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Dossier zur Lage der Nation
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23.07.22:48
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Die Quoten-Queens

Das hätten vermutlich nicht einmal die größten Optimisten erwartet. Das überraschende Remis von Österreichs Teamfußballerinnen gegen Frankreich bei der Europameisterschaft in den Niederlanden beschert dem ORF ein Quotenhoch: 334.000 Menschen schauten sich die erste Halbzeit des Matches an, 462.000 sahen dann die zweite. Und bei der Analyse mit allen zusammengefassten Höhepunkten waren sogar 577.000 Zuseherinnen und Zuseher dabei. Das war die meist gesehene Sendung des Tages, abgesehen von den Nachrichten. Und das an einem strahlend schönen Samstag Abend, der mit Sicherheit eine noch viel bessere Quote verhindert hat. Das ist nicht nur grundsätzlich erfreulich, sondern auch ein schönes Kompliment an die Damen, die gegen einen der großen Turnierfavoriten sogar in Fürung gegangen sind. Am Mittwoch folgt das dritte Gruppenspiel gegeh Island. In dem geht es um den Aufstieg ins Viertelfinale (ein Remis genügt, es könnte sogar eine Niederlage reichen, wenn Frankreich gegen die Schweiz punktet). Es ist aber sogar noch der Gruppensieg drinnen. Eine wunderbare Sommerstory.

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23.07.21:29
TAGEBUCH

Tag 204 - Dean Spicer, 2017 - 2017

Es ist eine wahre Tragikomödie, wenn ein Rücktritt vor allem eines auslöst: Bestürzung bei den Satirikern. Jetzt wurde aus dem Gerücht allerdings tatsächlich die Wahrheit: Donald Trump hat definitiv von seinem Pressesprecher Sean Spicer genug. Daher hat er ihn ruckzuck ausgeboootet. Viel erfreulicher wäre es natürlich umgekehrt gewesen, aber das gibt es nicht einmal in den vereinigtren Staaten. Dort ist jetzt jedenfalls der Investor und Großspender Anthony Scaramucci zum Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses ernannt worden. Weshalb Spicer die Nerven verloren haben und den Job hingeschmissen haben soll. Auf Twitter erklärte Spicer, es sei ihm "eine Ehre und ein Privileg" gewesen, dem Präsidenten zu dienen. Die Medien hingegen ließen noch einmal alle Besserwisserei, Faktenimmunität und Peinlichkeit Revue passieren. Erstaunlich, was da in so kurzer Zeit zusammenkam. Erinnern wir uns nur an den Beginn, als Spicer trotz gegenteiliger Fotobeweise behauptete, Trumps Amtseinführung hätte „das größte Publikum jeder Amtseinführung, punktum“ gehabt. Auch deshalb machten ihn seine Auftritte rasch zum Liebling der TV-Komiker. Die "Daily Show mit Trevor Noah" hat bereits einen Video-Nachruf auf Spicers tägliche Pressekonferenzen gestaltet, unter dem Titel: "Sean Spicer's Daily On-Camera Press Briefings 2017 - 2017". Sehenswert, komisch, und doch sollten wir nie vergessen: Die Witzfigur war Pressesprecher des amerikanischen Präsidenten. Als wäre er in einer Hollywood-Persiflage von Leslie Nielson gespielt worden, unter der Regie von Mel Brooks - aber es war immerzu die Realität.

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22.07.21:41
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Über das Schmuddel-Duell

Es passiert ja nicht oft, dass ich mirnixdirnix auf fremde Texte verweise, aber manchmal will ich dieser Versuchung einfach nicht widerstehen. Zumal ich mich selbst kaum noch in der Lage fühle, journalistischen Unappetitlichkeiten wie das Duell zwischen einem Kolumnisten der Kronen Zeitung und einem Herausgeber der Dodelpostille Österreich, auch nur im Ansatz mit Humor zu kommentieren. Der von mir seit einer gefühlten Ewigkeit hochgeschätzte Standard-Kolumnist Günter Traxler hingegen kann das. Und wie auch noch. Er hat sich in seinem "Blattsalat" der schmuddeligen und in ihrer Wertigkeit entrückten Auseinandersetzung angenommen und daraus eine wahrhaft wunderbare Geschichte geschnitzt. Der grandiose Text ist so lesenswert, dass ich ihn hier unbedingt verlinken mag. Mit einem Danke an den spitzfindigen Autor.

