreuung, Sicherstellung des flächendeckenden Ausbaus der Kinderbetreuungseinrichtungen, Qualität der Kinderbetreuung erhöhen (Sprache, Bildung, Werte) sowie verstärkte Kontrollen als Eckpunkte der Vorhaben in diesem Bereich genannt. Die zweijährige Verpflichtung zum Besuch eines Kindergartens ist für jene vorgesehen, die es brauchen. Beim Besuch eines Kindergartens ist für Kinder, die schlecht Deutsch sprechen, eine verpflichtende Sprachförderung vorgesehen. Das haben Sie alles schon einmal im nahezu identen Wortlaut gehört? Genau dieses Phänomen werden wir im Zeitalter des Überschriftenkabinetts wohl noch öfter erleben. Und man könnte es wieder und wieder mit der Frage verknüpfen, warum genau wir eigentlich ein Jahr früher wählen mussten. Ich vermute, wir werden der Antwort (weil sich ein 31-Jähriger seinen Karrieretraum erfüllen wollte) sehr viel schneller nahe kommen als wir gedacht haben.

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