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22.07.18:04
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Tag 203 - Förderung der Ablehnungskultur

Es ist wirklich zum Haareraufen (wenn man denn welche hätte), mit welchen Absonderlichkeiten man permanent konfrontiert wird. Begonnen hat alles mit einer Entscheidung der türkischen Regierung, die Evolutionstheorie aus den Lehrplänen zu streichen. Eine wahre Irrsinnsidee, die natürlich für ein gewaltiges internationales Echo gesorgt hat. Diesbezüglich harte Kritik kam allerdings nicht nur von zahlreichen europäischen Regierungen, sondern auch vom österreichischen Moscheenverband ATIB sowie der islamischen Glaubensgemeinsachaft IGGiÖ, die sich von der Absage an die Wissenschaft distanzierten. Zitat im Oberösterreichischen Volksblatt: "Der Islam steht immer für einen überzeugten, durch Wissenschaft belegten Glauben", erklärte IGGiÖ-Chef Ibrahim Olgun. Diese Aussagen wurden dann offenbar auf Türkisch übersetzt und sorgten für große Aufregung in der Community - das Voranschreiten der Rückwärtsgewandtheit treibt grelle Blüten wie lange nicht mehr. Der Wirbel wuchs sich jedenfalls so aus, dass sich Olgun aus der Türkei mit einem Dementi meldete. Der Volksblatt-Bericht sei eine "infame Unterstellung", war auf der türkischen Nachrichtenseite havadis.at zu lesen. Die IGGiÖ würde sich nie für "falsche Entwicklungen wie die Evolutionstheorie" aussprechen. Islam und "echte Wissenschaft" würden sich nicht widersprechen. "Die Evolutionstheorie von Darwin ist nur eine Theorie". Und wenn schon, denn schon: "Wir verurteilen schamlose Journalisten, die Fake-News verbreiten, aufs Schärfste." So geht das. So wird der Abgesang an die Moderne in Stein gemeißelt. Und so wird in einer ohnedies sensiblen Zeit durch Inhalt und Sprache die Ablehnungskultur gegen die islamische Religion und die muslimische Gesellschaft beinahe radikal gefördert. Mit unerträglichem Gerede als Folge unübersehbarer Gehirnwäsche. Das ist nicht nur grotesk, sondern zweifellos brandgefährlich. Das Volksblatt wirft dem IGGiÖ-Chef übrigens hochoffiziell "eine doppelte Kommunikationsstrategie" vor. Als läge das nicht ohnehin auf der Hand. Olgun hat eine schwer verzeihliche und höchst bedrohliche Entwicklung offenbart.

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21.07.22:28
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Völlige Verarschung

Manchmal denke ich mir echt nur noch: Ist das eine politische Feldstudie, wieviel öffentliche Verarschung möglich ist? Anders kann ich den Vorstoß des Finanzministers nicht mehr interpretieren. Hans Jörg Schelling hat sich nämlich nun - nach einer merkwürdig langen Bedenkzeit - mit scharfer Kritik geäußert. Und zwar wegen der viel zu flott durchgezogenen Abschaffung des Pflege-Regresses. Kein Schmäh, der Mann will plötzlich (wie übrigens viele namhafte Experten schon vor Wochen und Monaten) einen "schweren Fehler" erkennen. Und zwar ... jetzt kommt's ... von Sozialminister Alois Stöger und Bundeskanzler Christian Kern, welche diese Maßnahme ohne detaillierte Zahlen etwa über Folgekosten umgesetzt hätten. Und das alles sagt Schelling, nachdem sich der neue ÖVP-Heilsbringer im ganzen Land via Inserate für ebendiese Abschaffung feiern ließ. Was im übrigen für zahhlose Polemiken gesorgt hat, weil Sebastian Kurz damit nach ursprünglich langem Zögern mit aller Chuzpe erfolgreich eine alte SPÖ-Agenda gekapert hat. Und die ÖVP hat dieses Aus für den Pflege-Regress nicht nur begrüßt, sondern im Nationalrat auch geschlossen dafür gestimmt. Und wie kommentiert der scharfe Kritiker Schelling genau diese Tatsache? Ach, dabei habe es sich doch lediglich um "Wahlkampftaktik" gehandelt. Alles klar. Viel besser kann man die Verlogenheit der Politik kaum noch dokumentieren.

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21.07.19:39
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Tag 202 - A bisserl Antisemitismus

Nur einen Tag hat die FPÖ gebraucht, um auf die Vorwürfe, die gegen den Abgeordneten Joahnnes Hübner wegen antisemitischer Anspielungen erhoben wurden, zu reagieren. Und siehe da, alles halb so schlimm. Wer hätte das gedacht? Herbert Kickl ließ verlauten, er habe "aufgrund der Medienberichte über angebliche NS-Codes" ein persönliches Gespräch mit dem Mandatar geführt. Interessant ist, dass der Generalsekretär im Zusammenhang mit de facto überlieferten Aussagen Marke "Umvolkung" oder " so genannte Holocaustüberlebende" ohne jede Genierer ein "angeblich" übermittelt. Und noch interessanter ist, dass er wissen lässt, Hübner habe "glaubhaft versichert, dass jedweder Vorwurf in Richtung einer antisemitischen Intention" nicht den Tatsachen entspreche, und versprochen, "künftig bei seiner Wortwahl mit besonderer Vorsicht vorzugehen, um selbst die Möglichkeit von Missinterpretationen weitestgehend zu vermeiden." Missinterpretationen also. Wie oft haben wir das schon vernommen? Im Grunde heißt das natürlich nichts anderes als, der gute Mann möge durchaus auch in Zukunft sein Gedankengut hegen und pflegen, er sollte nur dringend mit besonderer Vorsicht darauf achten, dass die Wortwahl nicht auf seine Haltung schließen lässt. Den Antisemitismus noch besser tarnen, das ist offensichtlich die Message. Und damit ist für Kickl die Sache erledigt. Personelle Konsequenzen? Naja, nur nicht übertreiben. Als hätten wir dieses Thema nicht schon tausend Mal durchgekaut. Viel spannender als die wiederholte Bestätigung dessen, was wir eh alle seit immer schon wissen, sind die Reaktionen der Regierungsparteien darauf. So antwortete ÖVP-Generalsekretärin Elisabeth Köstinger im Standard auf die Frage, ob ihre Partei mit einer FPÖ koalieren würde, in der Johannes Hübner eine Funktion innehat, mit: "Das ist absolut nicht vorstellbar. So etwas ist inakzeptabel." Und SPÖ-Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil meinte im Kurier, er "erwarte sich von der Spitze der Bundes-FPÖ eine Klarstellung und Distanzierung, aber auch Konsequenzen." Passiert das nicht, dann scheint eine SPÖ-FPÖ-Koalition außer Reichweite. "Wenn es der FPÖ nicht gelingt, sich von Ewiggestrigen zu trennen, dann können sie kein Partner sein." Man merke sich diese Statements gut bis zum Oktober. Denn mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wird dann jemand aus den beiden Lagern erklären, warum das alles so nicht gemeint gewesen wäre. Denn an der FPÖ wird bei der Regierungsbildung kaum ein Weg vorbei führen, da sollte doch so ein bisserl Antisemitismus kein Stolperstein sein ...

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20.07.21:22
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Dollfuß ade

Auch bezeichnend: Manche Zeitungen nannten es tatsächlich einen Knalleffekt. Die ÖVP nimmt nämlich den Umbau des Parlaments zum Anlass, um das umstrittene Porträt des christlich-sozialen Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß los zu werden. Wir wissen ja, dass die Diskussion darüber, ob man dem christlichsozialen Bundeskanzler, der im Gefolge der Selbstausschaltung des Parlaments im März 1933 die Demokratie abgeschafft und den Ständestaat errichtet hatte, ein bildliches Denkmal gewähren sollte, seit Jahrzehnten währt. Nun, also im dritten Jahrtausend, ist jedoch die Zeit gekommen, um das Porträt, aus dem Besitz des ÖVP-Klubs als Dauerleihgabe dem Niederösterreichischen Landesmuseum zu übergeben. Originell ist lediglich die Begründung für die so oft geforderte Initiative. ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka erklärt den Schritt nämlich mit der Not, dass es im provisorischen Container am Heldenplatz keine Möglichkeit gegeben hätte, das Bild aufzuhängen. Das Bedenkliche dabei: Der Mann meint das ernst.

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20.07.19:51
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Tag 201 - Polnische Proteste

Es vergeht mittlerweile kaum ein Monat ohne beängstigende Nachrichten aus Polen. Man mag mitunter gar nicht glauben, dass es sich bei jenem Land, in dem seit bald zwei Jahren eine alarmierende Entdemokratisierung stattfindet, um einen Teil der EU und deren Verständnis von Rechtsstaatlichkeit ist handelt. Heute gingen (zum wievielten Mal eigentlich?) Zehntausende Menschen auf die Straße, um gegen die Justizreform der nationalkonservativen Regierung zu demonstrieren. Vor dem Warschauer Präsidentenpalast versammelten sich nach Angaben der Stadt rund 50.000 Demonstranten. Die Polizei sprach hingegen - wie es in solchen Fällen üblich ist - von lediglich 14.000 Teilnehmern. Sie alle forderten auf jeden Fall Präsident Andrzej Duda auf, den vom Parlament beschlossenen Plänen nicht zuzustimmen. Denn die Angst vor dem nächsten Schritt in Richtung eines autokratischen Systems ist enorm. Immerhin sieht das Gesetz unter anderem vor, dass die Richterkandidaten für den Obersten Gerichtshof künftig vom Justizminister (der alleinregierenden PiS-Partei) ausgewählt werden. Dass hier die Unabhängigkeit der polnischen Justiz bedroht ist, liegt auf der Hand, daher gab es auch in Krakau und Posen riesige Proteste. Und wie so oft denkt man sich: Wären damals alle, die nun laut um Hilfe schreien, wählen gegangen, hätte sich Polen viel erspart. Und die EU auch. Deren Kommission hat nun gedroht, ein Verfahren nach Artikel 7 des EU-Vertrages einzuleiten. Dieser sieht bei "schwerwiegender und anhaltender Verletzung" der im Vertrag verankerten Werte als schwerste Maßnahme eine Aussetzung der Stimmrechte des Mitgliedstaates vor. Das erfordert jedoch die Zustimmung von allen EU-Staaten ... und nun möge man raten, wer bereits jetzt angekündigt hat, allfälligen Sanktionen nicht zuzustimmen. Eh klar, Ungarn. Der Literatur- und Philosophiewissenschaftler Christian Köllerer twitterte dazu: "Polen und Ungarn zeigen hübsch, dass die größte Gefahr in Europa für Demokratie und Rechtsstaat nicht von den Islamisten ausgeht." Es lohnt sich, über diese Reflexion ernsthaft nachzudenken.

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19.07.23:06
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Martin für Peter

Man mag es kaum glauben, wer da plötzlich wieder aus der Deckung kommt. Ein Posting auf Standard.at lautet: "Knapp 8.000 namentlich bekannte Unterstützer für eine Liste Pilz. Es mag für den Zustand der grünen Partei in Österreich (und wohl nicht nur) bezeichnend sein: Auf den für die Grünen so wichtigen Foren kommen Unterstützer der bisherigen Grünen kaum vor. Dafür wächst und wächst die Zahl der Unterstützer einer Kandidatur von Peter Pilz." Angefügt ist der Link zur Petition. Jetzt einmal abgesehen von der sprachlichen Holprigkeit des Kommentars und der realistischen Betrachtung, dass 8.000 Unterstützer in vier Wochen (seit dem Rücktritt) hinsichtlich des Sehnens nach einem Antreten eher das Gegenteil von imposant ist, aber entscheidend ist, wer hier seine Sympathie öffentlich zum Ausdruck bringt: Nämlich Hans-Peter Martin. Ausgerechnet. Der vergessene Held aus der selbst erschaffenen Rebellenkomödie wittert offensichtlich seine Chance auf Mitstreitertum. Ja, auch ein Peter Pilz kann sich seine Anbiedermeier nicht aussuchen. Was für ein absurdes Theater!

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19.07.17:52
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Tag 200 - Sieg gegen die Schweizerinnen

Ich gestehe ehrlich, dass der Frauenfußball in meiner Wahrnehmung niemals eine große Rolle gespielt hat. Im Gegenteil. Das ist allerdings keine Frage der Abschätzigkeit gewesen, sondern lediglich des fehlenden Interesses. As simple as that. Ich schaue so viel Sport nicht, da kam es darauf auch nicht an. Es könnte natürlich auch daran liegen, dass der gesamte mediale Fokus selten bis nie darauf gerichtet war, heißt: Die Versuchung war kaum jemals gegeben. Das hat sich jetzt geändert. Und wie. Denn mit dem Erfolg kommt auch der Blick, den man plötzlich doch riskieren will. Auch dank des ORF, der die Frauen-Europameisterschaft in voller Pracht überträgt. Was klarerweise daran liegt, dass sich Österreichs Team (Mannschaft erscheint definitiv nicht passend) erstmals für diesen Bewerb qualifiziert hat. Prompt habe ich mir das Auftaktspiel gegen die Schweizerinnen angesehen und mit Respekt festgestellt, dass ich es mit großer Freude getan habe. Es war ein extrem leidenschaftliches Match, und als Team Austria mit einem sehr schönen Tor in Führung ging (es war Nina Burgers 47. Treffer in ihrem 88. Länderspiel, sie ist Österreichs Rekordschützin), habe ich laut "Jaaaawohl" gebrüllt. Dass es am Ende dann auch der Sieg wurde, steigert selbstverständlich die Aufmerksamkeit. Dass es vielen Anlass zur Polemik war, weil die Männer bei ihrer EURO bekanntlich sieglos geblieben waren, stört mich wiederum. Denn wenn wir schon auf Vergleiche zwischen der fußballerischen Herren- und der Damenwelt verzichten sollen, dann doch bitte konsequent. Egal, ich werde mir ganz sicher auch das zweite Spiel gegen die favorisierten Französinnen anschauen. Und ich stelle hochzufrieden fest, dass auch die Zeitungen den Leistungen der Frauen sehr viel Raum geben. Im Standard erschien nach dem 1:0 sogar eine schöne, lange Reportage über die ausgelassenen Stunden nach dem Erfolg. Sehr lesenwert. Der Aufstieg ins Viertelfinale ist jedenfalls möglich geworden. Und wer Tag für Tag die politische Tristesse dieses Sommers betrachten muss, darf sich über die sportliche Aussicht auf eine fröhliche Sensation ganz besonders freuen. Eine lustige Busfahrt mit lauter Musik und Videos stand nach dem 1:0 des Frauenfußballteams gegen die Schweiz beim EM-Debüt auf dem Programm. Vom Viertelfinale wird vorerst nicht gesprochen Die Musik war auf Anschlag aufgedreht. Es wurde gesungen und gefeiert. Auf der Fahrt von Deventer ins Teamquartier nach Wageningen ging es am Dienstagabend lustig zu. "Nina Burger, Superstar" wurde skandiert. Österreichs Frauenfußballteam hatte zuvor die Schweiz überraschend mit 1:0 besiegt. Burger erzielte das Goldtor. Es war der 47. Treffer in ihrem 88. Länderspiel. Rekordtorschützin ist sie längst. "Das war das wichtigste Tor in meiner Karriere, da muss ich nicht lange überlegen." Sarah Puntigam wurde zur Spielerin des Spiels gewählt. "Damit habe ich nicht gerechnet. Jede hätte es verdient gehabt." Am Tag nach dem großen Sieg ging es das Team ruhig an. Ein bisschen wollte man den Erfolg genießen. Nur die besten Szenen aus dem Schweiz-Spiel wurden angeschaut – quasi ein Motivationsvideo. Burger wollte noch "ihr Handy abarbeiten". Es kamen viele Glückwunschnachrichten. Mit dem Einschlafen hatte sie Dienstagnacht, wie einige andere auch, so ihre Probleme gehabt. Voll da "Wir sind stolz, dass es so gekommen ist, wie es gekommen ist", sagte Teamchef Dominik Thalhammer. "Wir haben unglaublich viel investiert in den letzten Wochen, Monaten und Jahren." Die Österreicherinnen überforderten die Schweizerinnen mit ihrem flexiblen Spielsystem und dem Angriffspressing. Thalhammer: "Wir waren von Anfang an voll da. Die Schweizerinnen haben keine Mittel gefunden." Der riskante Spielaufbau der Eidgenossinnen sei seinem Team entgegengekommen. "Ich hätte nicht erwartet, dass wir so unsicher sind. Wir haben auf allen Positionen nicht das gezeigt, was es gebraucht hätte", sagte Martina Voss-Tecklenburg, deutsche Trainerin des Schweizer Teams. "Die Österreicherinnen waren präsenter als wir." Das Viertelfinale hatte sich ihr Team fix vorgenommen. Es ist ein Stück in die Ferne gerückt. Und für Österreich ein Stück näher. Hart im Nehmen Thalhammer will daran vorerst keinen Gedanken verschwenden. Er schaut von Spiel zu Spiel. Die nächste Aufgabe ist eine fast unlösbare. Also hat Österreich gegen Frankreich noch weniger zu verlieren als gegen die Schweiz. Der Weltranglistedritte plagte sich am Dienstagabend zu einem 1:0 gegen Island. Der Siegtreffer fiel erst in der 86. Minute: Eugenie Le Sommer traf aus einem Elfmeter. Viktoria Schnaderbeck wird am Samstag wohl wieder in der Startaufstellung stehen. Die Kapitänin ist nach ihrer Knieverletzung fit, wurde gegen die Schweiz in Minute 77 eingewechselt. Fraglich ist Mittelfeldspielerin Sarah Zadrazil. Sie erlitt am Dienstag einen Einriss des vorderen Syndesmosebandes. Am Mittwoch ging sie auf Krücken. Thalhammer: "Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit." Lisa Makas dürfte hingegen fit werden. Die Stürmerin hatte in einem Zweikampf ein Cut am Kopf erlitten, sie spielte zunächst weiter, wurde aber noch vor der Pause ausgewechselt, weil ihr übel war. Mit den Französinnen wollen sich die Österreicherinnen am Freitag beschäftigen. Heute sollen die Fehler aus dem Schweiz-Spiel analysiert werden. Thalhammer: "Es gibt einige Punkte zu optimieren." In den letzten 15 bis 20 Minuten geriet Österreich trotz Überzahl etwas ins Schwimmen. "Vielleicht war es die Angst vor dem Sieg." Fürchten müssen sich in den kommenden Spielen eher die Gegner. Gewarnt sind sie jedenfalls. Der Außenseiter hat sich zum Viertelfinalanwärter gemausert. - derstandard.at/2000061527876/Der-Blick-nach-vorne-nach-dem-grossen-Sieg

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18.07.21:06
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Düringers Casting

Und wenn wir politisch schon auf dem schmalen Grat zwischen Skurrilität und Absurdität wandeln, dann erwähnen wir doch auch gleich der Vollständigkeit halber, dass Roland Düringers Kandidatensuche für seine Liste G!lt abgeschlossen hat. Es tut fast weh, das zu schreiben ... was für ein Theater, das alles. Düringer startet also nun die nächste Phase seines Antretens bei der Nationalratswahl und erzählt. "Von über tausend Bewerbungen haben wir schlussendlich die fünfzig gefunden, die auf der Liste stehen werden." So waren etwa ein politischer Online-Test sowie ein Casting für die Medientauglichkeit der Bewerber auf der Agenda des Kabare ... des Witzbolds. Jetzt folge der nächste Schritt: "Wir haben versucht, eine möglichst repräsentative Gruppe zu finden, und nun wollen wir gemeinsam darüber nachdenken, wie wir das politische System verbessern können." Die endgültige Reihung der Bundesliste durch das Los wird Anfang August live stattfinden. Na genau. Dazu kann man echt nur sagen: Auch schon wurscht.Nachdem Schauspieler und Kabarettist Roland Düringers die Kandidatensuche für seine Liste G!lt abgeschlossen hat, startet er die nächste Phase. "Von über tausend Bewerbungen haben wir schlussendlich die fünfzig gefunden, die auf der Liste stehen werden", erklärte Düringer am Freitag zu seinem Antreten bei der Nationalratswahl. Teil davon waren etwa ein politischer Online-Test sowie ein Casting für die Medientauglichkeit der Bewerber. Jetzt folge der nächste Schritt: "Wir haben versucht, eine möglichst repräsentative Gruppe zu finden, und nun wollen wir gemeinsam darüber nachdenken, wie wir das politische System verbessern können." Die endgültige Reihung der Bundesliste durch das Los wird Anfang August live stattfinden. (red, 14.7.2017) Wissen: Liste für bisherige Wahlmuffel Gegründet im September 2016, ist das Anliegen von Düringers Partei, die Stimmen der Ungültig- und Nichtwähler (1,6 Millionen bei der Nationalratswahl 2013) gültig und diese im Wahlergebnis sichtbar zu machen. Dazu lehnt G!lt die bisherige Parteipolitik ab, Düringer und Co wollen die Demokratie "nachhaltig" verändern. - derstandard.at/2000061304345/Dueringers-Liste-hat-50-Kandidaten

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18.07.17:38
TAGEBUCH

Tag 199 - Opernball-Ladies

Man überlegt sich, wie man humorvoll an das Thema herangehen könnte, aber es klappt einfach nicht. Was um Himmels Willen geht denn in diesem politischen Land ab? Sebastian Kurz, dem als Showmaster ganz offensichtlich kein Aktionismus zu blöd ist, bastelt nicht nur an der eigenen Popularität, sondern nebenbei auch an seiner Liste für die Nationalratswahl. Für die engagierte er jetzt als Quereinsteigerin Maria Großbauer, die Organisatorin des Wiener Opernballs. Fällt das in die Kategorie Coup? Oder ist eher die Frage erlaubt: Wie viele Menschen müssen dem neuen Heilsbringer abgesagt haben, um mit dieser personellen Innovation übrig zu bleiben. Großbauer wird jedenfalls tatsächlich auf Listenplatz 6 der Bewegung an den Start gehen und damit ihr Sesserl im Nationalrat sicher haben. Und warum? Das erklärt Kurz so: "Wir haben mit Maria Großbauer eine Persönlichkeit gewonnen, die wie kaum eine andere für den Kunst- und Kulturbereich steht." Eine so jenseitige Einschätzung muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Die Opernball-Organisatorin als Doyenne des österreichischen Kulturbetriebs verkaufen zu wollen, das kann nur jemandem einfallen, dessen Kunstverständnis bei einer Geilomobil-Installation stecken geblieben ist. Man fasst es nicht mehr. Es sei denn, die Neos fetzen kurz darauf auch eine Opernball-Organisatorin als Zugpferd in die Öffentlichkeit. Und so wurde im Lechzen nach Effekten Lotte Tobisch als Partei-Kandidatin vorgestellt. Die 91-jährige Grande Dame hatte von 1981 bis 1996 die Ballmutter gegeben und sprach nach Bekanntgabe ihres Antretens listig: "Für alle, die bisher auch nicht wussten, wer derzeit den Opernball organisiert - das Original unterstützt lieber Neos." Das kann man alles nicht erfinden. Ein Wahlkampf, bei dem man völlig vergessen könnte, worum es im Herbst genau geht und nur mehr an Austria's next Top-Promi denkt. Und ich fürchte, es kommt noch schlimmer. In diesem Land wimmelt es schließlich nur so vor Bewegungsmeldern.

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17.07.19:53
TAGEBUCH

Der "Sex-Wirt"

Man will sich freilich gar nicht die Wortwahl ausmalen, hätte es sich um einen Flüchtling gehandelt, aber lassen wir diesen Aspekt einmal völlig außer Acht. Tatsache ist, dass in Feldkirchen/Donau ein Mann verdächtig wird, (mindestens) zwei Frauen vergewaltigt zu haben. Es handelt sich dabei um einen Lokalbesitzer, der wegen solcher Delikte schon eine mehrjährige Haftstrafe verbüßt hatte, weswegen die Polizei in ihm einen Wiederholungstäter vermutet (was er bestreitet) und daher weitere potenzielle Opfer sucht. Dernn immerhin hatte die erste Frau fast ein Jahr lang verschwiegen, dass sie durch K.o.- Tropfen im Lokal gefügig gemacht und vergewaltigt worden sei. Erst, als eine andere junge Frau nach einem mutmaßlichen Vergewaltigungsversuch, der durch ihren Freund vereitelt worden war, die Polizei eingeschaltet hatte, traute sie sich, Anzeige zu erstatten. Bei den Hausdurchsuchungen in Feldkirchen wurden jedenfalls Drogen gefunden, die U-Haft wurde vorerst einmal verlängert. Und wie nennt die Kronen Zeitung einen Mann, der als mutmaßlicher Vergewaltiger die nächste Gefängnisstrafe zu erwarten hat? "Sex-Wirt". Ob gewollt oder nicht, einerlei, das ist im Namen der knackigen Verkürzung genau die Sprache, die völlig falsche (harmlose, halblustige) Bilder erzeugt. Denn mit Sex im Sinne lustvoller Zweisamkeit haben die Vorwürfe übelster Gewalt definitiv nichts zu tun.  

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17.07.15:19
TAGEBUCH

Tag 198 - Erdogan am Telefon

Das sind genau jene Aktionen, die mich nicht nur gruseln, sondern so richtig zornig machen. Wer in der vergangenen Nacht ein Handy in der Türkei angerufen hat, bekam vor Aufbau der Verbindung eine aufgezeichnete Nachricht von Recep Tayyip Erdogan zum Jahrestag des Putschversuchs zu hören. Ein Präsident, der nicht das geringeste Problem damit hat, seinem Volk und der Welt zu zeigen, dass er jederzeit die Sprechpuppen tanzen lassen und Botschaften jeder Art streuen kann, ist wirklich von Hybris gepackt. Denn bei staatsmännischen TV-Ansprachen hat jeder Bürger immerhin die Möglichkeit, das Gerät abzuschalten. Wer aber am Telefon zwangsbeschallt wird, muss hören und fühlen. Unerträglich. Erdogans Worte: "Als Ihr Präsident gratuliere ich Ihnen am 15. Juli zum Tag der Demokratie und der Nationalen Einheit. Möge Gott Erbarmen mit unseren Märtyrern haben. Ich wünsche unseren Veteranen Gesundheit und Wohlbefinden." Das ist in seinem gesamten Pathos ein derartig lächerlicher Text, dass tatsächlich viele Menschen dachten, es würde sich um ein 16-sekündiges Fake handeln. Irrtum. Der Chef der türkischen Telekommunikationsbehörde BTK bestätigte die Echtheit der Regierungsaktion. Ein Land entwickelt sich zum Orwell-Staat.

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04.07.23:55
TAGEBUCH

Meinungspause bis 16. Juli

Ich bin dann mal weg ...

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